Gelesen: „Der letzte Tag“ von Glenn Kleier – Was tun, wenn Gottes Tochter erscheint?

Das „Millennium“ steht kurz bevor: Zum Jahreswechsel von 1999 auf 2000 steht die Welt ein wenig Kopf – Für viele Menschen markiert der Übergang ins neue Jahrtausend etwas Besonderes. Insbesondere in Jerusalem, der Stadt, in der Juden, Moslems und Christen zusammentreffen, wird ein besonderes Fest erwartet. Aus diesem Grund sind auch Jonathan Feldman und sein Videoreporterteam des Senders WNN in der israelischen Hauptstadt, um von der Silversternacht dort zu berichten. Doch pünktlich um Mitternacht erschüttert ein Erdbeben die Stadt und sorgt für Endzeitpanik. Gleichzeitig zerstört ein Himmelsgeschoss eine militärische Forschungsbasis in der südisraelischen Wüste.

Die Hardcover-Erstausgabe von „Der letzte Tag“, erschienen 1998 im Lichtenberg Verlag.
Foto: Vennemann

In das Chaos mischt sich das Erscheinen einer ätherisch wirkenden jungen Frau, die immer wieder ungesehen auftaucht und verschwindet. Sie behauptet, im Namen Gottes zu sprechen, und offenbart sich wenig später als Jesa, die Tochter Gottes. Sie sei erschienen, um der Menschheit die Apokalypse vorauszusagen, denn die etablierten Religionen hätten Gottes Wort aus Eigennutz Jahrhunderte lang falsch interpretiert. Bald sammeln sich Befürworter und Gegner Jesas in Israel und weltweit, um auszutragen, wer Recht hat. Auch die Religionen wollen gegen den die in ihren Augen „falsche Prophetin“, die allerdings offenbar sämtliche Sprachen der Erde spricht und Kranke heilen kann, vorzugehen.

Als WNN recherchiert, dass Jesa womöglich ein Produkt verbotener genetischer Experimente ist, geraten Feldman und sein Team durch ihre Berichte an die Weltspitze der Berichterstattung. Als Jesa dann noch Feldman auswählt, sie zu Terminen und Predigten in aller Welt zu begleiten, muss auch er sich fragen, an was – oder wen – er glaubt.

Glenn Kleiers Thriller aus dem Jahr 1997 nutzt geschickt die Spannung, die damals herrschte. Was wird das Jahr 2000 bringen? Niemand wusste es damals. In diese Ungewissheit hinein hat Kleier mit seinem damaligen Debüt einen äußerst interessanten und sehr geschickt mit christlich-religiösen Motiven spielenden Roman kreiert, der 560 dicht bedruckte Seiten füllt. Wie würden Medien, Gläubige und die Religionsoberhäupter reagieren, wenn tatsächlich eines Tages eine neue Jesus-Figur auf den Plan tritt? Kleier spielt das alles sehr realistisch durch und wählt mit der Journalistenperspektive eine Sicht, die stets auf Objektivität bedacht sein soll, die aber gerade bei so einem Thema immer auch persönliche Überzeugungen mit berücksichtigen muss.

Das Buch braucht, bis es an diesen interessanten Fragestellungen anlangt, allerdings gut 150 bis 200 Seiten, die durchaus Längen besitzen, auch wenn Kleier durch kurze Kapitel und viele Perspektivwechsel das Tempo hoch zu halten versucht. Nach diesem etwas anstrengenden ersten Drittel wird „Der letzte Tag“ allerdings immer spannender und faszinierender – nicht so sehr wegen der Figuren selbst, sondern wegen der vielseitigen Betrachtungsweise des Themas, vielen Ungewissheiten und Geheimnissen sowie internen Konflikten. Da ist es zu verschmerzen, dass das Ende etwas unfertig und unbefriedigend wirkt. Bis dahin war sowieso der Weg das Ziel – und der lohnt sich.

Der Roman erschien 1998 als Hardcover beim Lichtenberg Verlag und war später als Knaur-Taschenbuch erhältlich. Aktuell ist er nur antiquarisch bei einigen Anbietern verfügbar.

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Ein bunter Strauß verpasster Chancen: „John Sinclair – Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ von Jason Dark

Wer ein bisschen verfolgt hat, was ich so lese, hat sicher schon bemerkt, dass sich dort ab und zu auch einmal Romane des von Jason Dark geschaffenen „Geisterjägers John Sinclair“ finden, die ich – was den Meister selbst angeht, der mehr als 2000 Romane für die Serie selbst verfasst und sich damit ein bewundernswertes schriftstellerisches Denkmal geschaffen hat – häufig mit einem lachenden und einem weinenden Auge begutachte. Das liegt häufig daran, dass mir Darks krude Sprachschöpfungen, die teils schiefen Bilder und allgemein sein – sagen wir mal: „reduzierter“ – Stil einige Probleme behalten. Andererseits liefert er im Ansatz stets spannende Ideen, nur an der Umsetzung mangelt es meiner Meinung, und das regelmäßig, nicht als Ausnahme.

Entsprechend skeptisch wagte ich mich kürzlich an die Lektüre des Hardcovers „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ aus dem Jahr 2003. Damals feierte man „25 Jahre John Sinclair“ mit diesem überlangen Spezialroman, in dem Dark einen der beliebtesten und furchteinflößendsten Gegner des Geisterjägers wieder auferstehen ließ. „Warum nicht?“, dachte ich. „Wenn es gut gemacht ist?“ – Tja, wie erwartet ist es das – leider – nicht.

Sieht cool aus, ist als Jubiläumsroman allerdings sehr enttäuschend: „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ von Jason Dark erschien 2003 zum 25. Geburtstag der Serie. (Foto: Sascha Vennemann)

Zäher Einstieg: John Sinclair findet sich in der von Will „Dracula II“ geschaffenen Vampirwelt wieder, wo ihm sein einstiger Freund eröffnet, dass jemand den Schwarzen Tod wiederauferstehen lassen möchte. Für diese simple Information braucht der Text fast 25 Seiten. Und gleich noch einmal 25 Seiten, bis John diese Information an sein Team, bestehend aus Sir James, Suko und Glenda Perkins weitergegeben hat. 50 Seiten dröge Einleitung, um dem Leser die Grundidee des Romans, die schon in seinem Titel steht, nahe zu bringen. Schwungvoll geht anders.

Der Antagonist: Der heißt Namtar, besitzt eine helle und eine dunkel-verbrannte Gesichtshälfte und ist, wie man später erfährt, ein gefallener Engel. Zusammen mit anderen hat er sich eine Dimension oder Welt geschaffen, in die oder der er bestimmte Seelen oder, nun ja, was halt so übrig bleibt, wenn man Dämonen meuchelt, hineinzieht, bevor diese ins Nimmerwiedersehen des hintersten Höllenwinkels verschwinden können. Oh, wie praktisch: Eine Art Pufferspeicher für Gegner, die man plötzlich wieder aus dem Hut zaubern möchte!

Die Lösung für die Rückkehr: Das ist tatsächlich die Lösung, wie der Schwarze Tod, das Riesenskelett mit Sense, wieder zurückkehren kann – einfach nachträglich erklären, dass man ihn in einer Nebendimension geparkt hat. Okay, das Erfinden von Nebenwelten und Dimensionen hat bei Sinclair durchaus Tradition, passt also ins Bild. Elegant war das allerdings nie und wirkt auch jedes Mal wie ein billiger Taschenspielertrick.

Die Quest: Eigentlich folgt dann eine ganz gute Idee, die durchaus für stimmungsvolle Momente sorgt. Denn um den Schwarzen Tod aus der anderen in unsere Welt zu holen, muss Namtar vier Menschen mit vier Eigenschaften töten, die den vier Evangelisten gleichen. Die kleinen Nebenplots um die Männer, die beispielsweise im Löwengehege eines Zoos oder in einem Schlachthaus arbeiten, sind gelungene Miniaturen. Sie bringen die Hauptgeschichte, auf die der Leser wartet, allerdings nicht voran und spielen – soviel kann man verraten – im Anschluss keinerlei Rolle mehr.

Späte Rückkehr: Bei 317 Seiten Gesamtlänge dauert es bis Seite 265, bis der Schwarze Tod dann tatsächlich zurück ist und seine Sensenmann-Arbeit in unserer Welt wieder aufnimmt – viel zu spät, um ihn als Hauptfigur und nachhaltige Bedrohung wieder in den Vordergrund zu stellen. Zwar sorgt er für einige actionreiche Kampfeinlagen, bleibt aber (Achtung, Wortwitz!) ziemlich „blass“ und für Leser, die die Figur nicht schon aus anderen Romanen kannten, seltsam ungefährlich. Soviel Gewese um dieses Gerippe?

Diese Punkte sprechen schon nicht sehr für den Roman, aber es gibt drei weitere, die ihn endgültig über die Klippe stoßen. Meiner Meinung nach sind das eklatante erzählerische Fehler, die hier begangen wurden.

