MADDRAX-Band 500: Ein Interview mit Sascha Vennemann

In zwei Wochen erscheint Band 500 der Heftromanserie „Maddrax – Die dunkle Zukunft der Erde“ – und ich durfte den Jubiläumsband schreiben! Wer schon etwas mehr zum Roman und meiner Arbeit daran erfahren möchte, kann dies nun in einem ausführlichen Interview tun, das der geschätzte Kollege Michael Marcus Thurner mit mir geführt hat. Viel Spaß damit!

Michael Marcus Thurner

Am 19. März 2019 erscheint der fünfhundertste MADDRAX-Heftroman. Ich habe zu diesem Anlass einige Interviews geführt. Beginnen möchte ich heute mit Sascha Vennemann. Er ist Autor von Band 500, der den Titel „Zeitbeben“ trägt.

MMT: Sascha, du hast die Ehre, den Jubiläumsband MADDRAX 500 zu schreiben. Ich gratuliere dazu recht herzlich!

74d4f4fd0ad0cc12Sascha: Vielen Dank! Wenn mir das jemand gesagt hätte, als ich vor nunmehr 19 Jahren meinen ersten MADDRAX-Roman las, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Aber das Schicksal hatte andere Pläne – und da stehen wir nun. 🙂

MMT: Zunächst einmal zu dir als Person: Du bist vom Fan zum Autor geworden, laut dem Maddraxikon hat alles mit deiner Mitgliedschaft beim „1. Maddrax-Internet-Fanclub“ begonnen. Lass mich mal nach der dahinter steckenden Motivation fragen. Hattest du das Gefühl: „Was die MX-Autoren können, das kann ich auch“? War es Enthusiasmus? Die Liebe am Schreiben? Der Wunsch, mit dem Schreiben von Heftromanen stinkreich zu…

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Thoughts on „Cherringham – The Body in the Woods“

The evolution from a Cosy-Crime Novella Series into a full-grown novel form

When I discovered „Cherringham“ a little over a year ago, neither did I know what to expect under the label „Cosy Crime“, nor did know what „Cherringham“ was all about. I began reading the novella series in its printed edition, little brochures, 66 pages each, what we in Germany call „Heftromane“. They were released every two weeks and ended eventually with the 30th novella, due to the lack of new material to publish. New episodes will be and are already available as ebook editions. However, it didn’t take me long to grow fond of Jack and Sarah and their little town called Cherringham.

„Cherringham – The Body in the Woods“
(c) Bastei Lübbe Verlag

The stories in their short novella form remind me somehow of a „Mystery Daily Soap“, set in the Cotswolds. They often deal with deaths of people, that could haven been an accident – or something else. Sarah and Jacks investigations are rarely bloody, never too graphic with only a hint of voilence once in a while. Reading these novellas is exciting as well as relaxing. With every episode the readers are learning more about Cherringham itself, the inhabitants, the pubs and stores, the bridges, parks, schools and churches. This reminds me of the experience I had, when I was watching the TV-Series „The Gilmore Girls“ – one of my guilty pleasures. With every episode I felt more at home at „Stars Hollow“, the little Connecticut town the series takes place in. It’s always cosy to return to „Cherringham“ – even with a crime involved.

I was reading the Cherringham novel No. 2 – „The body in the woods“ lately, which is only available as an ebook at the moment. I really enjoyed it, because – other than the first novel „Dead in the water“, which was basically a very long episode – this novel really uses its potential to evolve from the novella form. The story is much more complex, there are lots of new characters with multiple motives, at least a handful of little crimes that lead to one another or are intertwined. This really is a step forward, it feels like a real full grown thriller more than just another episode. Sadly, this evolution doesn’t include the protagonists. Although there is enough room to explore more of Sarahs and Jacks past, of how the grow on investigating crimes together, these two don’t get a lot of charactere development here. The fans are longing to learn more about Jack and Sarah, but apart from Sarahs children growing and moving out, they just seem to stay the same all the time. I don’t see them both as a future couple, though. (I have the impression, a lot of frequent Cherringham readers do, actually.)

To sum it up: „Cherringham – The Body in the Woods“ is easily one of the best Cherringham stories so far. It is complex, fast paced and a thriller that would work even without „Cherringham“ included in the title. And it deserves to be released as a paperback edition someday soon, though it is not yet announced. So go get the ebook!

