Gelesen: „Mein bester Freund Bob“ von James Bowen

„Was ich vom Streuer über das Glück gelernt habe“

Dass eine Geschichte über einen Streuner-Kater, der einem Ex-Junkie und Straßenmusiker dabei hilft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, irgendwann auch einmal auserzählt ist, müssen auch James Bowen und sein Verlag beizeiten gemerkt haben. Nach den drei Büchern „Bob, der Streuner“, „Bob und wie er die Welt sieht“ sowie „Ein Geschenk von Bob“ wussten die Leser so gut wie alles über das faszinierende Paar, wie es sich kennenlernte und wie aus dem Kater mit rötlichem Fell eine weltweite Buch-Sensation wurde. 2014 schien also alles über Bob gesagt zu sein, was es bis dahin zu sagen gab. Folgerichtig legten James und Bob eine kleine Buch-Pause ein. Eine vierjährige Pause sogar.

2018 – Bob und James Bowen waren inzwischen durch die gelungene Verfilmung ihrer Geschichte auch denen ein Begriff geworden, die es mit dem Lesen nicht so haben – hatte man offenbar die zündende Idee, wie man noch einige weitere Geschichten über Bob unters Volk bringen konnte. Als Vorbild schaute man sich einmal an, was auf dem Buchmarkt eigentlich immer läuft, und kam auf den Trichter, den Ex-Straßenkater und seinen Ex-Junkie-Besitzer eine Art Glückratgeber schreiben zu lassen. Schließlich reiten die beiden, seit sie sich gefunden haben, quasi auf eine Welle des Glücks. Warum sollten nicht auch ihre treuen Leser daran teilhaben können?

Cover der Taschenbuchausgabe von „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Wie gesagt: Es ist nahe liegend, warum man als Verlag auf die Idee kommt, ein solches Buch auf den Markt zu werfen. Für James Bowen und Bob ist ihre gemeinsame Geschichte auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden, das es entsprechend zu vermarkten gilt. Leider merkt man „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“ mit fast jeder Seite an, dass es hier nur darum geht, recht einfache Lebensweisheiten und Plattitüden mit ein paar Alltags-Story-Happen um Bob anzureichern.

In Kapiteln, die zwischen einer und bis zu drei Seiten Länge variieren, sinniert James Bowen anhand der Erlebnisse mit Bob darüber, was er beispielsweise über Freundschaften, Gelassenheit, Glaube, Liebe, Besitz, Genuss und Hoffnung gelernt hat. Viele der Beispiele beziehen sich dabei auf Ereignisse aus den drei zurückliegenden Büchern, denen hier sozusagen eine Moral nachgeschoben oder, oft auch nur mit einem Klischee-Spruch, übergestülpt wird. „Bob“-Bücher waren schon immer leicht zu lesen, aber in seinem Glücksratgeber gleitet das Mensch-Katzen-Duo in seichteste und belangloseste Gewässer ab und verliert damit jedweden Zauber, den es einmal inne hatten.

Beispiele gefällig? Unter abgedroschenen Spruch-Überschriften finden sich in knappen Sätzen geschilderte, anschauliche Anekdoten zur Verdeutlichung: Sei es die Erkenntnis, dass eine einzelne Spaghetti-Nudel beim Biegen bricht, die ganze Packung jedoch nicht („Gemeinsam sind wir stärker“), dass die Menschen die Geschichte von Bob und James gerne erzählt bekommen („Teile dein Glück“), dass das stundenlange Beobachten des Straßenverkehrs etwas Meditatives hat („Das Glück liegt im Inneren“), dass Achtsamkeit wichtig ist („Öffne deine Augen“) oder dass man es verdient hat, gemocht zu werden („Nimm die Liebe an“).

