Gelesen: „Dewey und ich“ von Vicki Myron / Bret Witter

Gestern, am 8.8., haben wir den Weltkatzentag gefeiert und passend zu diesem Event hat nicht nur ein Futterhersteller in der Göttinger Innenstadt lustige Probepäckchen verteilt, sondern ich habe mir auch die Quasi-Fortsetzung zu dem Buch „Dewey und ich“ zur Hand genommen – „Dewey und seine Freunde“.

Wer mich auch nur halbwegs kennt weiß, dass ich die Frage nach Hund oder Katze seit jeher mit einer Vorliebe für Feliden beantworte, und die beiden Stubentiger, die sich mit mir meine Wohnung teilen, über alles verehre. Da wird auch der gestandene Mann sentimental, denn wer einmal mit Katzen gelebt hat, sich mit ihnen arrangiert, sein Leben mit ihnen geteilt hat, wird sicher nie wieder ohne sein wollen. So geht es mir zumindest. Und ab und an lese ich gerne von anderen Menschen und ihren Tieren, denen es genauso geht. Eines der Bücher, die dies besonders gut einfangen, ist besagtes „Dewey und ich“. Bereits im März 2010 schrieb ich nachfolgene Rezension dazu, die ich zu diesem Anlass noch einmal hervorgeholt habe. Sie erschien ursprünglich beim „Geisterspiegel“, ist dort aber nicht mehr (oder noch nicht wieder) verfügbar.

Da im Juni diesen Jahres ein weiteres Buch über den Kater und andere Katzen aus der Feder der selben Autoren erschienen ist, werde ich dieses Buch auch wieder lesen und meine Meinung dazu formulieren. Bis dahin kann ich Tier- und Katzenfreunden nur ans Herz legen, mal einen Blick in „Dewey und ich“ zu werfen.

Hier die Rezension:

Am 18. Januar 1988 passierte in der kleinen Stadt Spencer in Iowa etwas Außergewöhnliches: Als Vicki Myron, die Bibliothekarin der örtlichen Einrichtung, morgens als erstes die Bücherbox leeren will, hört sie seltsame Geräusche aus dem Behältnis. Eigentlich sollen dort ausgeliehene Bücher von außen über eine Klappe zurückgegeben werden, wenn die Bücherei einmal nicht geöffnet hat. Doch offensichtlich hat jemand diese Vorrichtung dazu genutzt, ein ungeliebtes Haustier loszuwerden. Als Vicki die Box öffnet, findet sie zwischen den Büchern einen kleinen Kater, sehr jung, mit fast erfrorenen Pfötchen. Der Bursche überlebt die Strapazen knapp, und da sich sonst niemand findet, der das Tier aufnimmt, bekommt es den Namen „Dewey“ und wird als Bibliothekskatze in der Bücherei heimisch. Als Nachname dichtet man ihm „Readmore Books“ („Lies-mehr-Bücher“) an, und unter diesem Namen wird Dewey weit über die Stadtgrenzen, ja, sogar über die Grenzen der USA hinaus berühmt. Es ist aber nicht nur diese anrührende Geschichte, die diesen Kater zu etwas Besonderem macht. Es ist auch die Wirkung, die die Anwesenheit des Tieres auf die kleine Stadt und ihre Bewohner hat. Die eher ländlich geprägte Gemeinde wird immer wieder von Wellen der Arbeitslosigkeit überrollt. Da die Bibliothek ein öffentlicher Ort der Begegnung ist, kommen hier viele Schicksale, auch und vor allem persönlicher Natur, zum Vorschein. Die Anwesenheit des genügsamen und ruhigen Katers, der intuitiv zu spüren scheint, wer seinen Beistand braucht, verzaubert jeden Besucher. So ist es nicht verwunderlich, dass Deweys Tod, nach einem außergewöhnlich langen Katzenleben von 19 Jahren, die ganze Welt trauern ließ.