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Gelesen: „Eine alte Schuld – Ein Cherringham-Krimi“ von Matthew Costello & Neil Richards

Ein komplexer Kuschelkrimi emanzipiert sich von der Kurzform

Das hätte ich nicht gedacht: Als „Cherringham“ vor etwas mehr als einem Jahr im Bastei Verlag als zweiwöchentlich erscheinende Heftromanauflage startete, da wusste ich noch nichts über die „Cosy Crime“-Serie der beiden Autoren Neil Richards und Matthew Costello, die bereits seit einigen Jahren erfolgreich bei Basteis Digitallabel  „be“ (für „Bastei Entertainment“) lief. Weder hatte ich eine genaue Vorstellung, was ich unter „Cosy Crime“ zu verstehen hatte, noch worum es bei der Krimi-Serie geht. Das änderte sich sehr schnell, und die beiden Protagonisten Jack und Sarah wuchsen mir bald ans Herz.

„Eine alte Schuld – Ein Cherringham-Krimi“
(c) Bastei Lübbe Verlag

Denn es ist so: Die beiden Autoren, von denen mir Matthew Costello bereits vorher als Autor der Geschichten zu zwei meiner Games-Favoriten „The 7th Guest“ und „Doom 3“ bekannt war, schaffen es tatsächlich, eine meist eher seichte Krimi-Handlung in eine Art soap-mäßiges, englisches Kleinstadt-Setting einzubinden. Dabei schicken sie die alleinerziehende Mutter zweier Kinder, Sarah Edwards, zusammen mit dem verwitweten, amerikanischen Ex-Cop Jack Brennan, in gemeinsame Ermittlungen. Oft geht es um Todesfälle, die Unfälle sein könnten, hinter denen aber meist mehr steckt. Blut fließt selten, es gibt kaum gruselige oder unappetitliche Details, nur einen Hauch von Gewalt und alles läuft zwar spannend, aber dabei entspannend ab. Mit jeder Folge erweitert sich das Dorfpersonal von Cherringham, und im Kopf bildet sich nach und nach ein bestimmtes Bild des Ortes heraus. In dieser Hinsicht erinnert mich das Ganze an die ebenfalls fiktive Stadt „Stars Hollow“ aus der TV-Serie „Gilmore Girls“, wo man sich auch nach ein paar Folgen wunderbar zuhause fühlt.

Wer möchte kann sich auch mit den beiden längeren „Cherringham“-Romanen „Tiefer Grund“ und „Eine alte Schuld“ befassen. Diese überlangen Episoden sind rund dreimal so umfangreich wie eine gewöhnliche Folge und entsprechen ungefähr einem 300-seitigen Taschenbuch. Während „Tiefer Grund“ tatsächlich auch als Taschenbuch erhältlich ist und chronologisch zwischen Band 24 und dem Weihnachtsspezial Band 25 spielt, ist „Eine alte Schuld“ bislang nur als Ebook erhältlich, eine Taschenbuchausgabe ist derzeit nicht angekündigt.

Ich habe bei den beiden Autoren mal nachgefragt, wann „Eine alte Schuld“ chronologisch in die Serie einzuordnen ist. Während „Tiefer Grund“ ja einen Cliffhanger aus Band 24 auflöst, ist „Eine alte Schuld“ komplett separat zu lesen. Neil Richards und Matt Costello haben mir aber verraten, dass sie diesen zweiten längeren Roman zwischen Band 25 und Band 26 geschrieben haben und dass sie empfehlen würden, den Roman am besten irgendwann nach Band 26 zu lesen.

Da die Autoren die Serie alleine schreiben, musste die Heftauswertung mit Band 30 beendet werden. „Cherringham“ wird jetzt (vorerst?) wieder nur als Ebook erscheinen. Band 31 „Ein jähes Ende“ ist seit dem 13.11.18 erhältlich, Band 32 „Mord in eisiger Nacht“ ist für den 20.12.18 angekündigt. Zudem wurde ein weiterer Band für April 2019 angekündigt. Und, wenn ich das richtig in einem Podcast mit den beiden Autoren mitbekommen habe, haben sie derzeit noch Verträge für insgesamt einen weiteren Kurzband (also Band 34) und einen längeren Roman. Zudem arbeiten sie wohl gerade an einer neuen Crime-Serie, die in den 1930er Jahren in den USA spielt.

Cherringham – Band 31: „Ein jähes Ende“
(c) Bastei Lübbe Verlag

In den letzten Tagen habe ich „Eine alte Schuld“, den zweiten längeren „Cherringham“-Roman gelesen, der mir sehr gut gefallen hat. Und das nicht nur, weil die Autoren darin mehr Platz haben, eine Geschichte zu entwickeln, sondern auch, weil sie sich für „The Body in the Woods“, so der Originaltitel, eine Handlung ausgedacht haben, die weit komplexer ist als alle bisherigen Fälle. Das gilt insbesondere für das Personal. In diesen Fall – eigentlich sind es mehrere Fälle, wie sich bald herausstellt – sind jede Menge Personen verwickelt, es kommen verschiedene Verbrechen und verschiedene Motive zusammen, die Costello und Richards zu einem Netz an Intrigen und Lügen spinnen, das bis kurz vor der Auflösung sehr gut hält und auch am Ende recht überzeugend wirkt. Und während sie diese neuen Figuren sehr gut entwickeln, passiert – mal wieder – bei Jack und leider ganz besonders auch bei Sarah – nicht viel, was die Charakterentwicklung betrifft. Die Leser wünschen sich schon lange etwas mehr Background für die Protagonisten. Der Roman hätte dafür sicher Platz und Anhaltspunkte geboten, diese wurden leider nicht gut genutzt.

