MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 8

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

8. Kapitel

Der bunt gewürfelte Haufen ringsum war entspannt und bester Laune gewesen; niemand außer dem Rev’rend trug eine Waffe. So hatte es jedenfalls ausgesehen. Zwei, drei Herzschläge lang war die Szene wie schockgefroren. Niemand rührte sich, kein Laut war zu hören. Nun ja, bis die Schmatzlippen.

Dann – plötzlich – klirrte es überall. Wie aus dem Nichts zog die Menge das reinste Schwerterheer empor. Drohend rückten die Mutanten vor. Matt dachte an Indiana Jones und wünschte sich einen gut geölten Revolver in die Hand. Aber es war noch nicht Weihnachten, deshalb wurden auch keine Wünsche erfüllt.

„Halt!“, rief da Santa Graus über die Köpfe seiner Anbeter hinweg. Er zeigte auf Matt und Aruula. „Keiner rührt die Beiden an! – Das gilt auch für dich!“, ergänzte er Richtung Vettel.

Widerstrebend ließ die Speckmamsell ihr sicher geglaubtes Vergnügen los und trollte sich. Matt atmete auf. Zumindest würde er nicht zu Tode geknuddelt werden. Dass sie beide sterben mussten, daran gab es jedoch keinen Zweifel.

Santa trat ein Stück vor. Aruula ruckte an ihrem verkanteten Schwert.

„Böses Mädchen!“, sagte der Ledermann kalt und schlug nach ihr.

Auf einmal war nichts mehr seltsam oder gar albern in diesem Raum mit seinen flackernden Lichtern und der multikulturellen Kundschaft. Am wenigsten Santa Graus. Aruula nickte stumm: Sie hatte diese Situation schon tausend Mal durchlebt. Egal wie skurril ihre Gegner waren – hinter den bunten Fassaden verbarg sich immer dasselbe Ziel.

„Sie wollen uns töten!“ flüsterte die Barbarin. Verstohlen tastete sie nach Matthews Hand, während Santa Graus eine Ansprache hielt.

„Bald schon ist holde Weihnachtszeit, und leise rieselt der Schnee“, hob er feierlich an. „Wenn süßer die Glocken nie klingen, wird das Festtagsmahl gelingen! Das aber muss noch vorbereitet werden, und dafür brauchen wir diese Gestalten hier!“ Er zeigte auf Matt und Aruula.

Mel’cho der Guul kam angetappt, blinzelte unter schmutzverklumpten Brauen an Santa hoch und fragte eifrig: „Sollen wir die Schauerlichen Schergen holen?“

„Gute Idee!“ sagte der Ledermann. Fast hätte er Mel’cho lobend auf den Kopf geklopft. Aber er besann sich noch rechtzeitig, zog seine Hand zurück und ließ die Guulmähne voll verwurmter Friedhofserde unberührt. Stattdessen holte er tief Luft und brüllte einen Befehl heraus.

„Macht hoch die Tür!“, scholl es donnernd durch den Raum, vorbei an „Maria“ und ihrer halben Pfeife, vorbei am Kerzenchor, dessen Lichter zu flackern begannen, an der klumpigen Dreckspur des Guuls entlang, die sich im Luftzug verformte, und hinunter zu den Fußleisten der gegenüber liegenden Wand. Dunkel war es dort, verlassen und still.

Die Menge wich zur Seite. Alle warteten gespannt.

Unvermittelt hob Gaspaaa die Nase. Sein feiner Geruchssinn hatte etwas gewittert. Etwas Unangenehmes, Bedrohliches. Matt folgte den Blicken der Taratze und runzelte die Stirn.

Unten an der Wand waren Kratzgeräusche zu hören. Steine schoben sich nach vorn, und dann kam langsam und quietschend eine verborgene Tür hoch. Matt dachte flüchtig an eine Katzenklappe, doch erstens war das Ding entschieden zu groß für schnurrende Stubentiger. Zweitens hatten die auch nicht solche Krallen an schwarzen, überlangen Hände. Und drittens stanken Katzen nicht nach angebranntem Teig.

„Wudan steh uns bei!“, raunte Aruula.

„Ich bin mir nicht sicher, ob das ausreicht“, sagte der Mann aus einer anderen Zeit, als ihm klar wurde, was da in den Raum gekrochen kam…

Autorin: Stephanie Seidel

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