Durchgehende Passivität: John und sein Team sind den ganzen Roman über zur Passivität verdammt. Sie müssen sich erst erklären lassen, was überhaupt die Gefahr ist. Dann laufen sie Namtar hinterher, der eine Person nach der anderen killt. John und Suko kommen stets zu spät, um die Morde verhindern zu können, hinken immer hinterher. Am Ende können sie der Übermacht des Schwarzen Todes nicht begegnen, sie sind dafür zu schwach und haben keine adäquate Waffe in der Hinterhand. Diese „Wir können nichts tun“-Haltung überträgt sich auch auf den Leser, der sich schnell fragt: „Warum soll ich denn dann weitergelesen?“ – Ein absoluter Lese-Killer, immer.

Eine Allianz, die nie zustande kommt: Hinzu kommt, dass Dracula II und Justine Cavallo John und seinem Team mehrmals anbieten, beim Kampf gegen die Rückkehr des Schwarzen Tods mitzuwirken. Mehrmals wird diese Möglichkeit angesprochen, jedes Mal schlägt John sie mit dem Hinweis darauf aus, dass Vampiren nicht zu trauen ist. Tja, dann lieber nichts tun und zuschauen, wie ein noch mächtigerer Feind zurückkehrt, anstatt dass man sich mal zusammenrauft und eine neue Einsatztruppe gegen gemeinsamen Gegner bildet? Nein, das wäre ja viel zu spannend geworden…

Ein Ende, das ins Leere läuft: Zum Schluss – und das ist fast die größte Frechheit – verläuft die Story einfach im Nichts. Namtar und der Schwarze Tod verschwinden einfach aus dem Einflussbereich der Menschen und Vampire, die ihnen an den Kragen wollen. Der Hinweis: „Es geht wieder von vorne los!“ soll wohl auf eine Fortsetzung in der Serie hinweisen. Allerdings bekommt das Hardcover so nicht einmal den Hauch einer Abrundung, hängt völlig in der Luft und man fragt sich, wozu man dann nun die ganze Story gebraucht und gelesen hat. „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ ist – bis auf wenige Nebenhandlungen – eine kolossale Enttäuschung und eines Jubiläumsbandes für ein so langlebiges und legendäres Franchise nicht würdig. Über die Lektüre habe ich mich sehr geärgert und ich hoffe wirklich, dass frühere längere Sinclair-Romane wie „Hexenküsse“ und „Voodoo-Land“ gelungener ausfallen: Sie stehen ebenfalls noch auf meiner Leseliste.

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Mars-Western, Mars-Märchen und Mars-Männchen: „Strasse der Verlassenheit“ von Ian McDonald

„Strasse der Verlassenheit“: Was für ein Roman! Seit dem Jahreswechsel hat mich zwischendurch immer mal wieder das Debüt des Science-Fiction-Autors Ian McDonald aus dem Jahr 1988 beschäftigt. Seine Luna-Trilogie gehört für mich zu dem besten, das ich in dem Genre bisher las, deswegen wollte ich mich weiter mit ihm beschäftigen – und am Anfang beginnen. „Desolation Road“ erschien in der deutschen Übersetzung erstmals 1991 im Bastei Lübbe Verlag als Taschenbuch mit rund 450 Seiten. Und schon beim Lesen dachte ich: „Das Ding nimmt ja überhaupt kein Ende!“ – Nicht bezogen darauf, dass der Inhalt sich ziehen würde, sondern einfach aufgrund der Textmasse. Die Erstausgabe ist nämlich mit kleiner Schrift und direkt anschließenden Kapiteln sehr eng formatiert. Spätere Auflagen hatten dann auch schon schnell mal an die 600 Seiten, und so fühlt sich der Roman auch eher an.

Cover der Erstausgabe von 1991, erschienen im Bastei Lübbe Verlag.
(Foto: Sascha Vennemann)

Worum geht es? Der Mars wird langsam von den Menschen besiedelt, man kann sich dort inzwischen ohne Hilfsmittel bewegen. In der roten Staubwüste irrt der Wissenschaftler und Erfinder Dr. Allimantando einem grünen Wesen hinterher und kommt an einen Ort, an dem ihn die Vision einer Siedlung ereilt. Er lässt sich dort nieder – und bald kommen tatsächlich die ersten Siedler. Die Gemeinschaft wächst durch Personen, die einen Neuanfang suchen und hier finden. Später bekommt die nahe Eisenbahnlinie hier einen Haltepunkt. Das Dorf und seine Bewohner entwickeln sich, Familienfehden entstehen, es kommt zu Kriegen und Intrigen, religiösen Konflikten, Affären und unerfüllten Lieben. Aber irgendwann ist auch die Stadt „Desolation Road“ am Ende ihres Weges angelangt.

Das Debüt von Ian McDonald ist eine Mixtur aus Western- und Siedlertreck-Hommage, gemischt mit Elementen der Science-Fiction und des magischen Realismus. Das ist vor allem im mittleren Teil des langen Romans ziemlich anstrengend, weil sich der Autor in unzähligen Figuren- und Nebenhandlungen verliert, die alle mehr oder weniger wieder zusammenlaufen, das Fortkommen aber ziemlich erschweren. Wenn das Industriezeitalter in der Stadt Einzug hält und es zum Klassenkampf zwischen Arbeitern und Obrigkeit kommt, versteht man die Bezüge recht deutlich. Trotz der anstrengenden Lektüre konnte ich gerade in der zweiten Hälfte der Handlung wieder besser folgen und erkenne hier ganz viele Ansätze von Dingen, die McDonald bei der Luna-Trilogie zur Perfektion getrieben hat – nämlich das Nachzeichnen familiärer Verwicklungen in einem futuristischen Setting.

„Strasse der Verlassenheit“ ist ein fordernder Roman, keine Frage. Aber er lohnt sich, nicht nur wegen der wirklich seltsamen Genre-Mischung und den vielen kruden Ideen zu seinen Figuren. Schade, dass die Fortsetzung „Ares Express“ bislang nicht ins Deutsche übersetzt wurde. (Dieser Text enthält Affiliate-Links zum Anbieter Amazon.de)

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Too little, too late: Warum der „Uncharted“-Roman „Das vierte Labyrinth“ nur bedingt funktioniert

Ich bin ein großer Freund von Videospielen, sammle – wenn auch nicht fanatisch – gerne alte Konsolen und Games und ich bin seit jeher auch ein eifriger Leser von Begleitromanen zu den Spielen, die manchmal einfach nur die Hauptstory nacherzählen oder etwas ausschmücken, manchmal aber auch gänzlich neue Abenteuer mit den Figuren bieten.

Entsprechend gespannt war ich auf „Das vierte Labyrinth“ von Christopher Golden, den offiziellen Roman zum Uncharted-Franchise. Von den fünf Spielen der Serie, die auf der Playstation 3 und 4 erschienen sind, habe ich die ersten drei Titel gespielt und war von der tollen Mischung aus exotischen Schauplätzen, geballter Action und ansprechender Story sehr angetan. Der Hauptcharakter Nathan Drake ist so etwas wie eine Mischung aus Indiana Jones und Lara Croft aus Tomb Raider. Wenig verwunderlich ähnelt sich auch das Gameplay vom Tomb Raider und Uncharted – was Drake wiederum für mich einnimmt, schließlich habe ich so gut wie alle Tomb Raider-Teile seit Start der Reihe in den 1990-er Jahren gespielt.

Odyssee im Online-Antiquariat

Ich freute mich also, nach den ersten drei Uncharted-Spielen ein weiteres Abenteuer mit Nathan Drake und seinem väterlichen Freund Victor Sullivan – diesmal in literarischer Form – zu erleben. Und das Abenteuer ging schon damit los, das Buch überhaupt in die Finger zu bekommen. Die deutsche Übersetzung aus dem Panini Verlag erschien 2012 als hochwertiges Paperback mit Klappbroschur – ist aber inzwischen vergriffen. Bei den gängigen Antiquariatsportalen kostet es derzeit (Stand: Anfang 2021) gerne mal das Doppelte oder Dreifache des ursprünglichen Preises von rund 15 Euro. Bis ich ein Angebot fand, das nur leicht über die Neupreis lag, musste ich schon ein bisschen suchen. „Na gut“, dachte ich. „Vielleicht ist der Roman das ja wert.“

Was erwarte ich von einem Games-Roman? Ich erwarte, dass er ein gutes Gespür für die Figuren und ihre Charakterisierungen hat und dass er die Essenz des Spiels, seine Stimmung und Besonderheiten einfängt. Bei Uncharted bedeutet das für mich: Over-the-Top-Action, eine Schatzsucher-Mystery-Alte-Kulturen-Story als Background und atemberaubende Szenarios. Wenn ich daran denke, in welchen Szenen Drake in den Videospielen rumturnt, glänzen meine Gamer-Augen. So etwas wollte ich auch im Buch lesen, hoffte vielleicht auf Actionszenen, wie der australische Autor Matthew Reilly sie für seine Jack West-Reihe oder die Romane um Captain Shane „Scarecrow“ Schofield verfasst hat.