Dennoch ist „Eine alte Schuld“ sicher einer der besten „Cherringham“-Romane bisher, weil er sich eben nicht wie eine überlange Kurzkrimi-Episode liest, wie es noch bei „Tiefer Grund“ der Fall war, sondern eine komplexere Handlung herausbildet, die auch als eigenständiger Krimi sehr gut funktioniert und eine Dynamik entwickelt, die man von einem „echten“ Thriller erwarten würde. Für treue Leser der Serie ist der Roman also eigentlich ein Muss, aber wer mit Ebooks gar nichts anfangen kann, muss leider erst einmal in die Röhre schauen. Ich hoffe, „Eine alte Schuld“ wird noch als Taschenbuch erscheinen. Verdient hätte der Roman es allemal – auch wenn nicht „Cherringham“ auf dem Cover stünde.

„Eine alte Schuld“ gibt es zum Preis von 7,99 Euro als Ebook bei allen gängigen Portalen.

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Gelesen: „John Sinclair – Engel?“ von Jason Dark

Templer, Vampir-Engel und eine verpasste Chance

Wer meine Lese-Vita ein bisschen nachverfolgt und in den letzten Wochen meine Social Media-Kanäle im Blick gehabt hat, der weiß, dass ich mich derzeit nebenbei auch immer wieder mal mit dem berühmtesten Geisterjäger Deutschlands befasse – John Sinclair. Höhepunkt der Aktivitäten nach dem Lesen einiger Classics-Hefte war kürzlich der Besuch der 2. John Sinclair-Convention in Köln, bei der ich Autor Helmut Rellergerd alias Jason Dark persönlich treffen und interviewen konnte. Das Ergebnis verlinke ich weiter unten.

Dort, in der Stadthalle Köln-Mülheim, wurde auch das Erscheinen des ersten Sinclair-Taschenbuchs aus der Feder von Jason Dark seit 15 Jahren gefeiert. Damals hatte man die monatliche Sinclair-Taschenbuchserie mit der Nummer 312 eingestellt, vor einem Jahr erschienen dann drei neue Sinclair-Taschenbücher aus der Feder anderer Autoren. Meine Rezension zu Brandmal von Florian Hilleberg und Mark Benecke ist beim Geisterspiegel erschienen, vom Oculus-Doppelband von Wolfgang Hohlbein habe ich bislang nur den ersten Roman gelesen. Engel? ist also der vierte neue Sinclair-Roman in Taschenbuchlänge und vom Serienschöpfer wieder selbst verfasst. Natürlich wollte ich das Ding möglichst flott lesen und hatte mir vorab auf der Convention die limitierte Box mit Buch, Hörspiel und Schlüsselanhänger geholt. So konnte ich bereits 14 Tage vor offiziellem Erscheinen mit der Lektüre beginnen.

Roman und Hörspiel von „Engel?“ sind beide in der limitierten Box enthalten, die auf der 2. John Sinclair Convention verkauft wurde.
(Foto: Sascha Vennemann)

Die Ausgangslage ist schnell erzählt: Der Templer Godwin de Salier wird während der Kreuzzüge bei einer Flucht aus einer von den Gegnern überrannten Stadt von einem merkwürdigen geflügelten Wesen gerettet, das als Gegenleistung seine Hilfe in ferner Zukunft einfordert. Godwin wird – wie Sinclair-Leser wissen – in der Heftserie aus der Vergangenheit in die Gegenwart geholt und leitet nun ein Templer-Kloster in Frankreich. Er befindet sich gerade auf einer Exkursion in Polen, als seine Frau Sophie einen Anruf von der Vampirin Justine Cavallo bekommt. Sie warnt die Frau des Templer-Führers, dass eine dunkle Macht hinter ihr her ist. Auch John Sinclair wird unterdessen von Father Ignatius in Rom über die Gefahr unterrichtet. Urwesen, silberäugige Vampir-Engel, haben es auf de Salier und seine Frau abgesehen. Sie retteten den Templer damals und wollen nun ihre Belohnung einfordern. Die hat etwas mit Sophie de Blanc zu tun – und mit ihrer Vergangenheit.

