MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 2

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

2. Kapitel

Die Ortschaft bot einen irgendwie unwirklichen Anblick. Es gab keine Stadtmauern, kein Stadttor und keine Stadtsoldaten, nur Berge von Eis und Schnee, zwischen denen sich niedrige Holzhäuser drängten. Rauch stieg aus Dachluken auf, wurde vom Wind niedergedrückt und trieb in Schwaden an Tunneln vorbei, die tief in die Schneehügel hinein zu ragen schienen. Beinahe eine verzauberte Winterwelt – wäre da nicht der dunkle Schatten gewesen, der unsichtbar über all dem lastete.

Matt sah Menschen wie behäbige Kolosse durch die Gassen stapfen. In ihrer vielschichtigen Fellkleidung wirkten sie aufgebläht und steif, wie unförmige Tiere, die nur so taten, als wären sie Menschen.

„Sie sehen friedlich aus“, sagte Aruula. Sie schien sich keine düsteren Gedanken zu machen. „Wir sollten uns bei ihnen aufwärmen.“

Matt nickte zögerlich, stemmte sich gegen den pfeifenden Wind und zog seine eigenen Felle fester um den Körper. Seine Glieder knackten bei jeder Bewegung.

Ein warmes Feuer, dachte er, etwas zu essen und ein weiches Strohlager, mehr muss Edmonton mir nicht bieten. „Ich frage mich, wovon die Menschen hier leben“, sagte er, als sie an den ersten Häusern vorbeigingen. „Woher bekommen sie Nahrung, Holz, Stoffe?“

„Vielleicht treiben sie Handel.“

„Und mit wem? Mit Schneemännern?“ Er bildete sich ein, Aruulas Schulterzucken zu sehen, obwohl die Geste unter den Fellen verborgen blieb. „Na ja, irgendwas wird es hier schon geben.“

Sie gingen weiter, traten ein in Gassen, die mit schmutzigbraunem Schnee gefüllt waren. Schwerfällige Gestalten schoben sich an ihnen vorbei, ohne sie zu beachten. Matt versuchte einen Blick in ihre Gesichter zu werfen, scheiterte jedoch an den Schals und Stoffen, die alles bis auf die Augen vor der Kälte schützten. Menschliche Augen, immerhin.

Ihm kam zu Bewusstsein, dass sie beide wohl nicht anders aussahen – vermutlich der Grund dafür, dass niemand sie ansprach oder zumindest anstarrte. An einem so abgelegenen Ort mussten Fremde ein seltenes Schauspiel sein – vorausgesetzt man bemerkte sie.

„Da geht es zu einer Taverne“, unterbrach Aruula seine Gedanken, die schon wieder – er wusste nicht warum – in trübe Gefilde abdrifteten.

Matt folgte ihr zu einem hölzernen Schild, auf das jemand mit Kohle krude Zeichnungen gemalt hatte. Er sah ein Strichmännchen neben einem Krug und dem gehörnten Kopf eines Tieres, ein weiteres an einem Feuer sitzend und zwei, die auf einer Art Bett lagen –

Er hob die Augenbrauen. „Vollpension mit Rundum-Service.“

„Kommst du?“ Aruula stand vor der Tür einer Holzhütte, die man anscheinend in einen Schneehügel hinein gebaut hatte. Eiszapfen hingen vom Dach bis zum Boden herab und versperrten den Blick durch das einzelne sichtbare Fenster.

„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, entgegnete Matt, aber da stieß Aruula die Pforte auch schon auf und betrat die Schänke…

 Autorin: Claudia Kern

 

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