Viele der Beispiele spielen sich dabei natürlich zwischen Bob und James ab, sind aber oftmals sehr bemüht und müssen sich den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen. Denn solche Erlebnisse kennt jeder Katzenbesitzer, sie haben nichts Besonderes „James-Bob-Haftes“ und fördern absolut keine Erkenntnisse zutage, die einen längeren, persönlichen Nachhall erzeugen würden. „Mein bester Freund Bob“ ist deswegen – wie es ein anderer Rezensent bei einem großen Online-Einkaufsportal so treffend ausdrückt – „wie jedes andere Glücksbuch – nur eben mit einer Katze.“

Schade: Was James Bowen „vom Streuer über das Glück gelernt“ hat, ist jedenfalls nicht, wie man diese Erkenntnisse mit dem besonderes Etwas an den Leser bringt, das die vorangegangen Bücher – insbesondere die ersten beiden – ausgezeichnet hat. Als Geschenkbuch für „Bob“-Fans ist das 160-seitige Taschenbuch vielleicht noch geeignet. Das Experiment, einen Ratgeber mit dem Streuner zu „veredeln“, muss man allerdings eher als gescheitert betrachten. Hoffentlich hat das inzwischen saturierte Gespann im geplanten neuen und dann bereits fünften Buch wieder wirklich etwas zu erzählen.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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Gelesen: „Ein Geschenk von Bob“ von James Bowen

Ein Wintermärchen mit dem Streuner

Nach den großen internationalen Erfolgen von „Bob, der Streuner“ und „Bob und wie er die Welt sieht“ fragten sich Verlag und Kater-Besitzer James Bowen sicher, welche Geschichten sie den gespannten Lesern noch nicht erzählt hatten. Sicherlich gab es noch mehr Anekdoten aus dem Leben des ex-drogensüchtigen Straßenmusikers, Magazinverkäufers und neuerdings Katzenbuch-Autors zu erzählen – aber würde das nicht zwangsläufig irgendwann beliebig und redundant wirken?

Es verwundert daher nicht, dass man 2014 – auf einem ersten Höhepunkt der „Bob“-Euphorie – auf die Idee kam, erstmals ein thematisch enger gefasstes Buch in Angriff zu nehmen. Und was lag da wohl näher, als sich, ganz ähnlich wie viele Künstler aus dem Musikbereich es mit ihren Weihnachtsalben tun, einmal einen Blick mit dem rot getigerten Streuner auf das Fest der Geburt von Jesus Christus zu werfen? Schließlich ist der Winter auf der Straße ganz besonders hart, und die Feiertage sind oft für die Einsamen richtig schlimm. Häufig, weil Erinnerungen an bessere Zeiten die aktuelle Situation noch unerträglicher erscheinen lassen.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Ein Geschenk für Bob“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Bei Bob – und wieder einmal vor allem James Bowen – ist die Situation umgekehrt: Sie können jetzt, da sie sich gefunden und ihr Leben auf die Reihe bekommen haben, auf schlechtere Zeiten zurückblicken. Und gerade das Weihnachtsfest bietet treffende Aufhänger dafür, endlich die intimen Geschichten zu erzählen, die in den beiden Vorgängerbüchern noch keinen Platz fanden – vielleicht auch, weil sie eben so persönlich und familiär sind.

Schon lange haben sich die Leser, die Bobs und James Geschichte verfolgen, gefragt, was es mit der schwierigen Beziehung zu seinem Vater und dessen Familie auf sich hat – oder wie James beste Freundin Belle in sein Leben trat, und was sie verbindet. In „Ein Geschenk von Bob“ bekommen wir erstmals diese Einblicke auf rund 180 Seiten zu lesen, mit ordentlich dickens’schen Pathos und Wohlfühl-Botschaft. Denn natürlich wird in dem „Wintermärchen“ immer wieder Bezug auf das „Weihnachtsmärchen“ von Dickens Bezug genommen, wenn vom „Geist der vergangenen Weihnacht“ die Rede ist und davon, zur Adventszeit ganz besonders an seine Lieben zu denken.

Auch im dritten Buch verliert das Gespann James-Bob wenig an Faszination und Dynamik. Es ist rührend, als James im schlimmsten Blizzard seit Jahren von all seinen Kunden und Freunden Aufmerksamkeiten bekommt, und  ihm so in finanziellen Nöten über die Feiertage unter die Arme greifen. Eine fast zerstörte Gitarre, Gas- und Stromschulden, kein Geld für ein Geschenk für die beste Freundin, das auch noch im Bus vergessen wird – all das sind Katastrophen, die einen Mann, der ohnehin kaum Selbstvertrauen hatte, aus der Bahn werfen könnten. Wären da nicht Bob und alle, denen der Straßenmusiker, trotz vielem auch selbstverschuldeten Leid – was James auch einsieht -, nicht egal ist.

