Rezension: „Das Buch Karand“ – Stephan R. Bellem

Im Laufe der letzten Jahre habe ich jede Menge Rezensionen für die verschiedensten Formate geschrieben: Online-Magazine, Zeitschriften, Zeitungen und Foren. Vieles davon ist nicht mehr online verfügbar. Nach und nach werde ich meine Besprechungen nun hier wieder einstellen, damit sie für den interessierten Leser weiterhin zur Verfügung stehen.
Den Anfang machen wir mit einem Roman von Stephan R. Bellem, über dessen Projekt „Ü-30 – Und immer noch Pickel“ ich ja bereits ausführlich berichtet habe.
Viel Spaß beim Lesen!

Stephan R. Bellem: „Das Buch Karand“
(Die Chroniken des Paladins 3)

Fantasy, Taschenbuch
Otherworld Verlag, Graz, Juni 2009
451 Seiten / 9,95 €
ISBN: 9783902607089

Der Kontinent Kanduras steht am Rande des Abgrunds. Tharador und seine Gefährten konnten nicht verhindern, dass das „Buch Karand“, jenes magische Artefakt, das seinem Besitzer eine fast gottgleiche Aura und Macht verleiht, von seinem Versteck in den Überresten von Karandras Festung in den Bergen entwendet wird. Nicht nur das – Calissa, Orkkönig Ul’goth, Berserker-Zwergenprinz Khalldeg und Elf Faeron müssen sogar davon ausgehen, dass der Paladin den letzten Kampf nicht überlebt hat, da von ihm keine Spur zu entdecken ist. Verfolgt von den Gnomen, die unter der neuen Herrschaft des Herold des Aurelion Pharg’inyon, der sich in Dergerons Körper festgesetzt hat, das Heer Richtung der Hafenstadt Berenth ziehen lässt, fliehen die Freunde. Mit Hilfe des Ork-Schamanen Nnelg können sie jedoch erfahren, dass Tharador noch lebt. Dieser sitzt in der Stadt Totenfels in einem Verlies und erfährt von seinem Mitgefangenen, dem Chronisten Rhelon mehr über die Vergangenheit Kanduras – und seine eigene Abstammung und die Aufgaben, die noch vor ihm liegen. Auch Korvellan und Dezlot, der junge Magier, kommen bei ihrer Suche nach dem Mörder des Magiers Gordan immer mehr auf die Schliche einer Verschwörung, die anscheinend bis in die obersten Reihen der Kleriker reicht. Im Süden, in der von Orks belagerten Stadt Surdan, versuchen sich Menschen und Orks mal mehr und mal weniger friedlich miteinander zu arrangieren, dennoch bemühen sich alle redlich, den von Ul’goth angestrebten Frieden zu wahren, auch wenn jahrhundertealte Ressentiments zwischen den beiden Rassen vorherrschen. Schließlich können die Freunde Tharador nach einem Abstecher zur „Eisnadel“, der Heimat der Zwerge, befreien. An der Aktion ist ein kleiner magisch begabter Goblin namens SnikSnik nicht ganz unbeteiligt. Alles läuft auf die finale Konfrontation der dunklen Mächte geben die vereinten Völker des Guten hinaus. Während Pharg’inyon/Dergeron zusammen mit den Gnomen auf Berenth marschiert, und dabei die Macht des „Buchs Karand“ entfesselt wird, wobei eine ganze Region mit Tausenden von Einwohnern unter dem Einfluss der Macht zu einem gewaltigen Heer mutiert, verschanzen sich Tharador und Konsorten in der Festung. Von Süden nähert sich die unverhoffte Verstärkung in Gestalt von Orktruppen, von Osten kommt eine Streitmacht von Zwergen zu Hilfe. Und doch reicht das alles nicht aus, um das Böse zu stoppen. Tharador muss sich ein letztes Mal auf seine speziellen Kräfte und das Licht des Paladins besinnen, um eine Chance zu erhalten, diejenigen, die er liebt, vor der Verdammnis zu retten …

