MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 17

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

17. Kapitel

Unterdessen erreichte die Kritzmess-Party im Palast von Santa Graus ihren orgiastischen Höhepunkt. Keine der Engelstänzerinnen trug noch ein Gewand am Leib, und die Santaratzen und Clausezaans zerrten sie geifernd von den Tischen und begrapschten die kichernden Goldlöckchen. Ein Fass nach dem anderen wurde geleert. Die Band spielte so heiße Rhythmen, dass sich ihre angenähten Bommel allmählich bräunten und sich zarter Mandelduft verbreitete.

Santa Graus ließ sich die Huldigungen der dicken Leckerdirnen gern gefallen. Er stand auf einem Stahltisch und bewegte sich leicht zur Musik, die seinen Schwabbelbauch zum Wallen und Wackeln brachte. Die nackten fetten Weiber tanzten singend um ihn herum und bestreuten ihn mit Kokosmakrönchen, Eischneesternen, aufgeflämmten Haselbällchen und zerbröselten Vanillekipferl. Und sie sangen.

„Santa, Santa, welche Wonne,

bald wiegst du ’ne ganze Tonne,

So fliegst du zum Schornstein raus,

und dann ist der Ofen aus!

Steck die Kinder in den Sack,

aus der Haut mach dir ’nen Frack,

zünd die Häuser an im Nu,

und über allen Wipfeln ist Ruh!“

Mel’cho zog Gaspaa und Balthaasa beiseite. „Wir dürfen nicht mehr zu lange warten, er wird langsam ungeduldig“, raunte der Guul, von dem immer noch Schlamm auf das Parkett klatschte.

„Dass ssstimmt“, nickte die Taratze und kratzte sich heftig. Auf ihrer Brust, wo sie sich das Fell herausgerissen hatte, war ein juckender Ausschlag entstanden. „Errr fängt ssson an, nach Laddyy Marrria zu ssnappen…“

„Kein Wunder, nach der langen Diät“, brummte Rev’rend Balthaasa. „Aber ob die Opfer schon genug zugenommen haben? Nicht dass uns so ein Desaster widerfährt wie damals mit Hänsel und Gretel…“

Als wäre dies ein Stichwort gewesen, kam ein winziger dürrer Elv mit spitzen Ohren, grünem Jäckchen und roten Pluderhosen herbeigerannt. „Jammer, o Jammer!“, jammerte er. „Sie sind geflohen!“ Und er zog sich an seinen spitzen Ohren. Die von seinem spitzen Hut herabhängenden spitzen Zapfen klingelten traurig.

Die drei Grausheiligen fuhren zusammen. Sie begriffen sofort, von wem die Rede war. Bevor ein anderer die Neuigkeit mitbekam, schnappten sie sich den Elv, zogen ihn in eine dunkle Ecke und wisperten erregt auf ihn ein: „Nein! – Wie konnte das geschehen? – Waren sie nicht fett genug? – Wasss habt ihrrr unterrrnommen?“

„Ich… ich schickte ihnen die Zwetschenbrigade hinterher!“, versuchte sich der Elv zu rechtfertigen, der für die interne Sicherheit verantwortlich war, bislang aber nie hatte tätig werden müssen, weil niemand es wagte, in Santa Graus‘ Palast Ärger zu machen. Außer Santa Graus selbst natürlich.

„Uuuhhh!“ Der Guul erschauerte. „Die schauerlichsten aller Schauerlichen Schergen…“

„Aber sie haben versagt!“, jammerte der Elv. „Oh, was soll ich nur tun… wir werden bestimmt alle gefressen…“

„Du dürrer Wicht taugst höchstens als Zahnstocher“, schnarrte der Rev’rend. „Aber noch ist die Hoffnung nicht verloren. Wenn wir uns sputen, können wir sie rechtzeitig einfangen und zurückbringen.“

„Aberrr wie?“

„Wir schicken Ruu’doff, seine Nase ist die beste!“

Mel’cho verlor vor Schreck auf der Stelle allen Schlamm, der Taratze fiel vor Entsetzen das restliche Fell aus, der Elv wurde ohnmächtig und schrumpelte zu einem welken Blatt zusammen.

Ruu’doff! Allein der Name verursachte Plaque und Pickel am Ar… Allerwertesten. Das grässlichste aller Grauslichen Monster, das nur vom Weihnachtstyrannen selbst im Zaum gehalten werden konnte!

„Memmen!“, stieß der Rev’rend verächtlich hervor, zog den Revolver und wirbelte ihn lässig um den Finger. „Dann mach ich es eben allein.“

Er verließ den Palast, trotzte eisern der beißenden Kälte und stapfte durch den Schneesturm in den Stall nebenan, der aus meterdickem Stahl gefertigt, mit dreißig Ketten umwickelt und neunzig Schlössern und Riegeln gesichert war.

Als Balthaasa das erste Schloss öffnete, erbebte die Hütte unter einem heftigen Schlag, und ein schauriger Schrei drang hervor. Doch obwohl sämtliche Nähte seines Hutes aufplatzten, machte der Rev’rend weiter. Er wollte sich schließlich vor den anderen nicht blamieren.

Schließlich schob er den letzten Riegel zurück und öffnete vorsichtig die schaurig quietschende Tür. Drinnen war nur Dunkelheit. Dann sah Balthaasa etwas aufleuchten – ein rotes Licht, das langsam näher kam…

Autorin: Susan Schwartz

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