Ganz bezeichnend sind dabei auch die Einblicke in die Jugend und Kindheit des Mannes, der zehn Jahre seines Lebens als Drogensüchtiger und zeitweise Obdachloser fristete. In unsteten Verhältnissen aufgewachsen, in Kinderpsychiatrien eingewiesen und fragwürdig medikamentös behandelt, hat James die typischen Dispositionen einer Drogenkarriere mit auf den Weg bekommen. Glücklicherweise stellt das Buch das nicht als Entschuldigung dar, sondern bietet lediglich Interpretationshilfen für den Lebensweg Bowens.

Und so geht es in „Ein Geschenk von Bob“ noch einmal mehr um dessen menschlichen Gefährten als in den beiden Vorgängerbüchern. Was aber nicht schlimm ist, denn das Fazit – man ist geneigt zu sagen: „die Moral“ – der Geschichte ist in allen „Bob“-Büchern gleich: Ohne diesen Kater wäre für alle die Welt ein bisschen weniger schön – und eben ganz besonders für James Bowen.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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Gelesen: „Bob, der Streuner“ von James Bowen

Mein kürzlich veröffentliches Review zum Katzenbuch „Bob und wie er die Welt sieht“ hat zu meiner großen Überraschung ziemlich die Runde gemacht, woran der offizielle Facebook-Account von James Bowen und Bob nicht ganz unschuldig ist: Dort wurde meine Rezension geteilt und hat innerhalb weniger Stunden fast 700 Likes bekommen! Auch eine deutsche Fan-Seite teilte meinen Beitrag, und auch dort gab es viel Zuspruch. Ich sage: Vielen Dank! Und nehme das zum Anlass, meine bereits 2014 in einem anderen Medium erschienene Besprechung des ersten „Bob“-Buches „Bob, der Streuner“ hier wiederzuveröffentlichen, bevor ich in weiteren Einträgen die beiden übrigen Bücher über das ungewöhnliche Duo genauer unter die Lupe nehme. Hier also meine Rezension von 2014, mit der alles los ging…

Ein Kater, der sein Leben veränderte

Bücher über Katzen sind immer nur so stark, wie die Geschichten der Personen, aus deren Perspektive sie erzählt werden. Natürlich ist jede Katze komplett eigenständig in ihrem Wesen und in dem, was sie für ihren Besitzer bedeutet. Eigentlich unterscheiden sich die alltäglichen Dinge, die eine Katze tut, von Tier zu Tier nicht sonderlich. Dennoch können sie ein Leben sehr verändern.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Bob, der Streuner“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Diese Erfahrung hat auch James Bowen gemacht, dessen Buch „Bob, der Streuner“ nicht umsonst den Untertitel „Die Katze, die mein Leben veränderte“ trägt. Der englische Titel „A Street Cat Named Bob“ trifft den Kern der Geschichte eigentlich noch besser, denn Bob ist eine Straßenkatze, als Bowen den Kater eines Abends im Frühjahr 2007 im Treppenhaus seiner Londoner Wohnung antrifft und zunächst gar nichts mit ihm anzufangen weiß. Dabei ist Bowen selbst kaum ansehnlicher als der räudige, abgemagerte Kater: Er fristet sein Leben als Straßenmusiker, war lange obdachlos und heroinabhängig und befindet sich jetzt in einem Entzugsprogramm auf Methadon.

Da stehen sich beide Wesen gegenüber, ihr Leben aus den Fugen, das Überleben von einem Tag auf den anderen ist das Wichtigste. Als der Kater nicht wieder verschwindet, überwindet sich James und kümmert sich um ihn. Er lässt Bob trotz seines geringen Einkommens kastrieren und verarzten, kauft ihm Futter und pflegt ihn, bis er wieder kräftig genug ist. Ein Freilassversuch scheitert: Bob folgt James auf seinen Touren, fährt mit ihm Bus und wird zu einer Attraktion, die dem Musiker beim Gitarrespielen in der belebten Londoner City mehr Geld einbringt als je zuvor. Was folgt sind Stories über die Flucht vor neidischen Kollegen, missgünstigen Subway-Beamten und einen neuen Job als Verkäufer der Obdachlosenzeitung „The Big Issue“.

