MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 10

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

10. Kapitel

Vor knapp 500 Jahren hatte der Nordpol noch am Nordpol gelegen. Doch nach der Verbiegung der Erdachse war er nach Süden gewandert, hatte sich in der Stadt Edmonton angesiedelt und plagte deren Bewohner seither mit Arscheskälte, wüsten Schneestürmen und Frostbeulen.

Den ärgsten Frust darüber verspürte aber der Herr des ehemaligen Pols; so wie ein Guinness-Rekordinhaber, dem irgendein Hansel den Eintrag im Jahresbuch weggeschnappt hatte. Seitdem war der brave Santa Claus zu Santa Graus dem Schröcklichen mutiert. Oder lag es vielmehr an dem grünen Kristall, der mit der Polverschiebung am Nordpol eingeschlagen war, dessen Licht aber niemanden wärmen konnte?

Santa Graus war so humorlos wie ein durchschnittlicher SF-Leser: Wer hinter seinem Rücken über ihn sprach, war automatisch ein Frevler. Frevler stellte man 24 Stunden bei 50 Grad unter 0 mit entblößtem Hinterteil auf dem Marktplatz am Pranger zur Schau und fütterte sie im gleichen Zeitraum mit 50 Kilo Lebkuchen und Marzipankartoffeln.

Drakonische Strafen dieser Art trugen natürlich nicht dazu bei, dass die Bewohner von Polstadt ihren Herrscher liebten. Deswegen sah er sich seit einiger Zeit den subversiven Flugblatt-Attacken einer geheimen Organisation ausgesetzt, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, sein Regime zu beenden. Und die sich so perfekt aufs Verstecken spezialisiert hatte, dass es bislang noch keinem von Santa Graus‘ Schauerlichen Schergen gelungen war, auch nur einen ihrer Mitglieder dingfest zu machen.

Zu den mutigen Mannen, deren Wühltätigkeit zu Santa Graus‘ baldigem Untergang führen sollte, gehörte auch Sepp Nüssli. Der gnomenhafte Agent, der eigentlich zum Volk der Dreizehn Inseln hatte pilgern wollen, war unglücklicherweise irgendwo hinter Fleenzburg – nach dem Genuss einer lokalen alkoholischen Spezialität – falsch abgebogen und schließlich am Ex-Nordpol gelandet. Vor seiner Ankunft hatte er eine Anzahl haarsträubender Abenteuer erlebt, über die wir gelegentlich an anderer Stelle berichten wollen („Wie Sepp die nymphomanische Königin von Island reinlegte“, „Wie Sepp den Lindwurm bezwang“, „Wie Sepp den Schatz der Nibelungen fand“, etc. pp.).

Als ausgebildeter Spion – Meisterspion, wie er stets in seine Bewerbungsunterlagen zu schreiben pflegte – hatte es nicht lange gedauert, bis er erst auf und dann zu besagter Geheimorganisation gestoßen war, die es als Einzige wagte, Santa Graus und seiner Lebkuchengarde die Stirn zu bieten.

Nun… wollte man der Wahrheit die Ehre geben, so hatte ihn ein Trupp von East’R’Bunn, wie die Jungs und Mädels sich nannten, halb erfroren auf der Straße eingesammelt, aufgetaut und ihn gefragt, ob er bei ihnen „mitmachen“ wolle. Sepp wollte. Immerhin war das um Klassen besser als erfrieren oder verhungern oder beides.

Obwohl er in späteren Rückblicken und diversen Fußnoten immer wieder anzweifelte, ob es tatsächlich besser gewesen war…

Autor: Ronald M. Hahn

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