MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 6

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

6. Kapitel

Guten Morgen, liebe Kinder! Na, seid ihr alle eine Stunde eher aufgestanden, weil ihr gehofft habt, der Nikolaus hätte euch was in die Stiefel gesteckt?

Echt? Glaubt ihr auch andere Märchen?

Okay, dann lassen wir Matt und Aruula einen Tag länger dort schmoren, wo sie gestern schon waren. Zieht eure Schuhe an und kommt mit – wir machen mal kurz einen Ausflug zum Kratersee!

  1. Dezember 2520, spät nachts

„Morgen kommt der Nikolaus“, sagte Lynne Crow.

Professor Dr. Jacob Smythe stand vor dem Eingang seiner Wohnhöhle, in der die Daa’muren ihn und General Crows Tochter gefangen hielten, vom Feuer beschienen, den Blick zu den Sternen erhoben. Ufergesträuch raschelte im Wind, und aus der Ferne scholl das Heulen wilder Lupas.

„Was redest du da?“, blaffte er, ohne sich zu Lynne umzudrehen. Seine Stimme klang ärgerlich, grob und unleidlich.

Hätte er geahnt, dass der gute alte Weihnachtsmann unter dem Einfluss eines Kometenkristalls zum grausamen Santa Graus mutiert war und seine beiden Erzfeinde Matthew Drax und Aruula drauf und dran waren, am Nordpol ihr Leben zu lassen – er hätte vermutlich glücklich und zufrieden geklungen. So aber…

„Du glaubst doch nicht etwa an diesen Scheiß?“

„An irgendwas muss der Mensch glauben“, erwiderte Lynne Crow. Etwas klingelte leise.

Smythe fuhr herum. Seine ohnehin zu großen Augen quollen noch weiter hervor. „Was, zur Hölle, machst du da?“

„Ich dekoriere, Jake! Weihnachten steht praktisch vor der Tür, da soll unser Heim schön gemütlich werden.“ Lynne hielt Lametta-Ersatz aus Seetang hoch. „Ist doch hübsch, oder?“

„Festgezurrt um deinen Hals würde es mir besser gefallen“, brummte Smythe. Sein Frust kam nicht von ungefähr: Lynnes ehemals schillernde Persönlichkeit war durch den Daueraufenthalt am Kratersee ziemlich verwässert. Außerdem hatte sie zugenommen.

Vom Vamp zur kleinen Hausfrau!, dachte Smythe bitter. Es ist eine gottverdammte Ungerechtigkeit! Drax rennt mit einem heißen Feger durch die Gegend, und ich hab diese durchgedrehte Mogelpackung am Hals!

Angewidert sah er zu, wie Lynne einen Baum schmückte, den die Daa’muren neulich angeschleppt hatten. Es war eine alte Kristallpalme, aus Tausenden hauchdünner Scheiben gefertigt. Sie klirrten leise, wenn Lynne dagegen stieß. Hingebungsvoll hängte sie Kugelfische, Zierketten aus 9-mm-Patronen und getrocknete Seesterne an die Palmwedel. Das Meiste rutschte gleich wieder ab und zerschellte am Boden.

„Scheißbaum! Völlig nutzlos! Und garantiert wird das Ding auch noch Kult!“, giftete Smythe. Fischkrümel zerknirschten unter seinen löcherigen Socken, als der Professor Platz nahm, um seine Stiefel zu wienern. Reine Beschäftigungstherapie. Wenn er sich und seine Sachen nicht in Ordnung hielt, würde er bald so derangiert aussehen wie seine Mitbewohnerin.

Lynne sah ihn strahlend an. „Tolle Idee, Jake! Ich wusste, im tiefsten Herzen bist du doch ein Romantiker!“

„Häh? Was? Wie?“ Smythe war verwirrt.

