MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 23

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

23. Kapitel

„Lof! Mapff fon!“, nuschelte der überraschend zahnlose Rev’rend und versetzte Matt einen Stoß in den Rücken.

„Ich geh ja schon.“ Matt rutschte auf der breiten Schokoladenspur aus, fing sich aber sofort wieder. Er verzog das Gesicht, als die Fesseln tief in seine Handgelenke schnitten.

Vor ihm endete der breite, kakaodunkle Gang in einer von Fackeln erleuchteten Grotte. Matt hörte das rhythmische Stampfen gewaltiger Maschinen. Warme Luft wehte in den Gang und brachte zartbitteren Schokoladengeruch mit sich. Hinter ihm stöhnte Aruula leise, als der Geruch den Gedanken an Nahrungsaufnahme weckte. „Schon gut“, sagte er. „Man will uns umbringen, nicht mästen.“

„Wudan sei Dank“, antwortete sie erleichtert.

„Halpfs Maul, geht fneller!“ Ein weiterer Stoß trieb Matt in die Grotte hinein.

Er wollte sich beschweren, doch dann fiel sein Blick auf das, was vor ihm geschah. Unwillkürlich hielt er den Atem an.

Ein knappes Dutzend Lebkuchenmänner umringten die Schokoladen­skulptur der East’R’Bunn, schoben sie auf einen schwarzen Kessel zu, der so riesig war, dass man ganze Bäume benutzte, um ihn von unten zu heizen. Etwas dampfte darin.

„Was ist das?“, fragte Aruula.

Matt schluckte.

„Ein warmes Wasserbad“, sagte er rau. „Wie grausam.“

Die Sekunden des Schokohasen waren gezählt. Die Schergen wuchteten ihn ächzend über den Rand und ließen ihn in den Kessel gleiten. Die Glocke um seinen Hals klingelte einmal leise, beinahe traurig, dann schlug das Wasser über ihm zusammen.

Sepp wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel. „Da geht ein wahrer Held“, sagte er.

„Held?!“ Santa Graus‘ Stimme ließ Matt zusammenzucken. Die massige Gestalt schob sich an ihm und den anderen Gefangenen vorbei ins Innere der Grotte. „Das war kein Held. Helden tragen ihre Eier nicht in Körben, sondern hier.“ Er holte aus, um sich zwischen die Beine zu greifen, aber seine Hände wurden von seinem aufgedunsenen Wanst gestoppt.

„Maddrax?“, fragte Aruula verwirrt. „Warum tragen Helden ihre Eier im Bauchnabel? Sind sie da sicherer?“

„Halpf Maul!“ Der Rev’rend hob die Faust. Matt machte einen Schritt vor, um sich zwischen ihn und Aruula zu stellen.

„Hey, Fettflöckchen!“ Die dunkle Stimme hallte durch die Grotte. „Ich werde dir eine lamettern, dass du die Glocken klingen hörst!“

Matt drehte sich um und traute seinen Augen nicht…

… als sich ein riesiger grauweißer Hase aus dem Kessel erhob! Wasser und Schokolade tropften aus seinem Fell.

„Easter Bunny.“ Sepp Nüsslis Stimme war ein ehrfurchtsvolles Flüstern. „Wie ist das…“

Möglich, hatte er wohl fragen wollen, doch die Antwort lag auf der Hand. Die Rebellen mussten alles von Anfang an geplant haben. Unter der Schokoladenschicht hatte sich der wahre Osterhase verborgen – und Santa Graus hatte seinen Erzfeind höchstselbst in die Höhle des Löwen schaffen lassen. Jetzt stand er seinem erbitterten Rivalen gegenüber, während sich seine Truppen an der Lamettastraße Ecke Glöckchengasse den Honighintern abfroren.

„Ich kann deine Eier gar nicht sehen“, sagte der Riesenhase mit bösem Grinsen und ballte die Pfoten. „Dann muss ich wohl deinen Kopf anmalen… nachdem ich ihn ausgeblasen habe.“

Santa Graus nickte knapp. Die wenigen verbliebenen Lebkuchenmänner ließen die Gefangenen stehen und bezogen in Zweierreihen zwischen ihm und dem Osterhasen Stellung.

„Schnell“, flüsterte Matt Aruula zu und hielt ihr seine gefesselten Hände hin. „Hilf mir.“

Aus den Augenwinkeln sah er, wie der Osterhase mit einem Satz aus dem Wasserbad sprang. Auf den Hinterläufen tänzelnd, hob er die Vorderpfoten vors Gesicht. „Uaaahhh“, flötete Easter Bunny durch seine großen Schneidezähne. „Uhh, uhii.“

Der letzte Laut war noch nicht verhallt, da schossen seine Hinterläufe vor und zerschmetterten die erste Reihe der Lebkuchenmänner, als bestünden sie aus Esspapier. Die riesigen Füße trommelten über den Boden, traten, schlugen und verwandelten die Soldaten in Krümel. Die restlichen übten sich in gepflegtem Rückzug. Dann stand der Osterhase auch schon tänzelnd vor Santa Graus.

Matt pfiff anerkennend. Ziemlich krasser Kickboxer, dieser Hase, dachte er. Das überraschte ihn auch nicht besonders. Schließlich handelte es sich um den Easter, nicht um den Wester Bunny.

„Auf diesen Eiertanz kann ich verzichten“, brüllte der Kritzmesstyrann wütend. „Kämpfe wie ein echter Hase!“

Easter Bunny neigte den Kopf. „Wie du willst, Rotröckchen.“

Matt sah, wie er die Muskeln anspannte und tief durchatmete. Santa Graus aß einen Dominostein und hob die Fäuste. Eine voluminöse Standuhr in einer Ecke begann dumpf zu schlagen.

Mitternacht! Der 24. Dezember brach an. Und der Kampf der Feiertagstitanen begann…

Autorin: Claudia Kern

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