Spiele und Romane können sich im besten Fall gut ergänzen: Im Fall von „Das vierte Labyrinth“ klappt das leider nicht so gut. (Foto: Vennemann)

Golden lässt seinen Roman recht vielversprechend mit einer typischen Action-Fluchtszene beginnen, um die Figuren für diejenigen einzuführen, die sie vielleicht noch nicht kennen. Danach entblättert sich nach und nach die eigentliche Story: Victor Sullivans alter Freund und Altertumsforscher Lukas Hzujak wurde in New York ermordet. Er war offenbar einer Sensation auf der Spur: In einem Konglomerat aus Legenden um den Minotaurus, Daedalus und ursprünglicher Alchemie bastelt sich Golden hier ein Szenario aus vier unterirdisch gelegenen Labyrinthen zusammen, in denen viele Gefahren lauern und in denen unermessliche Schätze lagern sollen.

Bei der Reise rund um den Globus (Ägypten, Griechenland, China udn ein Hauch von, nun ja, Atlantis) werden sie von Jada, der Tochter des Forschers, begleitet, die ihre Stiefmutter Olivia hinter dem Mord vermutet. Und natürlich hat diese durchtriebene Alte sich Unterstützung von einem reichen Geschäftsmann und seinem Söldnertrupp geholt, um Drake und Sully das Leben schwer zu machen. In den Labyrinthen kommt es deswegen immer wieder zu Kämpfen – zumal dort auch stets seltsame Gestalten auftauchen, die die Bauten zu beschützen scheinen.

Too little, too late

Klingt doch alles ganz gut, oder? Ist es ja eigentlich auch. Das ganz große Problem, das „Das vierte Labyrinth“ hat, ist, dass das Buch viel zu lang ist. 430 Seiten sind ohnehin schon recht viel für einen Games-Roman. Noch dazu sind die großformatigen Seiten recht eng bedruckt – das bedeutet jede Menge Text. Das wäre nicht schlimm, wüsste Golden die Seiten mit den – immer aus meiner Sicht betrachtet – richtigem Inhalt füllen. Tragischerweise tut er das erst ab Seite 175, und das ist einfach viel zu spät!

Goldens Ansatz muss gewesen sein, den Abenteuer-Thriller ganz gemächlich aufzubauen und seine Figuren langsam den Weg bis zum ersten Labyrinth ermitteln zu lassen. Im Spiel kann so etwas durch eine Zwischensequenz passieren, oder vielleicht ein kürzeres Zwischenlevel mit Stealth-Elementen. Aber rund 40 Prozent des Romans verstreichen zu lassen, bevor die Helden überhaupt an den ersten exotischen Handlungsort kommen und dort das tun, was sie im Spiel auch machen – Kämpfen und Rätsel lösen -, ist einfach eine, Entschuldigung, saudumme Idee!

Immer wieder war ich drauf und dran, die Lektüre abzubrechen. Was ich auf den ersten rund 200 Seiten las, war einfach nicht das, was ich aus den Spielen kannte und mir beim Lesen wünschte. Danach ging es allerdings rund: Die Labyrinth-Szenarien wurden gut eingeführt und Stück für Stück erweitert, es gab spannende Wendungen und schöne Kämpfe. Dadurch, dass die Handlung allerdings größtenteils in Kavernen und Höhlen spielt, beraubt sich Golden selbst vieler Möglichkeiten, die Kämpfe zu gestalten. Bis auf Duck-and-Cover-Schießduelle in schlauchartigen Gängen bleibt da wenig übrig. Fatal, wenn Uncharted sich doch sonst durch größere Kampfareale unter freiem Himmel auszeichnet.

Ein ernüchterndes Fazit

Der offizielle Uncharted-Roman scheitert in meinen Augen also nicht völlig – er vertut nur jede Menge Chancen. So gut er den Ton der Figuren trifft, so wenig macht er aus den vorhandenen Grundlagen. Die Einführung gerät viel zu ausufernd, das Abenteuer-Szenario presst sich durch die Limitierung auf unterirdische Labyrinthe in ein sehr starres Korsett, das nur einen Bruchteil dessen bieten kann, was die Games ausmacht. Zudem ist das Buch einfach wirklich viel zu lang – rund ein Drittel weniger Text hätten es schon sein müssen, damit ein durchgängig spannender Text mit ausreichend Tempo erhalten geblieben wäre. „Das vierte Labyrinth“ bietet also gute Ansätze und in Teilen auch eine ausreichend gute Umsetzung, ist für mich als Uncharted-Fan allerdings doch eine mittlere bis größere Enttäuschung.

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Kurzrezensionen zur Mini-Serie „Perry Rhodan – Mission SOL 2“

Meine Eindrücke zur zweiten Staffel – Zusammengefasst in einem Beitrag

Nachdem ich in der ersten Jahreshälfte 2020 die Lektüre der Perry Rhodan-Miniserie „Mission SOL“ aus dem vergangenen Jahr nachgeholt hatte und hier meine zusammenfassenden Eindrücke schilderte, konnte ich bei der diesjährigen Fortsetzung „Mission SOL 2“ von Anfang an dabei sein und – für meine Verhältnisse – beinahe aktuell mitlesen. Wie schon bei der ersten Staffel fasse ich in diesem Artikel noch einmal die zwölf Kurzrezensionen zusammen, die ich zu den zwölf Bänden für meine Instragram- und Goodreads-Kanäle verfasst habe.

Vorab: Die Serie hat sich doch sehr in eine Richtung entwickelt, die ich mir ursprünglich nicht unbedingt gewünscht hatte. Das betrifft vor allem die letzten drei, vier Romane. Als Fazit zur Vorgänger-Miniserie schrieb ich: „Wenn es in der zweiten Staffel gelingt, die Story etwas gradliniger zu gestalten, ohne dabei auf Charakterentwicklungen zu verzichten, würde mir das gefallen.“ „Mission SOL 2“ hat eher das Gegenteil getan: Die Serie hat die Handlung ziemlich auseinander gezogen und die Entwicklung der Charaktere, insbesondere der Protagonisten, zugunsten einer teils unnötig verkomplizierten und verschachtelten Handlung, nach meinem Empfinden sehr zurückgefahren oder zumindest an der ein oder anderen Stelle nicht schlüssig nachvollzogen.

Dem guten Autorenteam ist es zu verdanken, dass die Romane an sich aber jeweils gut und abwechslungsreich zu lesen sind und diese Mini-Serie insgesamt im Durchschnitt sogar bessere Wertungen von mir bekommt als der Vorgänger. Die Bände haben mich alles in allem wieder gut unterhalten, auch wenn das in den Kurzrezensionen manchmal nicht so stark durchscheint. Dementsprechend freue ich mich auch schon auf die nächste Mini-Serie, die ab März 2021 erscheinen soll. Für die Exposés wird dann Michael Marcus Thurner sorgen, was die Erwartungen alles andere als schmälert. Hier aber zunächst meine Impressionen zu „Mission SOL 2“:

Band 1 – „Ritter des Chaos “: Als bekannt wurde, dass die Mini-Serie „Mission SOL“ in eine zweite Staffel gehen würde, war das für mich schon eine Überraschung. Dass eine eigentlich in sich abgeschlossene Serie fortgeführt wird, kommt ja auch nicht alle Tage vor. Den Auftakt zu Season 2 hat Exposé-Autor Kai Hirdt wieder selbst übernommen und geht mit einer ordentlichen Portion Technobabble, Raumgefechten und einer großen Prise lakonischem Dialoghumor gleich in die Vollen. Sehr guter „zweiter Start“ in die Fortsetzung – trotz des etwas ungelenken Übergangs. Und schön, dass „Altlasten“ wie der Kuum nicht vergessen werden… (5/5)

Band 2 – „BARILS Botschaft“: Perry Rhodans Eingreifen in das Eingreifen der Ritter von BARIL bringt ihm als Konsequenz eine Überprüfung seiner Motive durch die Diener der Superintelligenz ein – mit einem für mich dann doch überraschenden Ausgang. Madeleine Puljics Roman bietet ein bisschen Gefangenschaftskitt zwischen schön geschilderten Prüfungen, lediglich die religiösen Paragraphen, die erst schwurbelig verklausuliert etwas erzählen, das im Anschluss noch einmal zusammenfassend durch den Protagonisten erklärt werden muss, hätte ich nicht gebraucht. Entweder das eine, oder das andere. Der Rest hat mir aber sehr gut gefallen. So kann’s weitergehen! (4/5)