Je weiter das Buch fortschreitet, desto mehr geht es darum, wie James sein Leben in den Griff bekommt, als er z.B. kontrolliert das Methadon absetzt und nach einem abschließenden 48-stündigen kalten Entzug einen viel milderen Ersatzstoff nehmen kann. Bob wird dabei zur Projektionsfläche seines Wunsches, ein normales, ruhiges Leben führen zu können – so wie Bob es nun bei ihm führen kann. Darin liegt die Stärke des Buches, denn anstatt sich in endlosen und redundanten Erzählungen darüber zu ergehen, wie großartig sein Kater ist, konzentriert sich Bowen darauf zu berichten, was die neue Verantwortung für ein Katzenleben mit ihm gemacht hat. Nach und nach nähert sich James wieder seiner Mutter in Australien an und allgemein läuft es für in besser.

Es macht Spaß, ihn bei dieser Entwicklung zu begleiten, auch wenn es in der zweiten Hälfte des Buches immer weniger um Bob an sich geht. Wie gesagt, Bücher über Katzen sind nur so stark wie die Geschichten der Menschen, die hinter ihnen stehen. „Bob, der Streuner“ macht daher alles richtig und stellt Bowen und Bob als Einheit dar. Eine, die durch gegenseitige Zuneigung über sich hinausgewachsen ist.

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Gelesen: „Bob und wie er die Welt sieht“ von James Bowen

Der Kater im Buch danach: Neue Abenteuer mit dem Streuner

Als James Bowen 2012 mit „Bob, der Streuner“ einen Hit unter den Katzenbüchern landete, kam das für niemanden überraschend – außer für ihn selbst. Die Geschichte des Ex-Junkies und Straßenmusikers, der sich in London herumschlägt und eines Tages auf einen verletzten Streuner-Kater mit rotem Fell im Flur seines Mietshauses trifft, berührte viele Tierliebhaber tief. Dabei war es vor allem die gekonnte Mischung aus menschlicher Schicksalserzählung in Verbindung mit der Geschichte des Findelkaters, die gut funktionierte. In der neuen Verantwortung um das Tier, das ihn fortan auf Schritt und Tritt, auch bei seinem Job auf der Straße, begleitete, fand James Bowen wieder Halt im Leben, schaffte den Entzug und baute sich ein neues Standbein als Magazin-Verkäufer auf. Als die Zeitungen über James und Bob berichteten, brachte das schnell eine Literaturagentin auf den Plan, die ein Buch über das ungewöhnliche Paar machen wollte. Der Rest ist Geschichte: „Bob, der Streuner“ verkaufte sich allein in Großbritannien millionenfach, und 2016 kam eine gelungene Verfilmung in die Kinos. Nicht schlecht für ein „Katzenbuch“.

Natürlich ist die Geschichte über James und Bob noch nicht auserzählt, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis zwei Jahre später im Jahr 2014, das zweite Buch der beiden „Street Cats“ in die Regale kam. „Bob und wie er die Welt sieht“ ist dabei nicht nur eine inhaltliche Fortsetzung des ersten Teils, sondern gleichzeitig eine Art Resterampe für Geschichten, die es nicht in das erste Buch geschafft haben. Und das meine ich gar nicht negativ, sondern ist im Gegenteil ein gelungener Kniff, um die Brücke zu den aktuelleren Ereignissen im Leben von James und Bob zu schlagen. Wobei der Kater, gerade in den späteren Kapiteln, ein wenig kürzer kommt, als man vermuten könnte.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Bob und wie er die Welt sieht“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

James Bowen erzählt unter anderem ausführlich über die Zeit, als er nach einer Australien-Reise wochenlang mit einer äußerst schmerzhaften tiefen Venenthrombose herumlief und dabei gesundheitlich immer mehr abbaute. Während dieser Zeit zog sich Bob immer weiter von ihm zurück, da Bowen ihn aufgrund seines Zustandes oft von sich wies, wenn dieser ihm beistehen wollte. Dazu gibt es viele weitere Geschichten von der Straße, aus der Zeit, als Bowen das Magazin „The Big Issue“ verkaufte. Hier wird deutlich, dass Bob als James‘ bester Freund auch viele Neider auf den Plan brachte: Verkäufer-Kollegen neideten ihm das verkaufsfördernde Tier, noch dazu bekam er Ärger mit den Kontrolleuren, was schließlich zum Bruch und zur Rückkehr zur Straßenmusik führt.

