MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 14

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

14. Kapitel

Aruulas Rülpsen weckte Matt, holte ihn zurück aus einem Reich traumlosen Schlummers, das er eigentlich nicht verlassen wollte; nicht jedenfalls, um in diese absurde Wirklichkeit zurückzukehren, in der das Grauen auf ihn wartete…

… das Grauen zum Beispiel in Gestalt und Geruch von Aruulas Atem, der ihm feucht und warm übers Gesicht strich und ein Bild all dessen, was man sie zu essen gezwungen hatte, vor seinem geistigen Auge heraufbeschwor. Und eben dieses Bild schien in seinem Magen Gestalt anzunehmen, all die „Leckereien“ schienen dort buchstäblich zu materialisieren und drohten ihm den Bauch zu sprengen.

Aber bevor das passieren konnte – und Matt glaubte, dass es wirklich passieren würde –, brach sich dieses mörderische Völlegefühl anderweitig Bahn, suchte und fand den Weg durch seine Speiseröhre und seine Kehle hinauf.

Matt wandte gerade noch rechtzeitig den Kopf, damit Aruula, die sich über ihn beugte und mit sorgenvollem Blick aus schokoladenbraunen Augen mit pistaziengrünen Einsprengseln bedachte, nichts abbekam.

Dafür ergoss sich der Schwall mitten hinein in ein runzliges Etwas, das Matt als Sepp Nüsslis Gesicht kannte – und das noch im selben Augenblick wie unter einer Schlammpackung verschwand.

„Du kotzt mich an“, konstatierte der Meisterspion und wischte sich mit knubbligen Fingern die Augen sauber.

Endlich ging es Matt ein klein wenig besser. Was freilich längst nicht hieß, dass es ihm gut ging.

Und Weihnachten, das früher einmal, vor über fünfhundert Jahren, zu seinen liebsten Festen gehört und das er in den vergangenen fünf Jahren immer wieder vermisst hatte, war ihm ein für alle Mal verdorben…

Weder Aruula noch Sepp mussten ihn über den Stand der Dinge aufklären. Die Situation war mit einem Blick zu erfassen, und wie es dazu gekommen war, konnte er sich leicht zusammenreimen, auch ohne live dabei gewesen zu sein, weil ihn Nooels Fausthieb ausgeknockt hatte.

Matt wusste nicht, wie lange er bewusstlos gewesen war; auf jeden Fall lange genug, dass Sepp Nüsslis Säure ihre Wirkung tun konnte: Die Gitterstäbe des Kerkerzellenfensters steckten dort nicht länger, und wären er und Aruula von Sepp Nüsslis Statur gewesen, hätte ihnen jetzt ein Weg in die Freiheit offen gestanden. Aber wie Matt schon zuvor erkannt hatte, war das schmale längliche Fenster nicht groß genug, als dass sie hindurch gepasst hätten.

Was indes kein Beinbruch war. Während Matt außer Gefecht gewesen war, hatte der Meisterspion seine Spezialsäure auch am Türschloss der Kerkerzelle zur Anwendung gebracht – und zwar mit Erfolg: Das Schloss hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst und ein Loch im Türblatt hinterlassen, das groß genug war, um Aruula hindurchgreifen und draußen den Riegel zurückschieben zu lassen.

„Komm schon! Wir machen uns vom Acker, bevor der Wächter wiederkommt“, zischte sie.

Matt nickte und stand auf – oder versuchte es zumindest. Er kam sich um Zentner schwerer vor als im Normalzustand, und die Nachwirkung von Nooels Fausthieb hatte er auch noch nicht ganz weggesteckt.

Irgendwie schaffte er es schließlich doch zur Tür. Draußen auf dem Gang war noch niemand aufgetaucht.

„Wohin?“, fragte Matt. Der Korridor verlor sich der kümmerlichen Beleuchtung wegen zu beiden Seiten im Dunkeln, ohne dass hier oder dort eine Treppe oder Tür oder sonst etwas Erfolgversprechendes auszumachen war.

Sepp Nüssli übernahm die Initiative und wies nach links. „Da lang“, sagte er und zog eine brennende Fackel aus einer Wandhalterung. „Vertraut mir. Ich weiß, was ich tue.“

Aruula rülpste, vertraute und folgte ihm.

Matt seufzte, vertraute ihm zwar nicht, ging ihm aber trotzdem nach.

Autor: Timothy Stahl

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Heftroman, MADDRAX-Adventskalender 2016 abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s