Band 3 – „Zielpunkt Nebelzone“: Weg von Perry Rhodan, hin zu Roi Danton: Rhodans Sohn ist mit der CALAMAR auf einer geheimen Erkundungsmission unterwegs, um mehr darüber herauszufinden, was die Chaosmächte vorhaben. Dazu muss das Team um Danton zunächst verdeckt Erkundigungen auf einer Raumstation einholen, wird dann enttarnt und flieht auf einem unerwarteten Weg – mit einem besonderen Schiff. // Olaf Brill wählt in dem dritten Roman der „Mission SOL 2“-Miniserie den Ansatz, die Geschichte aus dem Blickwinkel eines unerfahrenen Neu-Solaners zu erzählen. Geschickt, denn so können auch unerfahrene Perry-Leser wie ich ein wenig von Dantons Vergangenheit und später wichtige Grundlagen für den Skapalm-Bark-Coup erfahren. Das wirkt zunächst etwas zäh und führt auch wieder zu – allerdings angenehm wenigen – nervigen Selbstzweifelpassagen des Protagonisten, der Roman nimmt jedoch bereits nach wenigen Seiten ordentlich Fahrt auf und weiß im finalen Drittel sogar mit einigen Wendungen und einer tollen Stimmung richtig zu begeistern. Das liegt vielleicht auch an der deutlichen „Alien 4“-Hommage, die Brill eingebaut hat: Stichwort Gen-Labor. Dann also doch: Volle Punktzahl! (5/5)

Band 4 – „Im Sphärenlabyrinth“: Roi Danton flüchtet mit seinem Einsatztrupp als Kalbaron an Bord der Skapalm-Bark in einen Nebel, der sich als kaum passierbares Sphärenlabyrinth offenbart. Auch die SOL landet schließlich dort. Was nicht ohne Folgen bleibt, denn in dem aus gleich großen Hohlkugeln bestehenden Gebilde scheint irgendetwas zu schlafen, dass sich einiger Solaner bemächtigt und beinahe dazu führt, dass die fragile Situation an Bord außer Kontrolle gerät – zumal offenbar auch jemand von BARILS Rittern nicht mit den anderen an einem Strang zieht. // Es ist ein bisschen unfair, dass ich nach dem Hermann Ritter-Band in der vergangenen Mini-Serie schon wieder einen seiner Romane als den bislang an wenigsten gelungenen der laufenden SOL-Staffel benennen muss. Das liegt aber diesmal weniger an der Ausgestaltung sondern eindeutig am zugrunde liegenden Exposé, das mir hier nicht zusagt. Erstens ist die Handlung recht spannungsarm: Sowohl Danton als auch Rhodan müssen sich mit den jeweiligen anderen Mächten an Bord ihrer jeweiligen Raumschiffe durch langwierige Argumentationsdialoge herauswinden. Zweitens mutet das Sphärenlabyrinth bei aller Rätselhaftig- und Undurchdringlichkeit doch sehr wie die proto-chaotische Zelle aus dem Vorzyklus an, zumal – drittens – hier offenbar schon wieder eine verborgene Macht in einem seltsamen Raumgebiet schlummert und Einfluss auf Teile der SOL-Besatzung nimmt. Den ganzen Band über hatte ich das Gefühl, eine Art Wiederholung von Settings und Ereignissen aus der ersten SOL-Staffel zu lesen. Ich hoffe nun auf eine originellere Ausgestaltung der Situation in den Folgebänden, denn die aktuelle Handlungsentwicklung in Band 4 finde ich leider wirklich nicht sonderlich spannend… (2/5)

Band 5 – „Der violette Tod“: Zurück zu Perry und der SOL, die weiter unter der Fuchtel der Ritterin A-Kuatond stehen. Noch immer steht nicht fest, wer bei den Rittern von BARIL falsch spielt. Semmaru, der Diplomat, scheint ein guter Kandidat dafür zu sein. Wie passend, dass er gerade jetzt Hilfe benötigt, bei der Ernte auf einem Planeten, dessen Bewohner von einer tödlichen Seuche heimgesucht werden. // Dass es in diesem Band um eine hoch ansteckende Pandemie geht, verleiht dem lange vor der Corona-Krise geplanten und geschriebenen Roman von Bernd Perplies natürlich eine ungewöhnliche, aktuelle Brisanz. Solche Zufälle gibt es halt, und es ist schon interessant zu sehen, dass Schutzkleidung und soziale Isolation auf dem betroffenen Planeten und später auch der SOL das Maß der Dinge sind. Davon abgesehen liefert der Roman im ersten Drittel eine gute Zusammenfassung der bisherigen Handlung, eine mäßig spannende Infektionsgeschehen-Handlung in der Mitte und ein gutes und einigermaßen überraschendes Finale. „Der violette Tod“ hätte an der ein oder anderen Stelle noch etwas mehr Tempo vertragen können, arbeitet aber ausführlich und gut an seinem Figurenensemble. // Noch immer ist nicht ganz klar, wohin sich die zweite „Mission SOL“-Staffel entwickelt, aber anstatt kompakter als die erste zu werden, scheint sie, vor allem mit den wechselnden Spielorten an Bord der SOL (Band 5) und der CALAMAR (Band 4 & Band 6) eher noch mehr auszufransen, bevor sie sicher irgendwann wieder zusammenführt. So ganz überzeugt mich das jetzt noch nicht. Zumal sich die Vorschau auf Band 6 auch eher wie ein weiteres Einzelabenteuer mit überschaubarem Beitrag zur Gesamthandlung ausnimmt. Wir werden sehen… (3/5)

Band 6 – „Das Licht in der Tiefe“: Meine Befürchtungen, die zweite „Mission SOL“-Staffel könnte ein wenig aus dem Ruder laufen, was den „roten Faden“ betrifft, konnte „Das Licht in der Tiefe“ jetzt nicht gerade zerstreuen. Dennoch ist der Roman für mich mit Abstand der beste Einzeltitel der bisherigen Staffel, denn was Autor Olaf Brill hier an World Building betreibt ist der pure „Sense of Wonder“-Lesegenuss. Die Geschichte der Erzkratzerin Cin auf dem Planetoiden Doliuto und ihr Aufstieg aus den Minen an die Oberfläche ist zwar kein neues Motiv, aber hervorragend erzählt und inszeniert, dazu mit einem tollem Gespür für Stimmungen und Details. Noch dazu geschickt gewählt ist der Perspektivwechsel in die Gegenwarts- und Ich-Form, wenn es um Roi Danton geht. Das sorgt für eine schöne Dynamik im gesamten Roman, der im leicht zu lang geratenen Finale zwar etwas an Schwung verliert, aber dennoch als Gesamtwerk mit Blick auf die bisherigen Romane der Staffel weit hinaus sticht. Wenn alle Beiträge zu Serie sich selbst so gut tragen würden, würde ich mir auch keine so großen Gedanken um deren Zusammenspiel machen. Für dieses Mal heißt es aber: Volle Punktzahl! (5/5)

Band 7 – „Drei hoch Psi“: Die CALAMAR kehrt zur SOL zurück, A-Kuatond verlässt das Schiff und verleiht Perry nun auch ganz offiziell den Titel eines Orbiters eines Ritters BARILS. Da die Crew aber immer noch nicht Eroin Blitzers Befehl, das Sphärenlabyrinth zu zerstören, nachkommen will, klaut er die CALAMAR und fliegt auf eigene Faust los, um sich eine passende Waffe zu besorgen. Die SOL folgt dem Zwergandroiden ins Raxulsystem, wo die primatenähnlichen Xilar leben. Diese bilden in Dreiergespannen so etwas wie Lebenskollektive, und je mehr sich von ihnen zusammentun, desto machtvoller werden ihre Psi-Gaben. Doch Blitzer verschätzt sich etwas in der Handhabbarkeit der Wesen, als er mit ihnen der SOL drohen will. // Das war ja mal eine schwere Geburt… Ich gebe zu, mit diesem Roman von Dietmar Schmidt hatte ich anfangs ziemliche Probleme, denn das erste Drittel empfand ich als extrem zäh, und es hat mich mehrere Anläufe gekostet, um dann doch weiterzumachen. Ich merke, dass mich Aroff und Zerbone kein Stück interessieren, und ich zu Blitzers Figur auch nie irgendeinen Draht habe bzw. hatte. Erst mit der Ankunft Blitzers im Raxulsystem und der Einführung der Xilar wurde der Roman richtig interessant, denn diese Spezies und ihre Fähigkeiten sorgen für allerhand spannende Möglichkeiten, die dann auch gut genutzt werden. Ingesamt betrachtet fühlt sich das erste Drittel fast wie ein Fremdkörper in diesem sonst gelungenen Roman an. Ich fürchte aber, dass er für die Fortführung nötig ist, und bemerke: Der rote Faden dieses Zyklus wird in dessen Mitte doch sehr dünn. Mal sehen, ob sich das mit den nächsten Bänden wieder ändert. (4/5)