„Na, die Stiefel“, erklärte Lynne. „Du stellst sie blank geputzt vor die Tür, und morgen früh hat der Nikolaus sie mit Naschwerk gefüllt!“

„Du spinnst!“

„Tu ich nicht!“ Lynne drehte sich beleidigt um und suchte vergebens nach einer Baumspitze, um ihren selbst gebastelten Engel aus Vogeleiern daran aufzuspießen.

„Wollen wir wetten, dass morgen früh rein gar nichts in den Stiefeln ist?“ Smythe hielt ihr die Hand hin. „Wenn ich verliere, bringe ich freiwillig den Müll raus. Okay?“

„Abgemacht.“ Lynne schlug ein. „Und sollte doch was drinnen sein, koch ich dir ein heißes Essen mit allen Finessen!“

Smythe war enttäuscht. Heißer Sex mit allen Finessen wäre ihm lieber gewesen. Aber wo hätte der herkommen sollen? Außer Lynne war ja niemand da.

  1. Dezember 2520, allererste Morgendämmerung.

Still und starr ruhte der Kratersee. Frühnebel spukten durch die Landschaft, und jedes vernunftbegabte Wesen lag noch schnarchend im Bett.

„Ich glaub, ich träume!“ sagte Smythe verblüfft. Er stand am Eingang der Höhle und starrte hinaus auf eine schöne Bescherung. Lynne klammerte sich an seinen Arm, staunend und mit großen Augen.

Draußen lag der Stiefel, feucht vom Tau und… prall gefüllt mit einem Spikkar! Das nachtaktive Tier hatte Smythes alten Treter für ein Futterversteck gehalten, den Kopf hineingeschoben und war am Käsegestank verreckt.

Auf diese nahe liegende Möglichkeit kam Lynne natürlich nicht. „Na, was hab ich gesagt?!“ Sie zupfte Smythe am Ärmel. „Was hab ich gesagt, Jake? Der Nikolaus war hier! Und er hat uns einen leckeren Braten gebracht, so wie ich es mir gewünscht hatte!“

Smythe verdrehte die Augen, sagte aber nichts.

Schließlich wartete in der Höhle der Müll auf ihn…

 Autorin: Stephanie Seidel

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MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 5

Mordpol

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Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
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5. Kapitel

Aruulas Hand fand Matts Oberarm. Er spürte, wie die Barbarin immer mehr verkrampfte. „In welchen Albtraum sind wir da geraten?“, flüsterte er. „Wir sollten schleunigst verschwinden.“

„Sieh nur!“, hauchte Aruula. „Der Trinkschlauch…!“ Der Druck an Matts Arm verstärkte sich.

Ein Gluckern verriet, dass der mit Blut gefüllte Sack sich bewegte – von ganz allein!

„Gaspaaa!“, sangen die entrückten Zuseher und stampften wild mit den Füßen auf, „Gaspaaa!“

„Hieerrrr bin ichhhh!“ Eine Taratze näherte sich. Sie verharrte an der Krippe und sah sich unsicher um. „Musss dasss sssein?“, knurrte sie.

„Na los, mach hinne!“, entgegnete eine Stimme aus dem Publikum.

Mit einem Seufzen krallte die Taratze ihre Hände ins Brustfell – und riss sich ein ganzes Büschel Pelz aus. „Autschhhh!“ Die Haare schwebten auf den prall gefüllten Sack hinab. Leise fluchend zog die Taratze ab.

„Mel’cho!“, rief die Menge nunmehr. „Mel’cho!“

Nur zu gerne hätte sich Matt abgewandt, wäre gelaufen und geflohen, nur weg von dieser Stätte… Doch etwas hielt ihn fest, bannte ihn an Ort und Stelle.

War es bloße Neugierde, oder mehr? Wurden sie hier und jetzt Zeuge von etwas noch nie Gesehenem, eines Rituals, das nur die Einwohner Edmontons kannten?