In der Zusammenfassung liest sich das alles gar nicht übel, und die Grundgeschichte gäbe auch einiges her. Aber wer Jason Dark, seine Arbeitsweise und seinen Schreibstil kennt, der weiß, dass es da in letzter Zeit wenig Erfreuliches zu lesen gab. Redundante Dialoge, zerfaserte Handlung, sich totlaufende Nebenstränge – das alles sind und waren keine Seltenheiten in den zuletzt veröffentlichten Texten. Sprachlich kann ein gutes Lektorat da einigermaßen gegenarbeiten, aber auch dabei sind einem Grenzen gesetzt. Umso gespannter war ich, wie sich Dark mit einem längeren Text nach der Pause von anderthalb Dekaden schlägt.

Die Antwort mag überraschen: Mal richtig gut – und mal abgrundtief übel. In der Tat gehört die dem Roman vorangestellte Vergangenheitshandlung zur Zeit der Kreuzzüge mit zum Besten, das ich je aus Darks Feder gelesen habe: Tolle Stimmung, straffe und spannende Handlung, keine sonderlich großen sprachlichen Ausfälle. Ich las und staunte, und ich freute mich. Sollte Engel? das Niveau halten, wäre ich höchst zufrieden gewesen.

Doch dann wechselt die Handlung in die Gegenwart – und stürzt vollständig ab. Bis auf das einigermaßen gelungene Finale im Vatikan in Rom eiert der Roman rund zwei Drittel seiner Länge planlos von Godwin zu Sinclair, bindet Justine Cavallo mehr schlecht als recht ein (und verklappt das Ende ihre Handlungsstrangs, als wäre er vergessen worden), bietet gewohnt sinnlose Konversationen mit nichtigem Informationsgehalt (siehe Beispielbild) und kommt in keinem Kapitel so richtig von der Stelle. Selbst die Action-Sequenzen wie der Vampir  vs. Vampir-Engel-Fight und eine Helikopter-Szene wirken unmotiviert und belanglos. Kein Wunder, möchte man meinen, hat Rellergerd doch zugegeben, dass er bei dem Roman nicht nach Exposé, sondern einfach so drauf los geschrieben hat. Dass das nicht sonderlich gut klappt, merkt man dem Roman in seinem über 200 von 330 Seiten umfassenden Mittelteil leider sehr an.

Ausschnitt aus „Engel?“ – Solche Null-Konversationen durchziehen den Roman.
(c) Bastei Lübbe

Das ist doppelt schade, denn an grundlegenden Ideen für einen spannenden Roman mangelt es ja nicht, wie die Zusammenfassung zeigt. Leider ist die Umsetzung dann aber mangelhaft: unkonzentrierte Szenenfolgen und Gespräche, kein Gespür für Timing, Cliffhanger, die keine sind… Die Liste lässt sich beliebig weiterführen. Engel? ist eine verpasste Chance – sowohl für Altleser als auch solche, die es gerne aufgrund der Lektüre geworden wären. Beide dürften sich über die gelungenen ersten 50 Seiten freuen. Neuleser dürften den Roman dann aber bei der Gegenwartshandlung aufgrund des abrupt hölzernen Stils und mangelnder Spannung enttäuscht zur Seite legen. Altlesern machen diese sprachlichen Manierismen vielleicht nichts, aber man muss schon sehr hart im Nehmen sein, um da ein Fortschreiten der Story wahrzunehmen. So tut man sich für das Franchise jedenfalls keinen Gefallen, wenn man nicht nur auf die Zugkraft der Namen John Sinclair und Jason Dark setzt. Auch Unterhaltungsliteratur sollte ein gewisses Niveau einhalten. Das sehe ich hier leider nicht erfüllt.

Helmut Rellergerd ist ein sehr sympathischer Mann, dessen schriftstellerische Lebensleistung mir aufgrund seiner schieren Masse wirklich den Atem raubt. Andererseits hoffe ich, nie so wie er zu schreiben, zumindest nicht so, wie er es in den vergangenen Jahren getan hat. Dieser Stil ist zeitweise für mich wirklich schwer zu ertragen. Dialoge vom Format: „Was ist los?“ – „Weiß ich nicht.“ – „Keine Ahnung?“ – „Nein.“ – „Und weiter?“ – „Abwarten.“ – „Worauf?“ – „Es wird etwas passieren.“ – „Ja.“ transportieren keine Information und treten jede noch so gute Ausgangsidee mit Füßen. Engel? wäre daher vielleicht ein ganz toller, weil kürzerer Doppelband für die Heftserie geworden, als Taschenbuch funktioniert der Roman aufgrund seiner aufgeblasenen Länge mit einer immer wiederkehrenden Folge von Füllszenen, mangelnder Spannung und – bis auf die erwähnten Ausnahmen – blasser Atmosphäre leider überhaupt nicht. „Das muss man so sehen“, würde John Sinclair sagen. „Verdammt…“

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Neuauflagen im Heftroman – Alter Wein in neuen Schläuchen? Ja, bitte!