Richtig interessant wird es allerdings, als sich James‘ Leben mit der Veröffentlichung des Buches grundlegend ändert. Er verfügt plötzlich über mehr Geld, als er je besaß, auch wenn es immer noch vergleichsweise wenig war. Hier entfernt sich das Buch weit vom Kater und schildert eher die Auswirkungen auf das Leben des Menschen, den er sich als Gefährte ausgesucht hatte. Interessant ist dabei zu erfahren, wie die lange Zeit der Armut sich auf James‘ Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein ausgewirkt hat. Die Minderwertigkeitskomplexe und Neigung zur Depression, insbesondere in überfordernden Lebensphasen legen ihm dabei immer wieder Steine in den Weg, was er nun selbstkritisch erkennt.

Dabei überwiegen allerdings die positiven Botschaften. Vor allem das Kapitel, in dem James schildert, wie er langsam mit einem Ersatzstoff seine Drogensucht in den Griff bekommt und schließlich ganz ohne Hilfsmittel clean bleibt. Ein anderthalb Jahrzehnte währendes Martyrium geht zu Ende. Alles nur wegen eines Katers, der einen Freund suchte. Nicht schlecht für eine Katze. Und wieder einmal nicht schlecht für ein Katzenbuch.

Das Cover der Hörbuchfassung von „Bob und wie er die Welt sieht“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Erwähnt sei an dieser Stelle auch die schöne, allerdings stark gekürzte Hörbuchfassung, die die Höhepunkte auf zwei CDs zusammenfasst und wunderbar passend von Carlos Lobo gelesen wird.

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MADDRAX-Band 500: Ein Interview mit Sascha Vennemann

In zwei Wochen erscheint Band 500 der Heftromanserie „Maddrax – Die dunkle Zukunft der Erde“ – und ich durfte den Jubiläumsband schreiben! Wer schon etwas mehr zum Roman und meiner Arbeit daran erfahren möchte, kann dies nun in einem ausführlichen Interview tun, das der geschätzte Kollege Michael Marcus Thurner mit mir geführt hat. Viel Spaß damit!

Michael Marcus Thurner

Am 19. März 2019 erscheint der fünfhundertste MADDRAX-Heftroman. Ich habe zu diesem Anlass einige Interviews geführt. Beginnen möchte ich heute mit Sascha Vennemann. Er ist Autor von Band 500, der den Titel „Zeitbeben“ trägt.

MMT: Sascha, du hast die Ehre, den Jubiläumsband MADDRAX 500 zu schreiben. Ich gratuliere dazu recht herzlich!

74d4f4fd0ad0cc12Sascha: Vielen Dank! Wenn mir das jemand gesagt hätte, als ich vor nunmehr 19 Jahren meinen ersten MADDRAX-Roman las, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber das Schicksal hatte andere Pläne – und da stehen wir nun. 🙂

MMT: Zunächst einmal zu dir als Person: Du bist vom Fan zum Autor geworden, laut dem Maddraxikon hat alles mit deiner Mitgliedschaft beim „1. Maddrax-Internet-Fanclub“ begonnen. Lass mich mal nach der dahinter steckenden Motivation fragen. Hattest du das Gefühl: „Was die MX-Autoren können, das kann ich auch“? War es Enthusiasmus? Die Liebe am Schreiben? Der Wunsch, mit dem Schreiben von Heftromanen stinkreich zu…

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Thoughts on „Cherringham – The Body in the Woods“

The evolution from a Cosy-Crime Novella Series into a full-grown novel form

When I discovered „Cherringham“ a little over a year ago, neither did I know what to expect under the label „Cosy Crime“, nor did know what „Cherringham“ was all about. I began reading the novella series in its printed edition, little brochures, 66 pages each, what we in Germany call „Heftromane“. They were released every two weeks and ended eventually with the 30th novella, due to the lack of new material to publish. New episodes will be and are already available as ebook editions. However, it didn’t take me long to grow fond of Jack and Sarah and their little town called Cherringham.