Band 8 – „Das Gelbe Universum“: Was will die terminale Kolonne TRAITOR mit dem PEW-Metall von Duliuto? Um das herauszufinden begibt sich die CALAMAR unter dem Kommando von Roi Danton ins „Gelbe Universum“. Zunächst muss dazu aber ein Transversal-Umsetzer aktiviert werden, damit der Übergang gelingt. Ennyas Achi leitet den Einsatz, der beinahe schief geht. Aber schon bald muss sich der Neu-Solaner erneut beweisen, als die CALAMAR im fremden Kontinuum mit nur einer Sonne von TRAITOR geentert wird. Auf dem Planeten Nygnard müssen Anchi und seine Mitgefangenen sich nicht nur aus einem Gefängnis befreien, sondern auch die Besatzung der CALAMAR davor retten, an eine lebende Masse namens TRAZUL verfüttert zu werden… // „Das Gelbe Universum“ ist mit Abstand der beste Rhodan-Roman vom geschätzten Kollegen Ben Calvin Hary, den er bislang verfasst hat. Er bietet von vorne bis hinten spannende Szenarien, ein abwechslungsreiches Ensemble teils exotischer Aliens und gibt den Lesern endlich einen Teil der Auflösung an die Hand, worum es bei dieser zweiten SOL-Staffel eigentlich gehen soll. Abzüge gibt es – allerdings nicht in der Darstellung, sondern konzeptionell – für Anchi, der in seiner nervtötenden Unsicherheit gepaart mit Übermut nicht mehr ist als eine Mahlia Meyun 2.0 und für die wiederholte – in diesem Fall sogar doppelt gebracht – Storyelement des Verrats oder vermeintlichen Verrats innerhalb des Figurenensembles. Das nutzt sich nicht nur ab, sondern wirkt oft auch wie ein billiger Trick, damit die Geschichte überhaupt irgendwie funktioniert. Von diesen kleinen Mankos abgesehen ist „Das Gelbe Universum“ ein ganz wunderbarer Roman, der auch wieder stückweise zurück zum „roten Faden“ findet. (5/5)

Band 9 – „Qumishas Sehnsucht“: Der Erkundungstrupp ist aus dem „Gelben Universum“ ohne die CALAMAR geflüchtet. Nun muss sich Kommandantin Qumisha mit Tausenden Neuzugängen in Stasiskammern herumschlagen – und mit Roi Danton, der unbedingt TRAZUL stoppen will. Als die SOL aus dem Sphärenlabyrinth fliehen muss, gerät sie unerwartet in die Nähe der Milchstraße. Sie Besatzung steht nun vor mehreren Problemen: Offenbar gibt es Verräter an Bord, die alles daran setzen, dass sich TRAZUL weiter zur neuen Supermacht an der Spitze von TRAITOR entwickeln kann. Und dann ist da noch die nicht ganz unwichtige Frage, ob man den Kampf gegen die wachsende Superintelligenz im Sphärenlabyrinth wieder aufnimmt, oder ob sich die SOL zur vergleichsweise nahen Heimatwelt Terra aufmachen soll. // Eine Bewertung dieses recht ruhigen Romans von Bernd Perplies fällt mir nicht leicht. Zum einen ist er sehr gut geschrieben und kann durch tolle Szenen punkten, die viel Platz für Zwischenmenschliches lassen. Andererseits wirkt der später wichtig werdende Konflikt zwischen Qumisha und Danton auf mich ziemlich aus der Luft gegriffen, um nicht zu sagen: konstruiert. Vielleicht kenne ich als Nur-Miniserien-Leser die beiden Figuren einfach nicht gut genug, um das beurteilen zu können. Aber in den vergangenen Romanen dieser und der Vorgänger-SOL-Serie wurden die beiden für mich nie als solche Hardliner oder Fanatiker ihrer jeweiligen Standpunkte dargestellt. Das inszenierte Drama wirkte auf mich also eher befremdlich und die jeweiligen Motivationen blieben wir – im Rückschluss auf die Figuren selbst – einfach viel zu blass. Da frage ich mich, wo der Fehler liegt: In meiner Rezeption, in der Schilderung des Autoren oder auf der strukturellen Ebene des Exposés? Da auch sonst nicht allzu viel zum „roten Faden“ beigetragen wird – von der erneuten Erwähnung der Vielen Einen einmal abgesehen – bleibt mir lediglich eine Einordnung im (unteren) Mittelfeld. (3/5)

Band 10 – „Die gespaltene Welt“: Als A-Kuatond nicht am verabredeten Treffpunkt auftaucht, macht Perry Rhodan sich selbst auf die Suche nach der Ritterin BARILS und stößt auf den Planeten Unja, der in eine paradiesische und eine verwüstete Hälfte aufgeteilt ist. Dort haben Cyborg-Wesen das Sagen über die Einheimischen auf der hellen Seite. Diese werden bereits beim geringsten Vergehen gefangenen genommen und zur dunklen Seite gebracht, um dort von Haldukass, der Stimme BARILS, willkürlich zur Hälfte verschont oder zum Tode verurteilt werden. Rhodan gerät in Gefangenschaft und versucht zu fliehen. Dabei befreit er auch die dort festgesetzte Ritterin, die Beweise für Haldukass‘ Bündnis mit TRAITOR gesammelt hat und der ein grausames Schicksal bevorsteht… – Einige Wochen Pause lagen für mich zwischen der Lektüre von Band 9 und Band 10, und so brauchte ich eine geraume Zeit, um zurück in die Gesichte zu finden. Einige Sätze in dem Roman von Dietmar Schmidt sind ohne Vorkenntnisse der Handlung völlig unverständlich – ein Zeichen dafür, dass sich die Geschichte inzwischen vielleicht etwas zu sehr um sich selbst dreht. Der titelgebenden gespaltenen Welt als Setting wird leider nur sehr wenig Platz eingeräumt, dafür muss zuviel Handlung untergebracht werden – beispielsweise eine Rückblende in der Vergangenheit Haldukass‘. Das ist zwar nett, erweist sich aber erst einmal nur als Beiwerk, dem später hoffentlich noch etwas mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird. Die überraschende Wende vor dem Ritterrat bemüht – wie schon so oft in der Serie – das Element des Verrats. Diese ständige Wiederholung von Motivationsumdeutungen von Figuren in „Mission SOL“ geht mir zunehmend auf den Keks. Anstatt spannend oder gar schockierend zu wirken, tritt wegen ihnen die Geschichte oft auf der Stelle oder werden sogar Handlungsfortschritte zunichte gemacht. Das mittelprächtige Heft lege ich also mit einem bitteren Nachgeschmack zur Seite und hoffe auf einen stimmigeren Abschluss in den beiden übrigen Romanen.  (2/5)

Band 11 – „Anker der Superintelligenz“: Auch wenn Aroff und Zerbone von Roi Danton aus den Klauen der Terminalen Kolonne TRAITOR befreit wurden, ist besonders ersterer nicht sonderlich froh darüber und plant seine Flucht von der SOL – allerdings nicht ohne seinen alten Freund, auch wenn der eigentlich gar nicht wieder zurück möchte. A-Kuatond bricht mit Perry Rhodan auf, um SYRANS Chor, eine Sammlung von Bewusstseinen, zu TRAZULS Dorn zu bringen und kommt hinter ein schreckliches Geheimnis. Und Roi Danton will den wieder erstarkenden Eroin Blitzer durch einen Trick davon abbringen, die SOL zerstören zu lassen – mit überraschendem Ausgang. // Olaf Brill hat die undankbare Aufgabe, die Parteien für den Finalband in Position zu schieben und sehr viel Handlung auf wenigen Seiten unterzubringen. Das gelingt ihm, auch dank ein paar eindringlichen Wiederholungen zum jeweiligen Kapitelbeginn beim Umblenden zu einem der drei Haupterzählstränge, jedoch sehr gut. Auch wenn ich die Gesamtstory nun am Ende doch etwas sehr aufgeblasen empfinde, kommt im elften Band von „Mission SOL 2“ erfreulich viel und dabei sinnig zusammen. „Anker der Superintelligenz“ war bestimmt in der Planung und Umsetzung kein einfaches Heft. Respekt für dieses, ja, respektable Resultat! (4/5)

Band 12 – „Der Chaopressor“: Da ist es auch schon, das letzte Heft für diese Mini-Serie. Obwohl, „schon“? Ich muss sagen, dass die zweite SOL-Serie sich ganz anders entwickelt hat, als ich es zuerst erhofft und später vermutet hatte. Ich kann das schwer an etwas Bestimmtem festmachen, zumal mir die überwiegende Zahl der zwölf Romane ja durchaus gefallen hat. Insbesondere im letzten Drittel des Roman-Dutzend geriet die Story für mich aber irgendwie aus den Fugen, wurde mir einfach etwas zu groß. Tausende Traitanks gegen tausende Kosmokratenschiffe, Superintelligenz gegen Superintelligenz… Ich hätte es vielleicht gern ein wenig „bodenständiger“ gehabt. Nichts desto trotz ist das von Kai Hirdt verfasste Staffelfinale sehr gut geworden: eine tolle, dynamische Raumschlacht, ein gutes Zusammenführen von Figuren bzw. Schilderung deren Ende. Nur von der SOL muss man sich erstaunlich abrupt verabschieden, damit noch Platz für Perrys weiteres Schicksal bleibt. Ein gelungener Abschluss einer Mini-Serie, die wieder einmal nicht vollständig meinen Nerv getroffen hat, aber – wie schon die erste „Mission SOL“-Serie – mir immer noch viel Spaß gemacht hat. Bis zur nächsten Dutzend, das im März 2021 starten soll, dann unter der Fuchtel des geschätzten Kollegen Michael Marcus Thurner! (4/5)