Warum ich mich über jede Wiederveröffentlichung im Romanheft freue

Billy Jenkins, Tom Prox, Dorian Hunter (aka. Dämonen-Killer), Amerika, John Sinclair Classics und bald der Gespenster-Krimi – Derzeit erfreut uns der Bastei Verlag mit vielen neu, in Bälde oder kürzlich gestarteten Wiederveröffentlichungen von älteren Romanheften, die im Bereich der Western bis in die 1950er Jahre zurückreichen. Auch andere Verlage wie der Martin Kelter-Verlag probieren es jetzt nun mit Laycock wieder, nachdem Butler Parker sehr schnell wieder verschwand, und Pabel macht den Lesern mit den Seewölfen im Ebook eine Freude, auch wenn man derzeit dort keine Nachdruck-Prints im Heft findet.

Neuauflagen im Heftroman – Die Chance, Vergangenes und Verpasstes aufzuholen.
(Foto: Sascha Vennemann)

Anlass für diese kleine Notiz hier ist es, dass sich einige Leser wünschen, man möge als Verlag den Schwerpunkt nicht auf die kostengünstigeren Nachdrucke legen, sondern sich bitteschön um Neues bemühen: Neue Konzepte, neue Serien, neue Romane und Texte, die frisch, modern und verkaufsfördernd sind, damit das schwächelnde Format des Heftromans frischen Wind bekommt und wir uns noch lange daran erfreuen können. Sehe ich genauso: Ich will, dass der Heftroman noch möglichst lange die Regale unseres Landes (und auch gerne überall auf der Welt) bevölkert, vielleicht sogar etwas präsenter, als er es derzeit in seinen kleinen Drehständern und Nischen in den Bahnhofsbuchhandlungen tut.

Dennoch kenne ich als Autor auch die Sorgen und Nöte der Verleger, die versuchen müssen wirtschaftlich zu arbeiten. Machen wir uns nichts vor: Neue Romane und Konzepte kosten Geld. Werbung ebenfalls. Immer wieder wird gemault, dass der Heftroman zu wenig für sich wirbt. Wer sich aber schon einmal mit dem Marketing auseinandersetzt hat, der weiß, dass Werbung einfach verdammt viel Geld kostet und man den Effekt dieser in den seltensten Fällen adäquat messen kann. Da kann man es schon verstehen, dass Verlage sich dahingehend bedeckt halten – zumal die Zielgruppe für die Romane an sich auch schon ein eng umrissenes Klientel umfasst. Wenn schon der Buchmarkt allgemein einen Millionenschwund bei den Lesern zu verzeichnen hat, bleibt der Heftromanmarkt davon nicht unbeeinflusst – wenn auch, soweit zu überblicken, der nicht so sehr ums Überleben kämpft, wie immer gerne behauptet wird.

Gute Werbung für den Heftroman ist jedenfalls Präsenz. Das bedeutet, dass jede aktuell im Handel erhältliche Serie – egal ob Neuauflage oder neue Serie – die Chance erhöht, dass mal jemand danach greift. Dass nicht immer alle Hefte auch den Handel erreichen und die Verteilung teils zu wünschen übrig lässt, ist übrigens Sache des Vertriebs und nicht der Redaktionen. Wer sich deswegen beschweren will, wende sich also bitte direkt an diese Abteilungen der Verlage und nicht an Autoren oder Lektoren, die da oft gar nichts ausrichten können. Einfache Rechnung: Je mehr Serien es gibt, desto öfter werden sie wahrgenommen. Wer am Regal vorbeigeht, bekommt mehr Auswahl. Wer dort sowieso regelmäßig vorbeischaut, nimmt vielleicht auch mal ein Heft mehr mit. Diese Präsenz ist Werbung – und zwar genau an der Zielgruppe. Das finde ich sinnvoll.

Sinnvoll sind die Nachdruckserien auch für Spätberufene und faule Socken wie mich. Als ich im Jahr 2000 mit dem Lesen von Heftromanen begann, hatte das Format seine Blütezeit längst hinter sich. Dutzende, nein, hunderte von Serien waren in den Nachkriegsjahren bereits erschienen und wurden als zerfledderte Lese-Leichen auf Flohmärkten verscherbelt, wo ich dann den ein oder anderen ollen Macabros oder Tony Ballard einsackte, ohne zu wissen, was das überhaupt für Serien waren. Später las ich auch in Mystik-, Western- und (Gruß an Klaus N. Frick) Raketenheftchen-Romane hinein – und verliebte mich nicht nur in dieser Form des knappen Geschichtenerzählens, sondern vor allem in das tolle Format des Romanhefts.

