MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 1

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

1. Kapitel

Der Schnee blieb in großen Klumpen in Matts Fellstiefeln hängen und behinderte sein Vorankommen; fast als wollte er den Mann aus der Vergangenheit davon abhalten, weiterzugehen. Matt Drax blieb stehen, schob die Kapuze zurück und blinzelte nach vorn. Viel mehr als Weiß in Weiß sah er nicht; sogar der Himmel schien in grellem Licht zu stehen.

„Was ist los, Maddrax?“ Aruula verhielt ihre Schritte neben ihm und blinzelte ihn aus zusammengekniffenen Augen an. „Hast du was gesehen?“

„Du meinst, außer Schnee und Eis?“, witzelte Matt. „Na ja, würde mich nicht wundern, hier den guten alten Santa Claus zu treffen.“

„Santa Claus?“, fragte Aruula verblüfft. „Du hast mir nie von ihm erzählt. Wohnt er in dieser Gegend?“

Matt schmunzelte – und verzog schmerzhaft das Gesicht, als seine tiefgefrosteten Lippen sich kräuselten. „Santa Claus war eine Legende vor Kristofluu„, erklärte er dann. „Man nannte ihn auch Weihnachtsmann. Ein dicker bärtiger Kerl im roten Mantel, der am Nordpol haust und einmal im Jahr den Kindern Geschenke bringt.“

„Mein Volk kennt eine ganz ähnliche Legende!“, ereiferte sich Aruula. „Hoch im Eis soll es einen unglaublich fetten Nordmann geben, der einmal im Jahr durchs Land zieht, um die Kinder zu fressen.“

Matt verzog das Gesicht. „Na ja, ist nicht ganz dasselbe, schätze ich. Aber hier werden wir kaum einen der beiden treffen, auch wenn wir dem Nordpol ganz nahe sind. Früher hieß dieses Gebiet mal Kanada, aber seit sich die Erdachse verschoben hat, ist es der frostige Arsch der Welt.“

Und wenn meine Berechnungen richtig waren, müssten wir eigentlich bald auf die Überreste von Edmonton stoßen, fuhr er in Gedanken fort. Hoffentlich – sonst erleben wir Weihnachten nur noch als tiefgefrorene Leichen im Eis… Aber das sprach er lieber nicht aus.

Sie stapften weiter durch die schier endlose Eiswüste, dick in Felle und Tücher vermummt, durch die allmählich mit immer spitzeren Nadeln die Kälte stach. Als ihr Biison mit der Ausrüstung vor zwei Tagen verreckt war, hatten sie nur mitnehmen können, was sie tragen konnten. Inzwischen zweifelte Matt immer stärker daran, dass sie die Stadt noch rechtzeitig erreichen würden. Aber aufzugeben wäre einem Selbstmord gleich­gekommen.

Sie kämpften sich einen Hügel hinauf – den zweihundertvierund­zwanzigsten, wenn Matt richtig mitgezählt hatten. Auf seiner Kuppe blieb er keuchend stehen und nestelte den Kompass unter seinem Mantel hervor. Die Nadel drehte sich immer noch wie wild; was hatte er denn erwartet? Ohne Orientierung aber würden sie elendiglich…

„Maddrax!“ Aruula packte ihn am Arm. Ihre Stimme klang erregt, fast schrill. Alarmiert blickte er auf.

Und traute seinen Augen nicht.

Vor ihnen, etwa einen Kilometer entfernt… lagen die dunklen Schatten einer Ansiedlung. Edmonton! Was sonst?

Matthew fiel ein Komet vom Herzen. Er grinste Aruula aufmunternd zu. „Nun, vielleicht treffen wir Santa Claus ja doch noch“, sagte er.

Hätte er geahnt, was seine Gefährtin und ihn dort unten erwartete, er hätte trotz der Eiswüste einen weiten Bogen um die Stadt gemacht, die er für Edmonton hielt…

Autor: Michael Schönenbröcher

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