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Kurzrezensionen zur Mini-Serie „Perry Rhodan – Mission SOL 1“

Meine Eindrücke zur ersten Staffel – Zusammengefasst in einem Beitrag

Infolge der Corona-Krise hatte ich in den vergangenen Wochen viel Zeit, ein wenig Lesestoff nachzuholen. Dazu gehörte auch die Perry Rhodan-Miniserie „Mission SOL“ aus dem vergangenen Jahr. Die Zusammenstellung folgender Kurzrezensionen für alle zwölf Bände der abgeschlossenen Mini-Serie, die derzeit in einer zweiten Staffel fortgesetzt wird (welche ich natürlich auch wieder lesen werde) besteht aus meinen Eindrücken, die ich zusammen mit Bildern der Cover auf meinem Instagram-Kanal oder bei Goodreads veröffentlicht habe. Ich dachte, es wäre schön, sie auch noch einmal gesammelt zu veröffentlichen – zumal ich mich ja hier in einem erfreulich häufig gelesenen Beitrag schon einmal über die Mini-Serien und die Perry-Erstauflage ausgelassen hatte. Hier also meine Impressionen zu „Mission SOL 1“:

Band 1 – „Das Raumschiffgrab“: Überzeugender Auftakt von Kai Hirdt für die aktuelle Mini-Serie! Schönes Ausgangsszenario, recht „geerdet“ möchte man sagen. Ich versuche mal, wie Querverweise zur Erstauflage wegzuignorieren und mich auf den weiteren Verlauf einzulassen. (4/5)

Band 2 – „Die Althanos-Verschwörung“: Interessante Fortsetzung des Auftakts von Bernd Perplies. Wenn auch vielleicht an einigen Stellen etwas zu vage im Vorantreiben des Plots. Richtig gut gelungen ist die Beschreibung der umwälzenden gesellschaftlichen Veränderungen im Tal. Rund um Perry selbst wünsche ich mir sehr bald etwas konkretere Erkenntnisse. Geheimnisse, schön und gut. Aber die Verzögerungstaktiken und hinhaltenden Dialoge der Gegner (?) nerven. (Altha! Geh mir nich auf die Nos!) Mal schauen, was Band 3 dahingehend anstellt… (3/5)

Band 3 – „Gefährlicher Pakt“: Was für ein Wahnsinnsroman von Dietmar Schmidt! Die epische Geschichte einer generationenlangen Reise der SOL sowie die Ereignisse an deren Ende haben mir ausgezeichnet gefallen! Bislang der beste Band der aktuellen Mini-Serie und mit überaus interessanten Entwicklungen. Band 4 liegt schon bereit… (5/5)

Band 4 – „Welt des ewigen Todes“: Leider keine Rezension vorhanden.  (4/5)

Band 5 – „Strafkolonie der Ksuni“: Eine isolierte Raumstation, in dem sich ein Gefängnis befindet. Eine archaische Gesellschaft, in der Arenakämpfe über gesellschaftlichen Aufstieg und die Hoffnung auf Erlösung bestimmen. Und eine Offenbarung für Perry und einen verschollenen Teil seiner Familie. Bekannte Versatzstücke, aber gut zusammengesetzt und spannend erzählt von Olaf Brill. Schönes Einzelabenteuer auf dem Weg zur nächsten Station der Miniserie… (4/5)

An dieser Stelle legte ich eine mehrmonatige Lesepause ein, danach las ich die restlichen Bände aber in schneller Folge hintereinander weg, was sich als gute Wahl erwies. So konnte ich der Handlung durchgehend gut folgen und am Ball bleiben.

Band 6 – „Das Orakel von Takess“: Eine Suche nach Antworten führt durch eine virtuelle Wüste, eine Pilgerreise in die Psyche, mit einem Ausgang, der die Geschichte eigentlich überflüssig macht. Schade: Nach einer halbjährigen Lesepause konnte mich mein Wiedereinstieg in die erste SOL-Miniserie mit dem Roman von Hermann Ritter nicht so überzeugen. (2/5)

Band 7 – „Eine kosmische Bestimmung“: Richtig guter Roman von Marc A. Herren! Toll erzählt, zügiges Tempo und sehr schöne Wendungen. Hier passiert endlich wieder etwas, das die Geschichte voran bringt. Der emotionale Ton passt dazu sehr gut. Nachdem ich mit Band 6 wenig anfangen konnte, ein wirklicher Lichtblick! (5/5)

Band 8 – „Krise auf Evolux“: Planetenweite Aufstände, ein Vertrauensvorschuss für einen Verräter und ein bedrohtes Tal – Der achte MISSION SOL-Roman von Bernd Perplies erinnert mich in positiver Weise an die frühen „Perry Rhodan Action“-Hefte. Dass zudem auch wieder an den Figuren gearbeitet wird, gefällt auch. So kann’s weitergehen! (4/5)

Band 9 – „Ins Herz der Finsternis“: Den Vorstoß in die proto-chaotische Zelle schildert Ben Calvin Hary sehr bildhaft und stimmungsvoll, doch leider gerät der Roman mit der tatsächlichen Entdeckung des SOL-Mittelteils zunehmend aus der Form. Eine erneute Rebellion gegen Mahlia Meyun und deren redundante Selbstzweifel, beides zur Unzeit der Rettungsmission, sorgen leider für eine unnötige Überdramatik. Das metaphysisch angehauchte Ende bietet einen interessanten Ausblick, wirkt aber etwas überhastet und passt irgendwie noch nicht zum Rest der bisherigen Story. Das ist allerdings nicht dem Autor anzukreiden, sondern den Exposé-Schreibern. (3/5)

Band 10 – „Die Höllenfahrt der SOL“: Olaf Brill hat zunächst die etwas undankbare Aufgabe, einige Altlasten der bisherigen Mini-Serie abzuarbeiten. Mir hat dabei die nüchterne Formulierung der ersten Hälfte mit der eigentlich dramatischen Rettungsaktion des SOL-Mittelteils etwas irritiert, ebenso die gleichartig trocken geschilderte psychologische Aufarbeitung der Mannschaftszusammenführung. In der zweiten Hälfte gewinnt der Roman dann stilistisch und inhaltlich an Fahrt, löst den „Geister“-Plot gut auf, auch wenn die finale Lösung mit der Ereignis-Gleichzeitigkeit doch arg bemüht wirkt. Nach einem hölzernen Einstieg dann doch eine sehr lesenswerte Episode! (4/5)

Band 11 – „NEUBEGINN“: Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich auch höhere Kräfte für die Vorgänge rund um die SOL interessieren. Dietmar Schmidt verpackt hier das Vor-Finale in eine flotte Raumschlacht, eine sehr gute Military-Infiltrationsgeschichte und liefert sogar eine Katharsis für Mahlia. Die Eoract-Pointe war zwar sehr offensichtlich, nichts desto trotz ist der 11. Mission SOL-Band, auch wegen des an dieser Stelle einmal passenden harten Techno-Babbles eine spannende Lektüre! (5/5)

Band 12 – „Der Würfel fällt“: Solar-Energie mal anders: Um die Gefahr im Inneren von Evolux zu bannen, müssen drei von acht Sonnen sterben. Und eine Hauptfigur – in einem etwas merkwürdigen Twist, aber sei’s drum. Mit dem zwölften Band schließt Kai Hirdt die erste SOL-Miniserie recht ordentlich ab, ohne die Türen zuzuschlagen und einen knappen Aufhänger für die zweite Staffel zu finden. Das fortgesetzte Wechselspiel von Verrat und die Bemühung der jeweiligen Figuren-Motivationen, besonders von Ylapp, waren mir ein wenig zu einfach gedacht. Und auch, dass Evolux davonkommt, nimmt allem ein wenig Gravitas. Unterhaltend war es aber allemal. Das gilt für die gesamte zwölfbändige Mini-Serie, die durchweg ein gutes Niveau halten konnte, mit wenigen Ausreißern nach ganz oben und nach halbwegs unten. Letzteres lag oft nicht am jeweiligen Autor, sondern daran, dass das Exposé versuchte, durch manchmal etwas plumpe Verkomplizierung ein paar Handlungen zu strecken. Wenn es in der zweiten Staffel gelingt, die Story etwas gradliniger zu gestalten, ohne dabei auf Charakterentwicklungen zu verzichten, würde mir das gefallen. Nun, ich werde es in Kürze ja lesen… 😉 (4/5)

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Gelesen: „Mein bester Freund Bob“ von James Bowen

„Was ich vom Streuer über das Glück gelernt habe“

Dass eine Geschichte über einen Streuner-Kater, der einem Ex-Junkie und Straßenmusiker dabei hilft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, irgendwann auch einmal auserzählt ist, müssen auch James Bowen und sein Verlag beizeiten gemerkt haben. Nach den drei Büchern „Bob, der Streuner“, „Bob und wie er die Welt sieht“ sowie „Ein Geschenk von Bob“ wussten die Leser so gut wie alles über das faszinierende Paar, wie es sich kennenlernte und wie aus dem Kater mit rötlichem Fell eine weltweite Buch-Sensation wurde. 2014 schien also alles über Bob gesagt zu sein, was es bis dahin zu sagen gab. Folgerichtig legten James und Bob eine kleine Buch-Pause ein. Eine vierjährige Pause sogar.