Ein Guul, dürr und mit Schlamm behangen, kam herbei getappt. Er sah aus, als hätte er sich gerade erst aus der Erde eines Friedhofs gewühlt. Was vermutlich auch so war. Mit seinen riesenhaften Händen schabte er sich den Dreck vom Körper und klatschte ihn auf Trinkschlauch und Haare. Dann schien er seine künstlerische Ader zu entdecken, denn er beugte sich vor und modellierte ein Ding, das Matt entfernt an einen Schneemann aus Schlamm erinnerte, mit einem Bart aus Taratzenfell.

„Balthaasa“, schrien die wild tanzenden Zuseher völlig in Ekstase, „Balthaasa!“

Ein Mann im dunklen, speckigen Ledermantel und mit schwarzem Hut bahnte sich seinen Weg.

Ein Rev’rend!

Ein silbrig glänzender Colt hing an seiner rechten Seite. Rev’rend Balthaasa stieß den Guul schroff beiseite. „Jedes Jahr derselbe Scheiß!“, fluchte er, zog den Revolver – und feuerte auf das Ding in der Krippe.

Stille.

Nur ein Klingeln in aller Ohren wie von Weihnachtsglöckchen.

Die Menge hielt den Atem an, während eine Fontäne von Blut aus dem Schlauch schoss, aber nicht zu Boden tropfte, sondern sich mit Schlamm und Fell verband und neu formte.

Und – Matt stockte der Atem – sich aufrichtete!

Der Sack mit dem Taratzenbart und einer weiten Schlammjacke über dem feist ausgebildeten Wanst gähnte und begann zu krächzen.

„Wer hat an der Uhr gedreht?

Ist es wirklich schon so spät?

Soll das heißen, liebe Leut‘,

die Zeit des Graus beginnt noch heut?“

„Santa Graus, o schlaf doch weiter“, antwortete ein plötzlich in helles Kerzenlicht getauchter Chor alter und äußerst nackter Damen,

„bringst ja doch nur Tod und Eiter.“

Eine alte, schwer gebaute Vettel trat vor und sang alleine:

„Denn du schickst, ich kenne dich,

den Sensenmann – und meuchelst mich!“

„Stimmt es“ – sang nun wieder der Chor, – „dass es sein muss?“

„Ist denn heute wirklich Schluss?“, fragte die dicke Alte. Sie lächelte glückselig.

Der ehemalige Ledersack stand auf, streckte sich und wuchs dabei um das dreifache seiner bisherigen Körpergröße an. „Ho ho hooo!“, rief er. „Es ist wohl wieder mal Arbeitstag für den lieben alten Santa Graus! Wohlan denn – wer will das erste Opfer sein, das mir die Arbeit versüßt? Etwa du, mein Täubchen?“

Und er deutete auf Aruula…

 Autor: Michael M. Thurner

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MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 4

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

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(c) Bastei Verlag

4. Kapitel

Matt hätte nicht erwartet, so viele Menschen – falls es denn Menschen waren – und einen derart großen Raum hinter der doch eher idyllisch anmutenden Tavernenfassade zu finden. Vor seiner linken Wand, auf ein paar über Fässer gelegten Holzdielen, wiegte sich eine Art Dixieband zum Rhythmus ihrer Musik, zehn oder elf Musiker. Die meisten hielten Hörner und rohrartige Posaunen, aber auch kleine Saiteninstrumente und jede Menge Trommeln, Pauken und Tamburine. Die Musiker trugen lange braune Wildledermäntel mit großen weißen Knöpfen, die Matt an Mandelsplitter erinnerten, genau wie die Bommel an ihren ebenfalls wildlederbraunen Pilzhüten.

An der Wand gegenüber dem Eingang öffnete sich ein großes Portal in einen weiteren Raum, merklich dunkler als dieser hier. Menschen drängten sich davor.

