Tagebuch eines Spiegelbildes II – Selbstsabotage und Aufbruch

Vor nicht allzu langer Zeit berichtete ich über das Erscheinen und meinen Eindruck zur regelmäßig mit Updates versehenen Live-Biographie meines Kollegen Stephan R. Bellem mit dem Titel „Ü30 – Und immer noch Pickel“. Wer den Artikel noch einmal nachlesen will, der kann das hier tun. Darin habe ich angekündigt, auch die neuen Passagen, die Stephan veröffentlicht, kritisch zu begleiten.
Mit dem ersten Update gibt es Neuigkeiten aus den Monaten März bis Mai zu lesen – und auch eine, wie ich finde, wichtige Passage, in der der Autor auf Kritik an seinem Projekt reagiert.

„Ich möchte aber betonen, dass dieses Buch kein Spendenaufruf ist, auch wenn ich den Witz mal auf Facebook gebracht habe. Ebenso wenig ist es ein Hilfeschrei oder Mitleidsgesuch. Es ist wohl am ehesten eine Art Reality-TV in Form eines eBooks. Ihr könnt euch daran ergötzen oder angewidert wegschauen, wie auch immer. Der Text soll euch auf irgendeine Art unterhalten. Sei es, weil es euch viel besser geht, ihr viel schlauer als ich seid, oder weil es euch ähnlich geht und ihr euch in ein paar Dingen wiederfindet. Ich weiß es nicht.“

Dieser Absatz stimmt mich sehr viel positiver, als ich zuletzt aus dem Text ging. Mir war im ersten großen Teil von „Ü30“ nicht klar, mit welcher letztendlichen Motivation man einen derart persönlichen Teil seines Lebens der Öffentlichkeit darbieten möchte. „Spendenaufruf, Hilfeschrei, Mitleidsgesuch“ treffen es ziemlich genau, und da ist immer noch ein großer Widerwillen in mir, der mir sagt: „Ich verstehe vollkommen, warum man mit sich und seiner unmittelbaren Umwelt auf diese Art, einen Text zu schreiben, ins Reine kommen will. Aber der ganzen Welt erzählen, wie doof man sich vorkommt und wie sehr man gescheitert ist – Kann das den gewünschten Effekt überhaupt haben?“ Oder ist es eine weitere Ausprägung dessen, was Stephan selbst so beschreibt:

„Meine geheime Superheldenkraft ist, dass ich nur mich selbst sabotiere.“

Ja. Hoffen wir, dass Stephan sich mit „Ü30“ nicht ein weiteres Mal selbst sabotiert …

So, jetzt aber genug der harten Worte. Ich habe immer das Gefühl, erst einmal auf die Finger klopfen zu müssen, bevor ich auch etwas Nettes sagen darf. Pädagogischer Auftrag und freundschaftliches Verbundenheitsgefühl und so. Das erste Update hat einen deutlichen Unterton von Aufbruchsstimmung, und das ist für Autor und Leser beiderseits sehr beflügelnd. Auch wenn wieder eher auf die düsteren Ereignisse Bezug genommen wird: Bei der Buchmesse im März stehen außer ein paar Hardcore-Fans und Unterstützern kaum Interessierte am Signierstand (Ich wasche meine Hände in Unschuld – Ich war da! 🙂 ), die Beziehung mit der Freundin ist endgültig dahin und daran anschließend eine Wohnungssuche nur semi-erfolgreich.

Stephan R. Bellem auf der Buchmesse Leipzig 2012 (c) Sascha Vennemann

Aber dann sind da noch Lichtblicke, wie das Schwenk-Grill-Event zur Buchmesse mit befreundeten Literaten, die Aussicht auf die Weiterentwicklung eines Konzepts für einen neuen Verlag und die Einsicht, dass ein anderer, neuer Job, möglicherweise in einer anderen, neuen Stadt vielleicht doch keine so schlechte Alternative sind. Und dass der Traum, Schriftsteller zu sein, sich vielleicht eben auch dann verwirklichen lässt, wenn man ihn nebenbei lebt.

Aus dem „Alles ist scheiße, aber ich versuche klarzukommen“ ist ein „Alles ist immer noch scheiße, aber es kann besser werden. Das ist es, was ich jetzt sehen kann und was ich erreichen möchte“ geworden. Aus der Resignation wird nach dem Tiefpunkt die Energie für den Aufbruch, und sei es auf noch so geringem Level. Aus dem aus allen Lautsprechern dröhnenden Trauermarsch ist ein rocky-eskes „Eye of the Tiger“ auf Flüsterlautstärke geworden. Und wer kann das nicht ab und zu gebrauchen?

Also: Wer das eBook schon besitzt, kann sich hier im Blog bei Stephan R. Bellem durchlesen, wie er an das kostenlose Update gelangt. Für alle Neukäufer gibt’s das Update bereits inklusive.

Stephan R. Bellem: „Ü30 – Und immer noch Pickel“ bei amazon.de (Afilliate Link)

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