„Dewey und ich“ ist der passende Titel für dieses wundervolle Buch über die Kraft, die Haustiere ihren Besitzer – oder Menschen allgemein – geben können. Jeder, der einmal ein Haustier besessen und es geliebt hat, kann die Gefühle, die Bibliothekarin und Ersatzmutter für Dewey, Vicki Myron, hier beschreibt, zur Gänze nachvollziehen. Allerdings wäre „Dewey, Spencer und ich“, ein noch besserer Titel gewesen, denn dies sind die drei Themenschwerpunkte, die Myron unter der Mithilfe von Bret Witter hier anspricht. Ein Buch nur über eine Katze wäre wohl schnell langweilig geworden, wenn man das Leben und Wirken des Tiers nicht auf eine andere Ebene abstrahiert. So ist dieses Buch nicht nur eine Hommage an das Leben eines berühmten Katers, sondern vor allem auch ein Kleinstadtportrait von Spencer, seiner Bewohner und deren Sorgen und Nöte. Und auch das Leben Vicki Myrons spielt immer wieder eine Rolle, ihre persönlichen Krisen, seien sie beruflicher oder familiärer Art, hat die Autorin mit in ihre Geschichte eingebracht. Gerade das gelingt hier sehr gut. Denn auch wenn Dewey ein Star unter der Tieren war, so war er doch im Kern eine ziemlich gewöhnliche Katze, die gerne in Kartons schlief, es liebte auf Gummibändern herumzukauen und immer versuchte, seine Grenzen auszutesten – insbesondere was das Hochspringen zu möglichst hoch gelegenen Plätzen betrifft. Für jemanden wie den Verfasser dieser Rezension, der seit längerer Zeit mit zwei charakterlich völlig verschiedenen Stubentigern zusammenlebt und sie als Teil seiner Familie bezeichnet, sind das eigentlich alles alte Hüte. Für Menschen, denen der Umgang mit Katzen nicht vertraut ist, dürfte die Lektüre etwas spannender sein.

Besonders schön ist es zu erfahren, welche Reaktionen Dewey bei den Menschen hervorrief, und dass er von der breiten Bevölkerung bald als selbstverständlich akzeptiert wurde. Selbst Menschen mit Katzenhaar-Allergie konnten wegen der Größe der Bücherei weiter dorthin kommen, ohne Probleme zu haben. Dewey begeisterte Kinder, wieder in die Bibliothek zu kommen, geleitete Arbeitslose durch eine schwere Zeit, half älteren Menschen beim Trauern um einen geliebten Partner oder minderte ihre Einsamkeit. Umso trauriger ist natürlich das Ende der Geschichte, wenn Dewey aufgrund seines Alters und einer Krankheit nicht mehr weiterleben kann. Aber auch der Tod gehört zum Leben eines Bibliothekskaters.

Immer wieder wird das Buch von kleinen Einschüben aufgelockert. Aus der Sicht des Katers beschrieben gibt es paar Tagesabläufe und Eigenarten in tabellarischer Form, die weiter Aufschluss über den Alltag von Dewey geben. Als lustiges Gimmick zieht sich am unteren rechten Seitenrand eine Art Daumenkino durch das Buch. Und natürlich gibt es auch viele Fotos des Katers und seiner Freunde zu sehen, wenn auch leider nur in Schwarz-Weiß.
„Dewey und ich“ ist somit unterhaltsam und einfühlsam zugleich.

Wer Dewey und Vicki Myron einmal in Aktion erleben möchte, kann sie hier und hier bei Youtube ein paar Videos mit den beiden ansehen.

Vicki Myron / Bret Witter
„Dewey und ich – Die wahre Geschichte des berühmtesten Katers der Welt“

(c) Sascha Vennemann

Ergänzung: 13.11.2016
Ich habe geschlagene vier Jahre gebraucht, bis ich den Nachfolger „Dewey und seine Freunde“ zuende gelesen hatte. Woran das liegt und wie mir das Buch sonst gefallen hat, steht in meiner ausfürlichen Rezension bei den EMS-VECHTE-NEWS:

Buchbesprechung: „Dewey und seine Freunde“ bei den EMS-VECHTE-NEWS



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