Und an der rechten Wand ein hüfthoher Verschlag aus ungehobelten Birkenbrettern – die Theke. Dahinter ebenfalls engelhafte Frauen mit Flügeln und in Goldgewändern, und jede mit einem Heiligenschein aus sieben Kerzen auf dem Engelshaupt.

Unter ihnen stand ein Hüne von einem Kerl. Er trug ein Eisbärenfell, nein: ein Izeekepir-Fell. Der Schädel der Bestie hing dem Mann tief in die Stirn. Es war der Wirt. Die Rechte auf die Theke gestützt, winkte er Aruula und Matt mit der Linken herbei. Seite an Seite gingen sie zur Theke.

„Blutige Kritzmess und viel Spaß.“ Der Bass des Wirtes rollte wie Donner. „Es ist gleich so weit; stellt euch an.“ Er zeigte auf die Pforte, vor der die Warteschlange sich drängte.

Sie stellten keine Fragen, drängten sich am Kamin vorbei und durch die wilden Tänzer hindurch zu der Menge vor der Pforte. Eine nackte Tischtänzerin warf Matt ihr Goldgewand zu. Aruula packte ihn und zog ihn mit sich. Vor der Pforte ebenfalls Engelsgestalten und Weihnachtsmänner. Aber auch Taratzen und Sebezaans. Der Verdacht, es könnten tatsächlich mutierte Ratten und Katzen sein, beschlich Matt. Und als er die ersten Nosfera unter der Menge entdeckte, war er dessen fast sicher.

Halb wurde das Paar in den eher düsteren Raum geschoben, halb drängten sie sich hinein. Eine merkwürdig stille, fast andächtige Atmosphäre herrschte hier. Und ein vorne offener Holzverschlag in seiner Mitte…

Sofort war die Erinnerung da: Die Erinnerung an die Krippenspiele in der lutherischen Kirche von Riverside. Matt hatte meistens den Josef gemimt. Der wurde hier von einem dreiäugigen Nordmann mit Hasenscharte gespielt. Er stand neben einem Wakuda und blickte ausgesprochen hämisch drein. Unter Umständen wollte er lächeln. Maria war eine Wulfanin; sie stand vor der Krippe – ein mit Stroh gefülltes Gerippe, dem man den Brustkorb zur Hälfte abgesägt hatte – und rauchte eine Meerschaumpfeife.

Aruula stellte sich auf die Zehenspitzen, aber auch so konnte sie die Krippe nicht einsehen. Ein Nosfera trat an die Knochenwiege. Er hielt einen prall gefüllten Trinkschlauch aus Leder hoch über den Kopf.

„Das haben wir uns vom Munde abgespart!“, verkündete er. „Feinster Jahrgang, Blutgruppe A, Rhesus-Faktor negativ!“ Und legte den Lederschlauch ins Stroh.

Autor: Jo Zybell

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MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 3

Mordpol

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3. Kapitel

Eine Tür in einer John-Sinclair-Verfilmung hätte nicht professioneller knarren können. Rauchschwaden hingen unter der Decke, Flammen loderten aus einem offenen Kamin in der Mitte des saalartigen Raumes, der von rötlichem Licht erhellt wurde. Eine Mischung aus Tabakrauch, verbrauchter Luft und Bratenduft schlug ihnen entgegen, und ohrenbetäubender Lärm: Musik, Gelächter, Händeklatschen und ein Gestampfe, als würde eine ganze Herde Wisaaun sich kollektiv dem Stepptanz hingeben. Kaum hörten sie die schwere Tür hinter sich ins Schloss fallen.

Was sich ihren ungläubigen Blicken darbot, erinnerte den Mann aus der Vergangenheit in der Tat an eine tierische Orgie: Etliche rauschebärtige Gestalten, meist in Rot oder Weiß gekleidet, hüpften um Tische herum, schwangen Zweige, die an Nadelgeäst erinnerten, grölten und schlugen mit den Fäusten zum Rhythmus der Musik auf die Tische. Einige trugen Taratzen- und Sebezaanmasken, andere hatten sich Gehörn auf die Schädel gebunden, bei wieder anderen hingen Biisonschwänze hinten aus Mänteln, Kleidern und Hosen.