Mit der weiteren Beschäftigung mit dem Heftroman erkannte ich, wie viel ich – der ich im Alter von 19 Jahren zum Lesen der Hefte kam und damit wohl einer der jüngeren Leser nach der Jahrtausendwende war – bislang auch schon verpasst hatte. Und da kommen die Neuauflagen ins Spiel. Denn mein Romanheft-Lesestart ist nun schon wieder fast 20 Jahre her. Mal als Vergleich: im Jahr 2000 lief die eigenständige John Sinclair-Serie „gerade mal“ 22 Jahre. Und selbst „meine“ Serie Maddrax hat in diesem Jahr die Volljährigkeit erreicht. Verdammt, wo ist die Zeit geblieben?

Machen wir uns nichts vor: Die Romanheft-Leser (und auch Autoren) sind größtenteils alte Knacker. Damit meine ich: wenige jenseits der 40, die allermeisten jenseits der 50. Nur wenige Menschen unter den Kollegen sind jünger als ich mit meinen derzeit 37 Jahren. Jüngere Leser kenne ich sogar gar keine persönlich. Aber ich will nicht von meiner Filterblase auf die Allgemeinheit schließen, vielleicht ist es ja auch gar nicht so. Die Generation, die so viel und so gerne Heftromane las, die erinnert sich vielleicht noch an die „alten Heftchen“ aus den 1970er und 1980er Jahren. Ich kann das gar nicht, ich war damals viel zu jung. Und so fanatisch, dass ich mir alle möglichen Serien bei Ebay oder auf Flohmärkten zusammenkaufen wollte, war ich dann auch nicht. Aber ich bin neugierig – darauf, was in dem Format schon alles lief und wovon die „Alten“ sprechen.

Die Neuauflagen sind da ein tolles Mittel, wie ich an diese Texte ohne großen Aufwand herankomme. Und zwar getaktet, als ob ich eine „neue“ Serie lesen würde. Was sie ja für mich auch sind. Die Zielgruppe dieser Neudrucke dürften also Nostalgie-Fans sein und Neuleser, so wie ich. Wer die alten Auflagen besitzt und gelesen hat, muss sie sich nicht kaufen, das ist richtig. Wer damals las und der Hefte im Laufe der Zeit verlustig ging, der kann sie sich jetzt wieder besorgen. Auch nicht übel!

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Neuauflagen – und zwar durch sämtliche Genres – ermöglichen es mir als „junger“ Romanheft-Leser, Altes aktuell neu zu erleben. Zudem erhöhen sie durch ihre Präsenz die Aufmerksamkeit für das Format und sind – oft – durch die zeitgleiche Veröffentlichung im Ebook-Format sogar fit für die nächste Lesegeneration. Noch so ein Ding: Im Zuge der Neuveröffentlichung werden die Texte oft erstmals digitalisiert und überdauern so jedes vergilbte Papier. So wird ein Kulturschatz zusätzlich elektronisch gesichert. What’s not to love about that?

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Gelesen: „Throne of Glass“ von Sarah J. Maas

Von einer starken Frauenfigur, die nicht funktioniert

Ich mag Fantasy, ich mag starke Frauenfiguren. Da ich mich als Autor auch gerne im phantastischen Genre bewege, hält man es auch immer für eine gute Idee, mir Lektüre aus den entsprechenden Sparten zu schenken. Das ist auch richtig so. So lese ich oftmals auch Sachen, zu denen ich selbst wahrscheinlich nicht automatisch gegriffen hätte. Solch ein Fall ist auch „Throne of Glass“ von Sarah J. Maas.

Mittelschwere Enttäuschung – Sarah J. Maas‘ „Throne of Glass“ ist nicht unbedingt der beste Fantasy-Roman.
(Foto: privat)

Den Roman hatte man mir 2013 geschenkt – und zwar in der englischen Originalausgabe. Da ich mir zum Ziel gesetzt hatte, dieses Jahr wenigstens ein Buch auch auf Englisch zu lesen kam es mir nur recht, dass ich es da auf meinem Stapel ungelesener Bücher entdeckte. Im Vorfeld hatte ich davon gehört, dass Leser besonders die Hauptfigur, die Assassinin Celaena Sardothien, lobten. Sie sei eine starke weibliche Heldin, eine Figur, wie sie die Fantasy-Literatur öfter gebrauchen könnte. Mit entsprechenden Erwartungen machte ich mich an die Lektüre. Ich sollte sehr enttäuscht werden.

