MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 4

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

4. Kapitel

Matt hätte nicht erwartet, so viele Menschen – falls es denn Menschen waren – und einen derart großen Raum hinter der doch eher idyllisch anmutenden Tavernenfassade zu finden. Vor seiner linken Wand, auf ein paar über Fässer gelegten Holzdielen, wiegte sich eine Art Dixieband zum Rhythmus ihrer Musik, zehn oder elf Musiker. Die meisten hielten Hörner und rohrartige Posaunen, aber auch kleine Saiteninstrumente und jede Menge Trommeln, Pauken und Tamburine. Die Musiker trugen lange braune Wildledermäntel mit großen weißen Knöpfen, die Matt an Mandelsplitter erinnerten, genau wie die Bommel an ihren ebenfalls wildlederbraunen Pilzhüten.

An der Wand gegenüber dem Eingang öffnete sich ein großes Portal in einen weiteren Raum, merklich dunkler als dieser hier. Menschen drängten sich davor.

Und an der rechten Wand ein hüfthoher Verschlag aus ungehobelten Birkenbrettern – die Theke. Dahinter ebenfalls engelhafte Frauen mit Flügeln und in Goldgewändern, und jede mit einem Heiligenschein aus sieben Kerzen auf dem Engelshaupt.

Unter ihnen stand ein Hüne von einem Kerl. Er trug ein Eisbärenfell, nein: ein Izeekepir-Fell. Der Schädel der Bestie hing dem Mann tief in die Stirn. Es war der Wirt. Die Rechte auf die Theke gestützt, winkte er Aruula und Matt mit der Linken herbei. Seite an Seite gingen sie zur Theke.

„Blutige Kritzmess und viel Spaß.“ Der Bass des Wirtes rollte wie Donner. „Es ist gleich so weit; stellt euch an.“ Er zeigte auf die Pforte, vor der die Warteschlange sich drängte.

Sie stellten keine Fragen, drängten sich am Kamin vorbei und durch die wilden Tänzer hindurch zu der Menge vor der Pforte. Eine nackte Tischtänzerin warf Matt ihr Goldgewand zu. Aruula packte ihn und zog ihn mit sich. Vor der Pforte ebenfalls Engelsgestalten und Weihnachtsmänner. Aber auch Taratzen und Sebezaans. Der Verdacht, es könnten tatsächlich mutierte Ratten und Katzen sein, beschlich Matt. Und als er die ersten Nosfera unter der Menge entdeckte, war er dessen fast sicher.

Halb wurde das Paar in den eher düsteren Raum geschoben, halb drängten sie sich hinein. Eine merkwürdig stille, fast andächtige Atmosphäre herrschte hier. Und ein vorne offener Holzverschlag in seiner Mitte…

Sofort war die Erinnerung da: Die Erinnerung an die Krippenspiele in der lutherischen Kirche von Riverside. Matt hatte meistens den Josef gemimt. Der wurde hier von einem dreiäugigen Nordmann mit Hasenscharte gespielt. Er stand neben einem Wakuda und blickte ausgesprochen hämisch drein. Unter Umständen wollte er lächeln. Maria war eine Wulfanin; sie stand vor der Krippe – ein mit Stroh gefülltes Gerippe, dem man den Brustkorb zur Hälfte abgesägt hatte – und rauchte eine Meerschaumpfeife.

Aruula stellte sich auf die Zehenspitzen, aber auch so konnte sie die Krippe nicht einsehen. Ein Nosfera trat an die Knochenwiege. Er hielt einen prall gefüllten Trinkschlauch aus Leder hoch über den Kopf.

„Das haben wir uns vom Munde abgespart!“, verkündete er. „Feinster Jahrgang, Blutgruppe A, Rhesus-Faktor negativ!“ Und legte den Lederschlauch ins Stroh.

Autor: Jo Zybell

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