Auf den Tischen selbst drehten sich Frauen und schwangen die Hüften. Goldfarbene Gewänder hüllten sie ein, weit und lang und seitlich bis weit über die Knie geschlitzt. Goldfarbene Flügel pendelten auf ihren Rücken hin und her, lange weiße Locken wallten im Rhythmus ihrer anmutigen Bewegungen, und ein filigranes Drahtgeflecht, auf dem sieben Kerzen brannten, bekränzte sie. Die entfesselten Tänzer um ihre Tische warfen ihnen Kusshände zu, streckten ihre Zweige nach ihnen aus und versuchten die Säume ihrer Goldgewänder zu lüften.

„Santa Claus?“ Aruula deutete auf die Tänzer, und Matt hätte befriedigt feststellen können, dass er ihr den Weihnachtsmann genau genug beschrieben hatte – wenn ihn nicht plötzlich diese Beklemmung überfallen hätte.

Doch tatsächlich: Abgesehen von den Tiermasken und den Geweihen sahen einige der Rauschebärte in Rot wirklich so aus, wie man sich den Heiligen Nikolaus gerne vorstellt. Und die in Weiß, so weit sie sich nicht unter Taratzen- und Katzenschädeln versteckt hatten, wären ohne weiteres als Engel durchgegangen. Die Frauen auf den Tischen sowieso. Jedenfalls die, die ihre Gewänder noch nicht abgestreift hatten.

„Nun ja…“ Allmählich fand auch Matt wieder seine Sprache. „Scheint tatsächlich eine Art… Weihnachtsparty zu sein.“

 Autor: Jo Zybell

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MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 2

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

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2. Kapitel

Die Ortschaft bot einen irgendwie unwirklichen Anblick. Es gab keine Stadtmauern, kein Stadttor und keine Stadtsoldaten, nur Berge von Eis und Schnee, zwischen denen sich niedrige Holzhäuser drängten. Rauch stieg aus Dachluken auf, wurde vom Wind niedergedrückt und trieb in Schwaden an Tunneln vorbei, die tief in die Schneehügel hinein zu ragen schienen. Beinahe eine verzauberte Winterwelt – wäre da nicht der dunkle Schatten gewesen, der unsichtbar über all dem lastete.

Matt sah Menschen wie behäbige Kolosse durch die Gassen stapfen. In ihrer vielschichtigen Fellkleidung wirkten sie aufgebläht und steif, wie unförmige Tiere, die nur so taten, als wären sie Menschen.

„Sie sehen friedlich aus“, sagte Aruula. Sie schien sich keine düsteren Gedanken zu machen. „Wir sollten uns bei ihnen aufwärmen.“

Matt nickte zögerlich, stemmte sich gegen den pfeifenden Wind und zog seine eigenen Felle fester um den Körper. Seine Glieder knackten bei jeder Bewegung.

Ein warmes Feuer, dachte er, etwas zu essen und ein weiches Strohlager, mehr muss Edmonton mir nicht bieten. „Ich frage mich, wovon die Menschen hier leben“, sagte er, als sie an den ersten Häusern vorbeigingen. „Woher bekommen sie Nahrung, Holz, Stoffe?“

„Vielleicht treiben sie Handel.“

„Und mit wem? Mit Schneemännern?“ Er bildete sich ein, Aruulas Schulterzucken zu sehen, obwohl die Geste unter den Fellen verborgen blieb. „Na ja, irgendwas wird es hier schon geben.“

Sie gingen weiter, traten ein in Gassen, die mit schmutzigbraunem Schnee gefüllt waren. Schwerfällige Gestalten schoben sich an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten. Matt versuchte einen Blick in ihre Gesichter zu werfen, scheiterte jedoch an den Schals und Stoffen, die alles bis auf die Augen vor der Kälte schützten. Menschliche Augen, immerhin.

