MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 16

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

16. Kapitel

Erst hatte es so ausgesehen, als wären die drei Gefährten vom Regen in die Traufe geraten. Doch als die Sektierer bereits bunt angemalte Eier gezückt und zum Wurf ausgeholt hatten, erhob Sepp Nüssli seine Gnomenstimme und machte den Jungs und Mädels klar, dass er selbst der Bruderschaft angehörte und zwei Verbündete mitgebracht hätte. und als er den Gruß der East’R’Bunn zelebrierte – den gestreckten Mittel- und Zeigefinger senkrecht hinter den Kopf gehalten und zweimal geknickt –, schlug die feindselige Stimmung endgültig in Begeisterung um.

Die Verbrüderungsfeier kam trotzdem nicht zustande. Sepp hatte gerade begonnen, seine Verbündeten namentlich vorzustellen, als sich die Ereignisse überschlugen.

Denn ihre Flucht vor der entsetzlichen Fress-Folter (es verging fürderhin kein Weihnachtsfest, an dem Matt nicht eine treffliche Aruula-Imitation zum Besten gab, nachdem er mindestens einen Liter sehr kohlensäurehaltigen Wassers zu sich genommen hatte) war nicht unbemerkt geblieben.

Schwarze knotige Gestalten stürmten die Höhle! Ihr intensives Odeur drehte Matt erneut den Magen um, und nun wusste er auch, dass ihm vorhin in den Tunneln sein Geruchssinn keinen Streich gespielt hatte: Die Eindringlinge bestanden aus getrockneten, mit Draht zusammengefügten Riesenzwetschen!

„Die Geheimpolizei des Santa Graus!“, rief Sepp Nüssli voller Schrecken, denn man hatte ihm von den schauerlichsten aller Schauerlichen Schergen des Weihnachtstyrannen schon erzählt. „Und zu allem Überfluss auch noch bewaffnet!“

Die Waffen nahm Matt erst wahr, als der Erste der schwarzen Zwetschenmänner heran war. Sein unförmiger Leib war gespickt mit überdimensionalen Gewürznelken! Jede einzelne war mindestens zwanzig Zentimeter lang, und die Spitze, die der Zwetschenmann soeben mit einem laut schmatzenden Geräusch aus seinem Leib zog, war genau das: spitz.

Sehr spitz!

Nun schmatzte es überall vor ihnen, und eine breite Front von Nelkenkämpfern rückte auf sie zu. Sie mussten die Flucht der drei Freunde aus der Zelle von Anfang an beobachtet haben und ihnen gefolgt sein; anders war ihr massives Auftreten nicht zu erklären.

Matt beschloss, nie wieder eine Pflaume zu unterschätzen und auch niemanden mehr mit diesem Prädikat zu bedenken.

„Wir sollten von hier verschwinden!“, rief der Sepp seinen Gefährten zu, was sicherlich die schlechteste Idee nicht war. Er rannte los, und Matt und Aruula folgten ihm, ohne lang zu überlegen. Im Laufen griff Matt nach dem Gnom und hob ihn sich auf die Schultern. So würden sie schneller vorankommen.

Schon einige Sekunden später wurden die ersten Nelkendolche wie Geschosse auf sie abgefeuert, doch glücklicherweise traf keines von ihnen. Dafür begann der stechende Zwetschgengeruch, der von den Schergen ausging, Matt langsam aber sicher zu betäuben. Er taumelte.

Sepp bemerkte es und beugte sich zu seinem Ohr hinab. „Es gibt ein Mittel gegen den heimtückischen Kampfgestank!“, schrie er hinein, dass Matt einem Hörsturz nur knapp entging. „Hier!“

Er zog einen kleinen Flakon aus seiner Tasche, öffnete den Korken und zog geräuschvoll die Luft ein. Ein wohliges Stöhnen entrang sich dabei seiner Kehle. Dann hielt er den Flakon Matt nach unten vors Gesicht.

Matt folgte in blindem Vertrauen dem Beispiel des Gnoms.

Im nächsten Moment wünschte er sich, er hätte es nicht getan! Denn was er riechen musste, war beinahe noch schlimmer als in die Hände der Geheimpolizei zu fallen…

„Verfaulte Eier sind die schlagende Geheimwaffe der East’R’Bunn gegen die Betäubungsmittel der schwarzen Zwetschenmänner!“, verkündete Sepp. „Nichts wirkt besser!“

Er hatte Recht. Dieser Geruch vertrieb wirklich jeden anderen…

„Das sind keine normalen Eier“, fuhr Sepp fort. „Die Essenz wird aus den so genannten East’R’Eggs hergestellt, die monatelang reifen müssen! Es erinnert mich an manchen Käse aus der Heimat…“

„Wo führt der Gang eigentlich hin?“, unterbrach Aruula Sepp Nüsslis Ausführungen. Inzwischen führte selbiger immer steiler bergan und wurde glatt, sodass sie Mühe hatten, voranzukommen.

„Ich habe nicht die leiseste Ahnung“, gab Sepp zu. „Nach oben, wie’s ausschaut.“

„Also wieder in die Saukälte“, sagte Matt frustriert.

„Aber, aber, meine Freunde! Positive Gedanken!“, meinte Sepp. „Alles ist besser, als den Zwetschgenmännern in die Hände zu fallen!“

Nun, da war sich Matt nicht ganz so sicher…

Autor: Christian Montillon

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