Denn Celaena ist zwar eine junge Kriegerin, die beste ihrer Zunft, aber sie kann ihre Fähigkeiten in diesem Roman kaum ausspielen. Sie muss sich in einem Wettbewerb mit anderen Kämpfern messen, aber diesen Prüfungen wird im Buch nur wenig Platz eingeräumt. Nach einer vielversprechenden Einführung verliert sich der Roman darin, hauptsächlich zu schildern, wie sich Celaena mal in den Prinzen und mal in den Hauptmann der Wache zu verlieben scheint. Wem soll sie den Vorzug geben? Wem darf sie überhaupt ihre Zuneigung schenken? Natürlich geht es auch um alte Geheimnisse und ein paar Tests, aber im Kern bleibt nur dieses Liebes-Geplänkel von der Story, die im Übrigen sprachlich alles andere als anspruchsvoll gestaltet ist, übrig.

Ja, ich bin nicht die Zielgruppe dieses Romans. Und es hilft vielleicht ach nicht, dass ich gerade erst in kurzer Folge alle „Hunger Games“-Filme gesehen habe, in denen Catniss Aberdeen in einer ähnlichen emotionalen Zwickmühle zwischen zwei Love Interests steckt. Nur, dass dies dort viel besser motiviert und gelöst ist als in „Throne of Glass“ – auch schon im ersten Band der Trilogie um die Hungerspiele. Sechs Romane um die Assassinin hat die Autorin Sarah J. Maas inzwischen geschrieben. Aber da der Auftakt nicht überzeugt, werde ich wohl kaum die nächsten Bücher über ihre ach-so-toughe Heldin lesen.

Hinzu kommt, dass der Roman durch diese Soll-ich-darf-ich-ihn-lieben-Passagen sehr viel an Tempo und Spannung einbüßt. Immer wieder werden Duelle, Intrigen und alte Geheimnisse eingestreut – aber diese Dinge wären viel besser dazu geeignet gewesen, die Figur zu entwickeln, ihre Fähigkeiten zu veranschaulichen und sie daran wachsen zu lassen. Wieder muss das Beispiel „Hunger Games“ dafür herhalten. Suzanne Collins zeigt, wie man es richtig macht. Als Finale bietet „Throne of Glass“ dann ein abschließendes Duell, bei dem die Protagonistin aufgrund einer Einschränkung, die ich hier aus Spoilergründen nicht verraten möchte, gar nicht aktiv mitwirken kann. Die Erwartungen verpuffen vollständig, ebenso die ohnehin kaum vorhandene Spannung darauf, wie es denn aus- und weitergeht.

Was alles sehr schade ist, denn das Potenzial wäre da gewesen, aus dem Setting und der Figurenkonstellation etwas Großartiges zu machen. Mag sein, dass es in den späteren Romanen gelingt. Nur bin ich da nicht mehr als Leser mit dabei.

 

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Gelesen: „Die unglaubliche Reise des Smithy Ide“ von Ron McLarty

Ein All-American-Road Movie-Roman auf dem Rad

Es gibt Bücher, mit denen ist man schon durch eine Geschichte verbunden, bevor man sie überhaupt gelesen hat. „Die unglaubliche Reise des Smithy Ide“, ein Roman von Ron McLarty, ist für mich so ein Buch. Ich trug jahrelang – und über drei Ümzüge hinweg – einen kleinen Schnipsel in meiner Zettelsammlung herum, der auf dieses Buch hinwies. Den Ausriss hatte ich einst aus einer Art Gemeindebrief herausgetrennt, der mir noch während meiner Studienzeit in Bielefeld ins Haus flatterte. Das muss so um das Erscheinungsjahr des Buches in Deutschland gewesen sein – also 2006. Die Geschichte eines Mannes, der sich nach dem Verlust seiner Familie einfach auf ein Rad schwingt und quer durch die USA fährt, sprach mich als Road Movie-Fan an. Ebenso, dass einer meiner Lieblingsautoren, Stephen King, offenbar für den Roman schwärmte.

„Die unglaubliche Reise des Smithy Ide“ von Ron McLarty.
(c) Goldmann Verlag/Random House

Das Jahr 2018: Der Schnipsel ist inzwischen verschwunden, das Buch aber nicht vergessen. Es dämmerte auf meiner Lesewunschliste, inzwischen digital, vor sich hin und wartete, endlich dran zu sein. Ich besorgte mir das Buch als „Beifang“ zu einer Bestellung in einem Online-Antiquariat und begann zu lesen. Und mein Gefühl behielt Recht: das ist ein Roman für mich.

