MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 9

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

9. Kapitel

Matthew Drax hatte Lebkuchen immer gemocht.

Mit dieser Form der Leckerei allerdings hatte er Probleme.

Die Schauerlichen Schergen des grausigen Santa Graus waren gut zwei Meter groß, hatten lange Krallen und Reißzähne aus Lakritz und glühende sternförmige Augen. Das Schlimmste aber: Sie hatten wohl zu lange im Höllenfeuer gebacken, waren schwarz wie ein mitternächtlicher Tunnel und stanken erbärmlich. Für einen schmucken Weihnachtsteller kamen sie damit nicht in Betracht.

„Ergreift sie!“, grollte Santa Graus und deutete auf ihn und Aruula. „Sie sollen gemästet werden und uns als Festmahl dienen!“

„Traditionell wäre aber Truthahn die bessere Wahl“, versuchte Matt noch einzuwenden, wurde aber vom Brüllen der Lebkuchenmänner überstimmt, die auf sie losstürmten.

Aruula wurde ihrer Rolle als Kriegerin wieder einmal voll gerecht. Mit einem Schrei sprang sie zwischen Matt und den vordersten Schergen, schwang ihr Schwert und teilte den Lebkuchen sauber in zwei Teile. Mit einer fließenden Bewegung kam die Klinge wieder hoch und bohrte sich dicht unter einem Gürtel aus Zuckerguss in den Wanst eines weiteren Lebkuchenmannes.

Die Menge schrie auf. Vermutlich, weil es bislang niemand gewagt hätte, der Garde des Weihnachtsobermotzes Paroli zu bieten. Matt sah in der allgemeinen Schrecksekunde seine Chance, sprang zur Seite und entriss Rev’rend Balthaasa dessen Waffe. Gleichzeitig versicherte er sich mit einem Uppercut, dass der grimmige Priester den silbernen Colt in den nächsten Minuten nicht zurückfordern würde.

Als er sich dem Kampfgeschehen wieder zuwandte, stockte Matt mitten in der Bewegung.

Die zwei Hälften des zerschnittenen Lebkuchenmannes klammerten sich an Aruulas Beinen fest, während der durchbohrte Scherge ihren Brustkorb umfasste.

Verdammt – man konnte Lebkuchen nicht töten!

Nicht, dass diese Erkenntnis Matt sonderlich überraschte – aber man hatte ja wohl hoffen dürfen. Und obwohl er sich der Sinnlosigkeit seines Unterfangens im Grunde bewusst war, zielte er mit dem Colt über Kimme und Korn auf Kuchen und ließ den Kopf des Gebäckmonsters zerplatzen, das Aruula umklammert hielt.

Der Griff lockerte sich um keinen Deut. Aruulas Gesicht lief rot an. Sie ächzte.

„Lass sie los, verdammt!“, brüllte Matt, warf sich auf den Schergen und biss mit dem Mut der Verzweiflung in dessen Arm.

Es schmeckte verbrannt, logisch. Aber gar nicht mal so schlecht.

„Ha!“, rief Matthew aus und biss erneut zu. Und wieder. Und wieder. Hätte der Lebkuchenmann noch einen Kopf besessen, er hätte sicher ein dummes Gesicht gezogen, als der Arm den Halt verlor und zu Boden purzelte.

Mit einem Ruck riss Aruula sich los. Ihr Schwert wirbelte. Fetzen von Lebkuchen flogen durch den Raum.

Auch Matt kämpfte mit allen Zähnen, die ihm zur Verfügung standen. Er biss wild um sich, kaute mit vollen Backen.

Und doch war es hoffnungslos; die Übermacht an Kalorien war einfach zu groß. Immer mehr der Schaurigen Schergen quollen durch die Riesenkatzenklappe und warfen sich auf die Helden.

Schließlich hing solch eine Traube von Lebkuchenleibern an Matt und Aruula, das sie sich kaum mehr bewegen konnten. Hilflos mussten sie es zulassen, mit Lakritzschnecken gefesselt zu werden.

„Werft sie in den Kerker“, wütete Santa Graus, trotz des Sieges nicht eben erfreut über die hohen Verluste an Lebkuchen, „und stopft ihnen die Mäuler mit heißen Maronen, Pfeffernüssen und Zuckerstangen!“

Dominosteine hab ich immer gern gemocht, schoss es Matthew Drax irrational durch den Kopf. Das Letzte, was er sah, bevor man seine Augen mit einer Binde aus Geschenkband verschloss, war der wabbelnde Trinksackbauch Santa Graus‘ und sein klaffendes Maul unter dem Taratzenbart.

„Ho ho hooooo! Morgen, Kinder, wird’s was geben!“

Autor: Michael Schönenbröcher

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