2018 – Bob und James Bowen waren inzwischen durch die gelungene Verfilmung ihrer Geschichte auch denen ein Begriff geworden, die es mit dem Lesen nicht so haben – hatte man offenbar die zündende Idee, wie man noch einige weitere Geschichten über Bob unters Volk bringen konnte. Als Vorbild schaute man sich einmal an, was auf dem Buchmarkt eigentlich immer läuft, und kam auf den Trichter, den Ex-Straßenkater und seinen Ex-Junkie-Besitzer eine Art Glückratgeber schreiben zu lassen. Schließlich reiten die beiden, seit sie sich gefunden haben, quasi auf eine Welle des Glücks. Warum sollten nicht auch ihre treuen Leser daran teilhaben können?

Cover der Taschenbuchausgabe von „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Wie gesagt: Es ist nahe liegend, warum man als Verlag auf die Idee kommt, ein solches Buch auf den Markt zu werfen. Für James Bowen und Bob ist ihre gemeinsame Geschichte auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden, das es entsprechend zu vermarkten gilt. Leider merkt man „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“ mit fast jeder Seite an, dass es hier nur darum geht, recht einfache Lebensweisheiten und Plattitüden mit ein paar Alltags-Story-Happen um Bob anzureichern.

In Kapiteln, die zwischen einer und bis zu drei Seiten Länge variieren, sinniert James Bowen anhand der Erlebnisse mit Bob darüber, was er beispielsweise über Freundschaften, Gelassenheit, Glaube, Liebe, Besitz, Genuss und Hoffnung gelernt hat. Viele der Beispiele beziehen sich dabei auf Ereignisse aus den drei zurückliegenden Büchern, denen hier sozusagen eine Moral nachgeschoben oder, oft auch nur mit einem Klischee-Spruch, übergestülpt wird. „Bob“-Bücher waren schon immer leicht zu lesen, aber in seinem Glücksratgeber gleitet das Mensch-Katzen-Duo in seichteste und belangloseste Gewässer ab und verliert damit jedweden Zauber, den es einmal inne hatten.

Beispiele gefällig? Unter abgedroschenen Spruch-Überschriften finden sich in knappen Sätzen geschilderte, anschauliche Anekdoten zur Verdeutlichung: Sei es die Erkenntnis, dass eine einzelne Spaghetti-Nudel beim Biegen bricht, die ganze Packung jedoch nicht („Gemeinsam sind wir stärker“), dass die Menschen die Geschichte von Bob und James gerne erzählt bekommen („Teile dein Glück“), dass das stundenlange Beobachten des Straßenverkehrs etwas Meditatives hat („Das Glück liegt im Inneren“), dass Achtsamkeit wichtig ist („Öffne deine Augen“) oder dass man es verdient hat, gemocht zu werden („Nimm die Liebe an“).

Viele der Beispiele spielen sich dabei natürlich zwischen Bob und James ab, sind aber oftmals sehr bemüht und müssen sich den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen. Denn solche Erlebnisse kennt jeder Katzenbesitzer, sie haben nichts Besonderes „James-Bob-Haftes“ und fördern absolut keine Erkenntnisse zutage, die einen längeren, persönlichen Nachhall erzeugen würden. „Mein bester Freund Bob“ ist deswegen – wie es ein anderer Rezensent bei einem großen Online-Einkaufsportal so treffend ausdrückt – „wie jedes andere Glücksbuch – nur eben mit einer Katze.“

Schade: Was James Bowen „vom Streuer über das Glück gelernt“ hat, ist jedenfalls nicht, wie man diese Erkenntnisse mit dem besonderes Etwas an den Leser bringt, das die vorangegangen Bücher – insbesondere die ersten beiden – ausgezeichnet hat. Als Geschenkbuch für „Bob“-Fans ist das 160-seitige Taschenbuch vielleicht noch geeignet. Das Experiment, einen Ratgeber mit dem Streuner zu „veredeln“, muss man allerdings eher als gescheitert betrachten. Hoffentlich hat das inzwischen saturierte Gespann im geplanten neuen und dann bereits fünften Buch wieder wirklich etwas zu erzählen.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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Gelesen: „Ein Geschenk von Bob“ von James Bowen

Ein Wintermärchen mit dem Streuner

Nach den großen internationalen Erfolgen von „Bob, der Streuner“ und „Bob und wie er die Welt sieht“ fragten sich Verlag und Kater-Besitzer James Bowen sicher, welche Geschichten sie den gespannten Lesern noch nicht erzählt hatten. Sicherlich gab es noch mehr Anekdoten aus dem Leben des ex-drogensüchtigen Straßenmusikers, Magazinverkäufers und neuerdings Katzenbuch-Autors zu erzählen – aber würde das nicht zwangsläufig irgendwann beliebig und redundant wirken?

Es verwundert daher nicht, dass man 2014 – auf einem ersten Höhepunkt der „Bob“-Euphorie – auf die Idee kam, erstmals ein thematisch enger gefasstes Buch in Angriff zu nehmen. Und was lag da wohl näher, als sich, ganz ähnlich wie viele Künstler aus dem Musikbereich es mit ihren Weihnachtsalben tun, einmal einen Blick mit dem rot getigerten Streuner auf das Fest der Geburt von Jesus Christus zu werfen? Schließlich ist der Winter auf der Straße ganz besonders hart, und die Feiertage sind oft für die Einsamen richtig schlimm. Häufig, weil Erinnerungen an bessere Zeiten die aktuelle Situation noch unerträglicher erscheinen lassen.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Ein Geschenk für Bob“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Bei Bob – und wieder einmal vor allem James Bowen – ist die Situation umgekehrt: Sie können jetzt, da sie sich gefunden und ihr Leben auf die Reihe bekommen haben, auf schlechtere Zeiten zurückblicken. Und gerade das Weihnachtsfest bietet treffende Aufhänger dafür, endlich die intimen Geschichten zu erzählen, die in den beiden Vorgängerbüchern noch keinen Platz fanden – vielleicht auch, weil sie eben so persönlich und familiär sind.

Schon lange haben sich die Leser, die Bobs und James Geschichte verfolgen, gefragt, was es mit der schwierigen Beziehung zu seinem Vater und dessen Familie auf sich hat – oder wie James beste Freundin Belle in sein Leben trat, und was sie verbindet. In „Ein Geschenk von Bob“ bekommen wir erstmals diese Einblicke auf rund 180 Seiten zu lesen, mit ordentlich dickens’schen Pathos und Wohlfühl-Botschaft. Denn natürlich wird in dem „Wintermärchen“ immer wieder Bezug auf das „Weihnachtsmärchen“ von Dickens Bezug genommen, wenn vom „Geist der vergangenen Weihnacht“ die Rede ist und davon, zur Adventszeit ganz besonders an seine Lieben zu denken.

Auch im dritten Buch verliert das Gespann James-Bob wenig an Faszination und Dynamik. Es ist rührend, als James im schlimmsten Blizzard seit Jahren von all seinen Kunden und Freunden Aufmerksamkeiten bekommt, und  ihm so in finanziellen Nöten über die Feiertage unter die Arme greifen. Eine fast zerstörte Gitarre, Gas- und Stromschulden, kein Geld für ein Geschenk für die beste Freundin, das auch noch im Bus vergessen wird – all das sind Katastrophen, die einen Mann, der ohnehin kaum Selbstvertrauen hatte, aus der Bahn werfen könnten. Wären da nicht Bob und alle, denen der Straßenmusiker, trotz vielem auch selbstverschuldeten Leid – was James auch einsieht -, nicht egal ist.

Ganz bezeichnend sind dabei auch die Einblicke in die Jugend und Kindheit des Mannes, der zehn Jahre seines Lebens als Drogensüchtiger und zeitweise Obdachloser fristete. In unsteten Verhältnissen aufgewachsen, in Kinderpsychiatrien eingewiesen und fragwürdig medikamentös behandelt, hat James die typischen Dispositionen einer Drogenkarriere mit auf den Weg bekommen. Glücklicherweise stellt das Buch das nicht als Entschuldigung dar, sondern bietet lediglich Interpretationshilfen für den Lebensweg Bowens.