Ihm kam zu Bewusstsein, dass sie beide wohl nicht anders aussahen – vermutlich der Grund dafür, dass niemand sie ansprach oder zumindest anstarrte. An einem so abgelegenen Ort mussten Fremde ein seltenes Schauspiel sein – vorausgesetzt man bemerkte sie.

„Da geht es zu einer Taverne“, unterbrach Aruula seine Gedanken, die schon wieder – er wusste nicht warum – in trübe Gefilde abdrifteten.

Matt folgte ihr zu einem hölzernen Schild, auf das jemand mit Kohle krude Zeichnungen gemalt hatte. Er sah ein Strichmännchen neben einem Krug und dem gehörnten Kopf eines Tieres, ein weiteres an einem Feuer sitzend und zwei, die auf einer Art Bett lagen –

Er hob die Augenbrauen. „Vollpension mit Rundum-Service.“

„Kommst du?“ Aruula stand vor der Tür einer Holzhütte, die man anscheinend in einen Schneehügel hinein gebaut hatte. Eiszapfen hingen vom Dach bis zum Boden herab und versperrten den Blick durch das einzelne sichtbare Fenster.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, entgegnete Matt, aber da stieß Aruula die Pforte auch schon auf und betrat die Schänke…

 Autorin: Claudia Kern

 

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MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 1

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
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1. Kapitel

Der Schnee blieb in großen Klumpen in Matts Fellstiefeln hängen und behinderte sein Vorankommen; fast als wollte er den Mann aus der Vergangenheit davon abhalten, weiterzugehen. Matt Drax blieb stehen, schob die Kapuze zurück und blinzelte nach vorn. Viel mehr als Weiß in Weiß sah er nicht; sogar der Himmel schien in grellem Licht zu stehen.

„Was ist los, Maddrax?“ Aruula verhielt ihre Schritte neben ihm und blinzelte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. „Hast du was gesehen?“

„Du meinst, außer Schnee und Eis?“, witzelte Matt. „Na ja, würde mich nicht wundern, hier den guten alten Santa Claus zu treffen.“

„Santa Claus?“, fragte Aruula verblüfft. „Du hast mir nie von ihm erzählt. Wohnt er in dieser Gegend?“

Matt schmunzelte – und verzog schmerzhaft das Gesicht, als seine tiefgefrosteten Lippen sich kräuselten. „Santa Claus war eine Legende vor Kristofluu„, erklärte er dann. „Man nannte ihn auch Weihnachtsmann. Ein dicker bärtiger Kerl im roten Mantel, der am Nordpol haust und einmal im Jahr den Kindern Geschenke bringt.“

„Mein Volk kennt eine ganz ähnliche Legende!“, ereiferte sich Aruula. „Hoch im Eis soll es einen unglaublich fetten Nordmann geben, der einmal im Jahr durchs Land zieht, um die Kinder zu fressen.“

Matt verzog das Gesicht. „Na ja, ist nicht ganz dasselbe, schätze ich. Aber hier werden wir kaum einen der beiden treffen, auch wenn wir dem Nordpol ganz nahe sind. Früher hieß dieses Gebiet mal Kanada, aber seit sich die Erdachse verschoben hat, ist es der frostige Arsch der Welt.“

Und wenn meine Berechnungen richtig waren, müssten wir eigentlich bald auf die Überreste von Edmonton stoßen, fuhr er in Gedanken fort. Hoffentlich – sonst erleben wir Weihnachten nur noch als tiefgefrorene Leichen im Eis… Aber das sprach er lieber nicht aus.