„Cherringham – The Body in the Woods“
(c) Bastei Lübbe Verlag

The stories in their short novella form remind me somehow of a „Mystery Daily Soap“, set in the Cotswolds. They often deal with deaths of people, that could haven been an accident – or something else. Sarah and Jacks investigations are rarely bloody, never too graphic with only a hint of voilence once in a while. Reading these novellas is exciting as well as relaxing. With every episode the readers are learning more about Cherringham itself, the inhabitants, the pubs and stores, the bridges, parks, schools and churches. This reminds me of the experience I had, when I was watching the TV-Series „The Gilmore Girls“ – one of my guilty pleasures. With every episode I felt more at home at „Stars Hollow“, the little Connecticut town the series takes place in. It’s always cosy to return to „Cherringham“ – even with a crime involved.

I was reading the Cherringham novel No. 2 – „The body in the woods“ lately, which is only available as an ebook at the moment. I really enjoyed it, because – other than the first novel „Dead in the water“, which was basically a very long episode – this novel really uses its potential to evolve from the novella form. The story is much more complex, there are lots of new characters with multiple motives, at least a handful of little crimes that lead to one another or are intertwined. This really is a step forward, it feels like a real full grown thriller more than just another episode. Sadly, this evolution doesn’t include the protagonists. Although there is enough room to explore more of Sarahs and Jacks past, of how the grow on investigating crimes together, these two don’t get a lot of charactere development here. The fans are longing to learn more about Jack and Sarah, but apart from Sarahs children growing and moving out, they just seem to stay the same all the time. I don’t see them both as a future couple, though. (I have the impression, a lot of frequent Cherringham readers do, actually.)

To sum it up: „Cherringham – The Body in the Woods“ is easily one of the best Cherringham stories so far. It is complex, fast paced and a thriller that would work even without „Cherringham“ included in the title. And it deserves to be released as a paperback edition someday soon, though it is not yet announced. So go get the ebook!

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Gelesen: „Eine alte Schuld – Ein Cherringham-Krimi“ von Matthew Costello & Neil Richards

Ein komplexer Kuschelkrimi emanzipiert sich von der Kurzform

Das hätte ich nicht gedacht: Als „Cherringham“ vor etwas mehr als einem Jahr im Bastei Verlag als zweiwöchentlich erscheinende Heftromanauflage startete, da wusste ich noch nichts über die „Cosy Crime“-Serie der beiden Autoren Neil Richards und Matthew Costello, die bereits seit einigen Jahren erfolgreich bei Basteis Digitallabel  „be“ (für „Bastei Entertainment“) lief. Weder hatte ich eine genaue Vorstellung, was ich unter „Cosy Crime“ zu verstehen hatte, noch worum es bei der Krimi-Serie geht. Das änderte sich sehr schnell, und die beiden Protagonisten Jack und Sarah wuchsen mir bald ans Herz.

„Eine alte Schuld – Ein Cherringham-Krimi“
(c) Bastei Lübbe Verlag

Denn es ist so: Die beiden Autoren, von denen mir Matthew Costello bereits vorher als Autor der Geschichten zu zwei meiner Games-Favoriten „The 7th Guest“ und „Doom 3“ bekannt war, schaffen es tatsächlich, eine meist eher seichte Krimi-Handlung in eine Art soap-mäßiges, englisches Kleinstadt-Setting einzubinden. Dabei schicken sie die alleinerziehende Mutter zweier Kinder, Sarah Edwards, zusammen mit dem verwitweten, amerikanischen Ex-Cop Jack Brennan, in gemeinsame Ermittlungen. Oft geht es um Todesfälle, die Unfälle sein könnten, hinter denen aber meist mehr steckt. Blut fließt selten, es gibt kaum gruselige oder unappetitliche Details, nur einen Hauch von Gewalt und alles läuft zwar spannend, aber dabei entspannend ab. Mit jeder Folge erweitert sich das Dorfpersonal von Cherringham, und im Kopf bildet sich nach und nach ein bestimmtes Bild des Ortes heraus. In dieser Hinsicht erinnert mich das Ganze an die ebenfalls fiktive Stadt „Stars Hollow“ aus der TV-Serie „Gilmore Girls“, wo man sich auch nach ein paar Folgen wunderbar zuhause fühlt.