Und so geht es in „Ein Geschenk von Bob“ noch einmal mehr um dessen menschlichen Gefährten als in den beiden Vorgängerbüchern. Was aber nicht schlimm ist, denn das Fazit – man ist geneigt zu sagen: „die Moral“ – der Geschichte ist in allen „Bob“-Büchern gleich: Ohne diesen Kater wäre für alle die Welt ein bisschen weniger schön – und eben ganz besonders für James Bowen.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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Gelesen: „Bob, der Streuner“ von James Bowen

Mein kürzlich veröffentliches Review zum Katzenbuch „Bob und wie er die Welt sieht“ hat zu meiner großen Überraschung ziemlich die Runde gemacht, woran der offizielle Facebook-Account von James Bowen und Bob nicht ganz unschuldig ist: Dort wurde meine Rezension geteilt und hat innerhalb weniger Stunden fast 700 Likes bekommen! Auch eine deutsche Fan-Seite teilte meinen Beitrag, und auch dort gab es viel Zuspruch. Ich sage: Vielen Dank! Und nehme das zum Anlass, meine bereits 2014 in einem anderen Medium erschienene Besprechung des ersten „Bob“-Buches „Bob, der Streuner“ hier wiederzuveröffentlichen, bevor ich in weiteren Einträgen die beiden übrigen Bücher über das ungewöhnliche Duo genauer unter die Lupe nehme. Hier also meine Rezension von 2014, mit der alles los ging…

Ein Kater, der sein Leben veränderte

Bücher über Katzen sind immer nur so stark, wie die Geschichten der Personen, aus deren Perspektive sie erzählt werden. Natürlich ist jede Katze komplett eigenständig in ihrem Wesen und in dem, was sie für ihren Besitzer bedeutet. Eigentlich unterscheiden sich die alltäglichen Dinge, die eine Katze tut, von Tier zu Tier nicht sonderlich. Dennoch können sie ein Leben sehr verändern.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Bob, der Streuner“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Diese Erfahrung hat auch James Bowen gemacht, dessen Buch „Bob, der Streuner“ nicht umsonst den Untertitel „Die Katze, die mein Leben veränderte“ trägt. Der englische Titel „A Street Cat Named Bob“ trifft den Kern der Geschichte eigentlich noch besser, denn Bob ist eine Straßenkatze, als Bowen den Kater eines Abends im Frühjahr 2007 im Treppenhaus seiner Londoner Wohnung antrifft und zunächst gar nichts mit ihm anzufangen weiß. Dabei ist Bowen selbst kaum ansehnlicher als der räudige, abgemagerte Kater: Er fristet sein Leben als Straßenmusiker, war lange obdachlos und heroinabhängig und befindet sich jetzt in einem Entzugsprogramm auf Methadon.

Da stehen sich beide Wesen gegenüber, ihr Leben aus den Fugen, das Überleben von einem Tag auf den anderen ist das Wichtigste. Als der Kater nicht wieder verschwindet, überwindet sich James und kümmert sich um ihn. Er lässt Bob trotz seines geringen Einkommens kastrieren und verarzten, kauft ihm Futter und pflegt ihn, bis er wieder kräftig genug ist. Ein Freilassversuch scheitert: Bob folgt James auf seinen Touren, fährt mit ihm Bus und wird zu einer Attraktion, die dem Musiker beim Gitarrespielen in der belebten Londoner City mehr Geld einbringt als je zuvor. Was folgt sind Stories über die Flucht vor neidischen Kollegen, missgünstigen Subway-Beamten und einen neuen Job als Verkäufer der Obdachlosenzeitung „The Big Issue“.

Je weiter das Buch fortschreitet, desto mehr geht es darum, wie James sein Leben in den Griff bekommt, als er z.B. kontrolliert das Methadon absetzt und nach einem abschließenden 48-stündigen kalten Entzug einen viel milderen Ersatzstoff nehmen kann. Bob wird dabei zur Projektionsfläche seines Wunsches, ein normales, ruhiges Leben führen zu können – so wie Bob es nun bei ihm führen kann. Darin liegt die Stärke des Buches, denn anstatt sich in endlosen und redundanten Erzählungen darüber zu ergehen, wie großartig sein Kater ist, konzentriert sich Bowen darauf zu berichten, was die neue Verantwortung für ein Katzenleben mit ihm gemacht hat. Nach und nach nähert sich James wieder seiner Mutter in Australien an und allgemein läuft es für in besser.

Es macht Spaß, ihn bei dieser Entwicklung zu begleiten, auch wenn es in der zweiten Hälfte des Buches immer weniger um Bob an sich geht. Wie gesagt, Bücher über Katzen sind nur so stark wie die Geschichten der Menschen, die hinter ihnen stehen. „Bob, der Streuner“ macht daher alles richtig und stellt Bowen und Bob als Einheit dar. Eine, die durch gegenseitige Zuneigung über sich hinausgewachsen ist.

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Gelesen: „Bob und wie er die Welt sieht“ von James Bowen

Der Kater im Buch danach: Neue Abenteuer mit dem Streuner

Als James Bowen 2012 mit „Bob, der Streuner“ einen Hit unter den Katzenbüchern landete, kam das für niemanden überraschend – außer für ihn selbst. Die Geschichte des Ex-Junkies und Straßenmusikers, der sich in London herumschlägt und eines Tages auf einen verletzten Streuner-Kater mit rotem Fell im Flur seines Mietshauses trifft, berührte viele Tierliebhaber tief. Dabei war es vor allem die gekonnte Mischung aus menschlicher Schicksalserzählung in Verbindung mit der Geschichte des Findelkaters, die gut funktionierte. In der neuen Verantwortung um das Tier, das ihn fortan auf Schritt und Tritt, auch bei seinem Job auf der Straße, begleitete, fand James Bowen wieder Halt im Leben, schaffte den Entzug und baute sich ein neues Standbein als Magazin-Verkäufer auf. Als die Zeitungen über James und Bob berichteten, brachte das schnell eine Literaturagentin auf den Plan, die ein Buch über das ungewöhnliche Paar machen wollte. Der Rest ist Geschichte: „Bob, der Streuner“ verkaufte sich allein in Großbritannien millionenfach, und 2016 kam eine gelungene Verfilmung in die Kinos. Nicht schlecht für ein „Katzenbuch“.

Natürlich ist die Geschichte über James und Bob noch nicht auserzählt, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis zwei Jahre später im Jahr 2014, das zweite Buch der beiden „Street Cats“ in die Regale kam. „Bob und wie er die Welt sieht“ ist dabei nicht nur eine inhaltliche Fortsetzung des ersten Teils, sondern gleichzeitig eine Art Resterampe für Geschichten, die es nicht in das erste Buch geschafft haben. Und das meine ich gar nicht negativ, sondern ist im Gegenteil ein gelungener Kniff, um die Brücke zu den aktuelleren Ereignissen im Leben von James und Bob zu schlagen. Wobei der Kater, gerade in den späteren Kapiteln, ein wenig kürzer kommt, als man vermuten könnte.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Bob und wie er die Welt sieht“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

James Bowen erzählt unter anderem ausführlich über die Zeit, als er nach einer Australien-Reise wochenlang mit einer äußerst schmerzhaften tiefen Venenthrombose herumlief und dabei gesundheitlich immer mehr abbaute. Während dieser Zeit zog sich Bob immer weiter von ihm zurück, da Bowen ihn aufgrund seines Zustandes oft von sich wies, wenn dieser ihm beistehen wollte. Dazu gibt es viele weitere Geschichten von der Straße, aus der Zeit, als Bowen das Magazin „The Big Issue“ verkaufte. Hier wird deutlich, dass Bob als James‘ bester Freund auch viele Neider auf den Plan brachte: Verkäufer-Kollegen neideten ihm das verkaufsfördernde Tier, noch dazu bekam er Ärger mit den Kontrolleuren, was schließlich zum Bruch und zur Rückkehr zur Straßenmusik führt.

Richtig interessant wird es allerdings, als sich James‘ Leben mit der Veröffentlichung des Buches grundlegend ändert. Er verfügt plötzlich über mehr Geld, als er je besaß, auch wenn es immer noch vergleichsweise wenig war. Hier entfernt sich das Buch weit vom Kater und schildert eher die Auswirkungen auf das Leben des Menschen, den er sich als Gefährte ausgesucht hatte. Interessant ist dabei zu erfahren, wie die lange Zeit der Armut sich auf James‘ Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein ausgewirkt hat. Die Minderwertigkeitskomplexe und Neigung zur Depression, insbesondere in überfordernden Lebensphasen legen ihm dabei immer wieder Steine in den Weg, was er nun selbstkritisch erkennt.

Dabei überwiegen allerdings die positiven Botschaften. Vor allem das Kapitel, in dem James schildert, wie er langsam mit einem Ersatzstoff seine Drogensucht in den Griff bekommt und schließlich ganz ohne Hilfsmittel clean bleibt. Ein anderthalb Jahrzehnte währendes Martyrium geht zu Ende. Alles nur wegen eines Katers, der einen Freund suchte. Nicht schlecht für eine Katze. Und wieder einmal nicht schlecht für ein Katzenbuch.

Das Cover der Hörbuchfassung von „Bob und wie er die Welt sieht“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Erwähnt sei an dieser Stelle auch die schöne, allerdings stark gekürzte Hörbuchfassung, die die Höhepunkte auf zwei CDs zusammenfasst und wunderbar passend von Carlos Lobo gelesen wird.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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