MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 15

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

15. Kapitel

Türen.

Tunnel.

Treppen…

Und noch mehr Türen, Tunnel und Treppen.

Immer tiefer ging es hinab in die Katakomben unter der Festung von Santa Graus, in ein Labyrinth aus Türen, Tunnel und Treppen, wie in die Eingeweide eines gewaltigen gefräßigen Ungeheuers, das es gar nicht nötig hatte, sie zu verschlingen, weil sie unter der Führung Sepp Nüsslis, der mit einer Fackel in der Hand voranging, freiwillig schnurstracks in seinen Verdauungstrakt hinein marschierten.

Das bloße Gedankenbild weckte die Übelkeit in Matt, die er gerade so weit bezwungen hatte, dass ihm nicht bei jedem zweiten Schritt die Galle hochkam, von neuem. Aber er beherrschte sich, wenn auch mühsam. Seine Sinne waren eindeutig von der Mastkur geprägt; jetzt glaubte er sogar schon Zwetschgen zu riechen. Widerlich!

Weiter ging es in die Tiefe, durch kreuz und quer verlaufende Gänge.

„Ein Kaninchenbau ist ein Dreck gegen diesen Irrgarten hier“, murrte Matt.

Diesem Kaninchen möchte ich aber lieber nicht begegnen“, versuchte Aruula zu scherzen.

Sepp Nüssli blieb stehen. „Still! Horcht!“

Sie gehorchten und horchten und hörten es auch.

Ein Raunen von Stimmen. Von vielen Stimmen.

Und, nein, kein Raunen – die Stimmen sangen.

Die Melodie kam Matt sogar vage bekannt vor.

Aber… nein, das konnte nicht sein! Er kannte das Lied aus jener Zeit, da er in Deutschland stationiert gewesen war; eine alte Volksweise. Aber die musste längst in Vergessenheit geraten sein – zumindest war es im höchsten Maße unwahrscheinlich, dass man sie hier oben am eisigen Nordpol je gekannt hatte.

Doch als sie sich wieder in Bewegung setzten und weitergingen in die Richtung, aus der sie den Gesang vernahmen, schmolzen Matts Zweifel dahin – bis schließlich nur noch Gewissheit übrigblieb. In dem Augenblick nämlich, da sie aus dem Felsentunnel hinaus und auf eine Galerie traten, die in einiger Höhe eine gewaltige Höhle umlief, deren Decke sich weit, weit über ihnen im Dunkel verlor.

Was dort oben im Dunkeln lag, interessierte Matt aber auch gar nicht.

Was dort unten am Grund der Höhle vonstatten ging, schlug ihn dagegen völlig in Bann. Und gab ihm das Gefühl, etwas würde seine Hirnrinde kitzeln, um den Wahnsinn hervor zu locken.

Menschen waren dort unten. Menschen, die hüpften. Mit angewinkelten Armen, die Hände mit den Daumen aneinandergelegt und nach unten weisend, so wie Kinder das Hüpfen eines Hasen imitierten.

Und zu diesem Szenario passte auch das Lied, das Matt erkannt hatte, obgleich diese Menschen es so sangen, dass die ursprünglichen Worte kaum zu verstehen waren.

Doch Matt erinnerte sich ihrer, und wie von selbst und kaum hörbar sprach er sie mit: „Häschen in der Grube saß und schlief…“

Was jedoch nicht ins Bild passen wollte, war das „Häschen“, um das herum diese Menschen ihren hüpfenden Tanz aufführten.

Das Häschen war nämlich kein Häschen.

Es war ein…

… Monstrum!, lag es Matt gedanklich auf der Zunge, und auf Aruulas Frage, was, bei Wudan, das denn sei, wollte er es auch aussprechen.

Aber Sepp Nüssli kam ihm zuvor. In fast ehrfürchtigem Ton antwortete der Schweizer Meisterspion auf Aruulas Frage mit einem einzigen Wort. Na ja, eigentlich mit zwei Worten, aber das erste war kein richtiges Wort:

„Gopferdammi! Easter Bunny.“

Wer?

„Der Osterhase“, ergänzte Matt fassungslos. „Aus Vollmilchschokolade, wie mir scheint. Mit einem Glöckchen um den Hals…“

Und tatsächlich hatte er – von dem Glöckchen, das eine ausgewachsene Glocke war, einmal abgesehen – Recht: Im Zentrum der Höhle erhob sich ein gut acht Meter hoher Schokoladenosterhase, um den die Menschen wild herumtanzten.

Bis sie der drei Ankömmlinge gewahr wurden. Gut zwei Dutzend Köpfe ruckten zu ihnen herum, und fanatisch glitzernde Augenpaare starrten sie an.

„Oh-oh“, bemerkte Matt. „Na dann frohe Ostern…“

Autor: Timothy Stahl

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