Wer möchte kann sich auch mit den beiden längeren „Cherringham“-Romanen „Tiefer Grund“ und „Eine alte Schuld“ befassen. Diese überlangen Episoden sind rund dreimal so umfangreich wie eine gewöhnliche Folge und entsprechen ungefähr einem 300-seitigen Taschenbuch. Während „Tiefer Grund“ tatsächlich auch als Taschenbuch erhältlich ist und chronologisch zwischen Band 24 und dem Weihnachtsspezial Band 25 spielt, ist „Eine alte Schuld“ bislang nur als Ebook erhältlich, eine Taschenbuchausgabe ist derzeit nicht angekündigt.

Ich habe bei den beiden Autoren mal nachgefragt, wann „Eine alte Schuld“ chronologisch in die Serie einzuordnen ist. Während „Tiefer Grund“ ja einen Cliffhanger aus Band 24 auflöst, ist „Eine alte Schuld“ komplett separat zu lesen. Neil Richards und Matt Costello haben mir aber verraten, dass sie diesen zweiten längeren Roman zwischen Band 25 und Band 26 geschrieben haben und dass sie empfehlen würden, den Roman am besten irgendwann nach Band 26 zu lesen.

Da die Autoren die Serie alleine schreiben, musste die Heftauswertung mit Band 30 beendet werden. „Cherringham“ wird jetzt (vorerst?) wieder nur als Ebook erscheinen. Band 31 „Ein jähes Ende“ ist seit dem 13.11.18 erhältlich, Band 32 „Mord in eisiger Nacht“ ist für den 20.12.18 angekündigt. Zudem wurde ein weiterer Band für April 2019 angekündigt. Und, wenn ich das richtig in einem Podcast mit den beiden Autoren mitbekommen habe, haben sie derzeit noch Verträge für insgesamt einen weiteren Kurzband (also Band 34) und einen längeren Roman. Zudem arbeiten sie wohl gerade an einer neuen Crime-Serie, die in den 1930er Jahren in den USA spielt.

Cherringham – Band 31: „Ein jähes Ende“
(c) Bastei Lübbe Verlag

In den letzten Tagen habe ich „Eine alte Schuld“, den zweiten längeren „Cherringham“-Roman gelesen, der mir sehr gut gefallen hat. Und das nicht nur, weil die Autoren darin mehr Platz haben, eine Geschichte zu entwickeln, sondern auch, weil sie sich für „The Body in the Woods“, so der Originaltitel, eine Handlung ausgedacht haben, die weit komplexer ist als alle bisherigen Fälle. Das gilt insbesondere für das Personal. In diesen Fall – eigentlich sind es mehrere Fälle, wie sich bald herausstellt – sind jede Menge Personen verwickelt, es kommen verschiedene Verbrechen und verschiedene Motive zusammen, die Costello und Richards zu einem Netz an Intrigen und Lügen spinnen, das bis kurz vor der Auflösung sehr gut hält und auch am Ende recht überzeugend wirkt. Und während sie diese neuen Figuren sehr gut entwickeln, passiert – mal wieder – bei Jack und leider ganz besonders auch bei Sarah – nicht viel, was die Charakterentwicklung betrifft. Die Leser wünschen sich schon lange etwas mehr Background für die Protagonisten. Der Roman hätte dafür sicher Platz und Anhaltspunkte geboten, diese wurden leider nicht gut genutzt.

Dennoch ist „Eine alte Schuld“ sicher einer der besten „Cherringham“-Romane bisher, weil er sich eben nicht wie eine überlange Kurzkrimi-Episode liest, wie es noch bei „Tiefer Grund“ der Fall war, sondern eine komplexere Handlung herausbildet, die auch als eigenständiger Krimi sehr gut funktioniert und eine Dynamik entwickelt, die man von einem „echten“ Thriller erwarten würde. Für treue Leser der Serie ist der Roman also eigentlich ein Muss, aber wer mit Ebooks gar nichts anfangen kann, muss leider erst einmal in die Röhre schauen. Ich hoffe, „Eine alte Schuld“ wird noch als Taschenbuch erscheinen. Verdient hätte der Roman es allemal – auch wenn nicht „Cherringham“ auf dem Cover stünde.

„Eine alte Schuld“ gibt es zum Preis von 7,99 Euro als Ebook bei allen gängigen Portalen.

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