Sie stapften weiter durch die schier endlose Eiswüste, dick in Felle und Tücher vermummt, durch die allmählich mit immer spitzeren Nadeln die Kälte stach. Als ihr Biison mit der Ausrüstung vor zwei Tagen verreckt war, hatten sie nur mitnehmen können, was sie tragen konnten. Inzwischen zweifelte Matt immer stärker daran, dass sie die Stadt noch rechtzeitig erreichen würden. Aber aufzugeben wäre einem Selbstmord gleich­gekommen.

Sie kämpften sich einen Hügel hinauf – den zweihundertvierund­zwanzigsten, wenn Matt richtig mitgezählt hatten. Auf seiner Kuppe blieb er keuchend stehen und nestelte den Kompass unter seinem Mantel hervor. Die Nadel drehte sich immer noch wie wild; was hatte er denn erwartet? Ohne Orientierung aber würden sie elendiglich…

„Maddrax!“ Aruula packte ihn am Arm. Ihre Stimme klang erregt, fast schrill. Alarmiert blickte er auf.

Und traute seinen Augen nicht.

Vor ihnen, etwa einen Kilometer entfernt… lagen die dunklen Schatten einer Ansiedlung. Edmonton! Was sonst?

Matthew fiel ein Komet vom Herzen. Er grinste Aruula aufmunternd zu. „Nun, vielleicht treffen wir Santa Claus ja doch noch“, sagte er.

Hätte er geahnt, was seine Gefährtin und ihn dort unten erwartete, er hätte trotz der Eiswüste einen weiten Bogen um die Stadt gemacht, die er für Edmonton hielt…

Autor: Michael Schönenbröcher

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Mein erster Roboter

In der Zukunft angekommen…

Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Robotern. In vielen phantastischen Filmen und Serien, die ich toll fand, gab es die mechanischen Wesen – „Star Wars“, „Buck Rodgers“ und „Unternehmen Delta III“ (ein fast vergessenes kanadisches Kleinod) – und die Idee, dass sie irgendwann einmal in der Zukunft zum Alltag gehören, fand ich unglaublich reizend und sehnte mich danach, dieses Zeitalter noch zu erleben.

Heute habe ich mir meinen ersten Haushaltsroboter gekauft: Einen Wischroboter. Und selten ist mir klar geworden, dass wir jetzt wirklich in dieser Zukunft leben. Noch steckt das alles in den Kinderschuhen und noch längst ist nicht alles perfekt. Aber allein, dass es so ein Gerät gibt und dass ich es bei einem Discounter (!) für absolut erschwingliches Geld kaufen kann, finde ich wirklich grandios. Auch wenn das Ding vielleicht nur zwei Wochen hält oder gerade mal ausreichend seine Aufgabe erfüllt – das ist mir egal. Allein für dieses Gefühl, in der Zukunft zu leben, wie ich sie mir vor etwa 25 Jahren vorgestellt habe, hat sich die Anschaffung schon gelohnt.

Den Vileda-ViROBi gibt es derzeit für etwa 25 Euro bei LIDL. (Foto: Sascha Vennemann)

Den Vileda-ViROBi gibt es derzeit für etwa 25 Euro bei LIDL.
(Foto: Sascha Vennemann)

Warum mir das jetzt so geht und nicht schon bei Smartphones, Tablets oder Ebook-Readern (vom Internet an sich ganz zu schweigen), liegt glaube ich daran, dass ich recht früh mit Computern in Kontakt gekommen bin und diese neuen Geräte für mich gefühlt einfach die Erweiterung meines ersten PCs, den ich mit 14 Jahren bekam, darstellen. Vieles war damals schon möglich, nur noch nicht so schnell, aufwändig und omnipräsent.

Erstmal den Akku aufladen. (Foto: Sascha Vennemann)

Erstmal den Akku aufladen.
(Foto: Sascha Vennemann)

Aber ein Wischroboter? Ein Gerät, das automatisch für mich eine Tätigkeit übernimmt, die man sonst eindeutig manuell übernehmen muss, von Hand durchführen – etwas absolut Analoges? Das ist einfach verdammt geil!😀

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