MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 11

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

11. Kapitel

In diesem Augenblick lag Sepp Nüssli mit einer schwarzen Spionmaske vor den Augen auf dem Dachboden im HQ der bereits erwähnten Geheimorganisation auf dem Bauch und spitzelte mit einem Messing­fernrohr den in finsterer Polarnacht daliegenden Tyrannenpalast aus.

Nüsslis Aufgabe bestand darin, das Geheimnis der Macht zu ergründen, das den Tyrannen befähigte, die Bewohner der Stadt so zu beeinflussen, dass sie bei seinen öffentlichen Auftritten kollektiv in Choralgesänge verfielen und die Hände gierig nach den prallen Jutesäcken ausstreckten, die seine Schauerlichen Schergen auf ihren von RenDhark-Tieren gezogenen Schlitten mit sich führten.

Sepp vermutete, dass Santa Graus‘ Macht überirdischen Ursprungs war. Wie er darauf kam? Na, man brauchte doch nur einen Blick auf seinen Palast zu werfen, um zu sehen, dass er von innen heraus in unirdischem Licht erstrahlte!

„Fürwahr“, murmelte Sepp und justierte sein Fernrohr, „in diesem Hause walten finstere Mächte!“ Sein Blick wanderte über den vierstöckigen Blockhaus-Palast und fiel da und dort in ein erleuchtetes Fenster. Im obersten Stock, dem Tyrannen-Thronsaal, erspähte er zahllose mit Silberkugeln und Kerzen geschmückte Fichten, zwischen denen eine in Rot gewandete Gestalt umhertanzte wie ein Derwisch.

Es war der Tyrann persönlich! Er umtanzte einen knapp ein Meter großen, aufrechtstehenden Gegenstand, einen leuchtenden grünen Kristall! Auch erblickte Sepp ein Dutzend seiner Lebkuchen-Schergen, die die Hymne der Polarstadt sangen: „Alles schläft, Owie lacht…“

Wer dieser mysteriöse Owie war, würde er irgendwann auch noch rauskriegen.

Sepp schüttelte erst sich und dann sein Köpfli, wie immer, wenn er Zeuge unheimlicher Anblicke wurde. Er war sich ziemlich sicher, dass die Macht des Tyrannen auf diesem grünen Kristall basierte. Und sogleich zog er auf meisterhafte Weise jenen Schluss, zu dem nur wahrhaft gerissene Agenten fähig sind: Angenommen, es gelang jemandem, den Kristall zu stehlen. War es dann um Santas Macht geschehen?

Für eine solche Aufgabe kommt natürlich nur ein wahrer Meisterdieb in Frage, dachte Sepp und verspürte in der gleichen Sekunde ein heftiges Jucken an intimer Stelle. Wer könnte so ein Ding wohl drehen, hm? Seine ihm angeborene Bescheidenheit gebot natürlich, dass er eine Weile mit sich rang, bevor er zum einzig richtigen Schluss kam: Nur dir, o Seppli, kann es gelingen, die Schauerlichen Schergen zu foppen und in den Palast einzudringen, denn keiner klaut so wie du und hat einen Umhang mit 164 Geheimtaschen…

„Schade nur, dass du etwas auffällig bist“, sagte Sepps Gewissen.

„Ich seh auffällig aus?“, fragte Sepp verdutzt.

„Nun, du bist kaum achtzig Zentimeter groß.“

„Dafür bin ich aber sehr gewitzt“, erwiderte Sepp und zog das Näsli hoch. „Ich könnte mich zum Beispiel als Kind tarnen.“

„Dafür bist du etwas zu faltig im Gesicht, alter Knabe.“

„Dann tarne ich mich eben als faltiges Kind.“

„Ich geb auf“, seufzte Sepps Gewissen. „Tu was du nicht lassen kannst.“

„Ich weiß genau, wie man bei einer solchen Sache vorgehen muss“, brabbelte Sepp vor sich hin. „Zuerst braucht man einen Plan!“

Er hob das Fernrohr erneut ans Auge und warf einen Blick auf die nächtliche Stadt. Sein Blick wanderte hinab… und weiter hinab… und noch ein bisschen weiter hinab bis zu dem Kerker des Tyrannen im Keller des Blockhaus-Palastes.

Und plötzlich war es ihm, als hätte er ein Riicola quer verschluckt. Denn die beiden Gestalten, die er dort durch ein vergittertes Kellerfenster sah, kannte er nur zu gut…!

Autor: Ronald M. Hahn

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