Das Buch Karand - Stephan R. Bellem

Das Buch Karand – Stephan R. Bellem

Mit „Das Buch Karand“ schließt der deutsche Fantasy-Autor seine Trilogie „Die Chroniken des Paladins“ nach den beiden ersten Teilen „Tharador“ und „Das Amulett“ fulminant ab. Über 1000 Seiten haben wir den Sohn eines Engels und einer Sterblichen nun bei seinem Kampf gegen das Böse begleitet und konnten dabei nicht nur seine Abenteuer erleben, sondern auch mitentdecken, wie sich die Geschichte und der Background des Kontinenten Kanduras immer weiter offenbarten und entwickelten. Diese unglaublich reichhaltige Welt, die immer wieder nicht nur zwischen den Zeilen durchscheint, bietet noch viel Stoff für unzählige Geschichten, und so ist es kaum verwunderlich, dass Stephan R. Bellem – soviel hat er schon angekündigt – eines Tages wieder über sie schreiben wird.

Doch zunächst muss erst diese erste lange Erzählung zuende gebracht werden. Bellem überhäuft den Leser dabei nur so mit Namen von Orten, Göttern, Protagonisten und Nebenfiguren, so dass einem als Leser mit längerer Lesepause zwischen den Romanen – trotz vorhandenem und dringend erforderlichem Personenregister – erst einmal der Kopf raucht. Da kann es schon einmal bis zu hundert Seiten dauern, bis man sich wieder orientiert hat, aber danach ist man zurück auf dem Kontinent, über den der Autor seine Helden nun erst einmal lange genug gejagt hat. Als einzelnen Roman kann man „Das Buch Karand“ gar nicht lesen, man muss die beiden Vorgänger intensiv verinnerlicht haben, um alle Zusammenhänge zwischen den bis zu fünf verschiedenen Erzählsträngen herstellen zu können. Das mag für den Gelegenheitsleser mit geringer Aufmerksamkeitsspanne vielleicht überfordernd sein, für die bisherigen Begleiter Tharadors auf seiner phantastischen Reise aber ein reichhaltiger Festschmaus.

Bellem vereint hier all seine bisher gesammelte Schreiberfahrung und pickt sich das Beste aus den beiden ersten Romanen heraus: Die stilvolle und präzise geschilderte Action aus „Tharador“, die wohldosiert über den insgesamt sehr dynamisch und ausgewogen erzählten Roman verteilt auftaucht, und die vor allem in „Das Amulett“ vorherrschenden Charakterentwicklungen, die aus der bloßen auswechselbaren Heldentruppe ein untrennbares Team von Individuen mit ganz eigenen Geschichten, Ängsten und Sorgen machen. Sprachlich findet Bellem dabei für jedes dieser Elemente den richtigen Ton und ein angenehmes, nicht zu flottes, aber auch nicht zu lahmes Erzähltempo. Ausgewogen und mit sichtlich mehr schriftstellerischer Erfahrung eben.

Wunderbar führt der Autor am Ende alle Stränge seiner Romane zusammen, der finale Kampf ist nicht nur eine epische Schlacht, wie sie sich Fantasy-Leser wünschen, sondern schlägt auch, durch das Eingreifen eines „alten Freundes“ inhaltlich eine Brücke zum Anfang von „Tharador“. Das macht die ganze Sache extra-rund.

„Die Chroniken des Paladins“ sind ein Paradebeispiel für gelungene klassische Sword&Sorcery-Fantasy aus deutschen Landen. Eine Geschichte, in der man sich als Leser gerne verliert und die sich mit ihrem Grad an Detailtreue und Reichhaltigkeit nicht hinter Vorbildern aus dem Ausland verstecken muss.

„Das Buch Karand“ als eBook bei Amazon für 4,99 Euro

(c) Sascha Vennemann, 2013

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