Smithy Ide ist 43 Jahre alt und arbeitet in einer Spielzeugfabrik, wo er kontrolliert, ob die Gliedmaße einer Actionfigur auch richtig an den Korpus angebracht wurden. Er hat keine Freunde, trinkt literweise Bier und isst gerne überbackene Brezeln. 279 Pfund bringt er auf die Waage, doch das stört ihn nicht. Einmal im Jahr fährt er mit seinen Eltern in den Urlaub an einen See, gemietetes Häuschen, ein bisschen Angeln, alles schön. Auf der Rückfahrt von einem dieser Urlaube verunglücken Smithys Eltern tödlich. Wie betäubt lässt er die Trauerfeier und die Beerdigung über sich ergehen. Als er die Post seiner Eltern durchsieht, fällt ihm ein Brief aus Kalifornien in die Hände, in dem steht, dass man Smithys Schwester Bethany tot aufgefunden habe. Sie lebte als Obdachlose an der Westküste, weit von Rhode Island entfernt.

In der Erinnerung an seine Schwester, die aufgrund einer psychischen Störung phasenweise eine Stimme hörte, die sie zum Verharren in bizarren Posen, zum Sprung von einer Brücke und wiederholten Fluchten von Zuhause zwang, taucht Smithy immer wieder in Gedanken in die Vergangenheit ab. Er erinnert sich, dass er früher dünn und sportlich war, gern angelte und vor allen Dingen stundenlang mit seinem Raleigh-Fahrrad durch die Gegend fuhr. Dieses Rad steht noch in der Garage seiner Eltern. Ohne darüber nachzudenken fährt der dicke Smithy los. Sein Ziel: Los Angeles, wo die Leiche seiner Schwester darauf wartet, was mit ihr geschehen soll.

Der Roman von Ron McLarty heißt im Original „The Memory of Running“ und fasst viel besser zusammen, worum es geht. Es geht um das Weglaufen vor Schmerz und Trauer, von verpassten Chancen und der Verantwortung für sich selbst. Auf seiner Reise quer durchs Land begegnet Smithy immer wieder anderen Menschen, die ebenfalls schwere Zeiten durchmachen. Durch seine sehr naive Art wirkt er ein bisschen wie Forrest Gump, sein fehlendes Selbstbewusstsein führt dazu, dass er in argwöhnischen Zeitgenossen sogar Feindseligkeit hervorruft. Dabei ist er eigentlich nur teilnahmslos oder möchte zuvorkommend sein.

Der Roman ist ein einem gefälligen, leicht emotionalen Ton geschrieben, macht große Bilder und schöne Charakterporträts auf, und King-Leser verstehen auf Anhieb, warum dem Meister der Text gefällt. Viele Erzählkniffe, die hier zur Anwendung kommen, sind ihm ebenfalls eigen. Dass Smithy im Vietnamkrieg gedient hat, dabei gar nicht aktiv kämpfte und trotzdem von Kugeln durchsiebt wurde, trägt noch weiter zum „All American Novel“-Gefühl bei, das Ron McLarty hier evoziert. Der Roman sollte ursprünglich nur als Hörbuchfassung erscheinen, was man anhand der übersichtlichen Kapitel durchaus positiv bemerkt.

Episoden des radelnden Smithy wechseln sich mit Episoden aus seiner Vergangenheit ab, die sich vor allem um seine Schwester und deren unfassbare Krankheit drehen. Die Familie hat nie gelernt damit umzugehen, kümmert sich zwar herzlich, aber hilflos um die junge Frau, bis diese der Stimme vollends verfällt und aus ihrem bisherigen Leben ausbricht. Während Smithys Pfunde schmelzen, weil er Dutzende Meilen am Tag fährt und sich nur von Wasser und Bananen ernährt, verarbeitet er erst die schmerzhaften Momente seines Lebens. Das ist melancholisch und anrührend, hart an der Grenze zum Kitsch, aber gerade noch so, dass man seufzen möchte: „Hach, schön!“

Alles in allem ist der Roman zwar etwas generisch, macht dabei aber wirklich alles richtig. Timing, Stil und emotionale Ansprache erzeugen einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Dass das alles vermutlich am Reißbrett entstanden ist und auf eben jenen Effekt geschrieben ist, vergisst man dabei leicht. Und lässt sich mit Smithy auf dem Rad durchs Land tragen, Landschaften und Charaktere erleben, staunen und grübeln. Hach, schön!

„Die unglaubliche Reise des Smithy Ide“ ist in der deutschen Fassung derzeit nur noch antiquarisch erhältlich und gibt es leider nicht einmal als Ebook.

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