MADDRAX-Adventskalender 2016 – Türchen 24

Mordpol

Ein MADDRAX-Weihnachtsroman in 24 Teilen

Der MADDRAX-Adventskalender - Jeden Tag ein weiteres Kapitel! (c) Bastei Verlag

Der MADDRAX-Adventskalender – Jeden Tag ein weiteres Kapitel!
(c) Bastei Verlag

24. Kapitel

„Ho ho hoooo!“, brüllte Santa Graus. Das Schlagen der Uhr hatte ihn um einen weiteren Meter wachsen lassen. Dies war seine Stunde; in der Kritzmessnacht fühlte er sich unbesiegbar. Und auch seine verbliebenen Schergen fassten neuen Mut und rückten in breiter Front auf den Osterhasen zu.

Der tupfte sich mit dem Daumen der Linken über den Nasenflügel und winkte die Gegner mit der gestreckten rechten Pfote näher. Und noch während Matt sich wunderte, woher ein Hase Daumen hatte, schien Easter Bunny regelrecht zu explodieren.

Mit einem „Eieieieieiiiii!“ katapultierte er sich vorwärts. Lebkuchen­bröckchen wirbelten auf, als es die Restgarde zerbröselte. Kaum konnten Matt, Aruula und Sepp den Bewegungen folgen.

Der Weihnachtstyrann konterte mit einer vollen Breitseite Printen; mit einer Aachener Kombination deckte er den Osterhasen ein, dass dieser zur Seite flog.

„Jetzt hast du mich richtig wütend gemacht!“, knirschte das monströse Langohr und rappelte sich auf alle Viere. Der Eierkorb auf seinem Rücken deutete genau auf Santa Graus – und eine Zehntelsekunde später löste sich ein Russisches Sol-Ei mit Warp 2 daraus und zischte auf Santa zu. Der wehrte es gedankenschnell mit einer Zuckerstange ab. Die drei Gefährten duckten sich, als das Geschoss Funken sprühend über ihre Köpfe hinweg flog und das Tor zur Grotte in Myriaden Splitter sprengte.

Rauch wölkte auf und füllte den Raum.

Und auf der Schwelle glomm ein rotes Licht auf!

Als der Donner verklang und die Schwaden sich verzogen, stieß Santa Graus ein Stöhnen aus. Matt traute seinen Augen nicht. Sepp schluckte schwer. Und Aruula stieß ein jauchzendes „Süüüüüüß!“ aus.

Auf den Überresten der zerstörten Tür stand ein Rehkitz!

Genauer gesagt: ein RenDhark-Kitz!

Noch genauer: ein RenDhark-Kitz mit leuchtend roter Nase!

„Ruu’doff!“ Der Ausruf des Tyrannen war wenig mehr als ein Flüstern. „Wer… hat dich denn rausgelassen…?“ Seine Stimme versagte.

Der Kehle des Kitzes entrang sich ein Grollen, das geradewegs aus der Hölle zu kommen schien.

„Was ist denn mit dem Kleinen?“, fragte Aruula arglos.

„Da-da-das is-is-ist Ru-Ru-Ruu’doff!“, stammelte Sepp Nüssli. Er schluckte schwer. „Es heißt, dass nur das Geschirr des Kritzmessschlittens ihn bändigen kann. Freigelassen ist er schlimmer als… als“, er suchte nach Worten, „… als ein Absinken des Dow-Jones-Index beim Schwyzer Fränkli um mehr als 100 Zähler.“

„Wow!“, entfuhr es Matt. „Doch so schlimm?!“

Für geistreichere Kommentare blieb keine Zeit. Mit einem Brüllen sprang das RenDhark-Kitz vorwärts. Heiße Glut stob aus seinen Nüstern, und die Augen blitzten wie zu lange geröstete Maronen.

„Zu Boden!“, stieß Matt geistesgegenwärtig hervor. Sie warfen sich nieder, und Ruu’doff fegte über sie hinweg. Geradewegs auf die beiden Feiertagstitanten zu!

Santa Graus und Easter Bunny hatten keine Chance.

Schon hing das Kitz an ihrer beider Kehlen, zerfetzte ihnen mit scharfen Hufen den Wanst und bohrte ihnen die niedlichen kleinen Geweihspitzen tief in den Allerwertesten.

„Was für eine Bescherung!“, ächzte Santa Graus noch, bevor sein Blutsackleib aufriss und er das Zeitliche segnete.

„Ach du dickes Ei!“, stimmte der Osterhase zu, bevor es auch ihn in viele kleine Haarbüschel zerlegte.

Noch bevor der Kampf richtig begonnen hatte, war er schon wieder zu Ende. Schnaubend, das Maul voller Sackleinen und Fell, stand Ruu’doff da. Seine rote Nase leuchtete noch greller. Wie Lava tropfte es daraus hervor und brannte Löcher ins Parkett. Und dann richtete sich sein kohlenschwarzer Blick auf unsere Helden…

„Okaaaaay“, sagte Matt und erhob sich ganz vorsichtig. „Wir sollten sehen, dass wir schleunigst… Aruula! Was tust du?!“

Mit entschlossenen Schritten ging die Barbarin geradewegs auf das Kitz zu und nestelte dabei an einem Säckchen, das sie am Gürtel um die Hüfte trug.

„Aruula! Bist du wahnsinnig?!“

Sie schien Matt gar nicht zu hören. Mit spitzen Fingern zog sie eine kleine verkorkte Flasche aus dem Beutel, in dem sie auch die Farben für ihre Körperzeichnungen transportierte. „Du armes, armes Tierchen“, sprach sie dabei beruhigend auf die Bestie ein. „Ganz ein schlimmes Näschen hast du da. Tut höllisch weh, nicht wahr? Das kann einen ganz schön wuschig machen. Aber warte nur, Aruula hat ein Mittel dagegen.“

Damit entkorkte sie das Fläschchen, trat dicht an das schnaubende Kitz heran – und rieb dessen rotglühende Nase mit einer duftenden Salbe ein.

Es zischte vernehmlich – und Ruu’doffs Blick verklärte sich. Seine Nase wechselte von Rot zu Braun und von Braun zu Schwarz, und mit einem letzten Nießer klatschte ein Viertelpfund Rotz auf den Boden.

„Na also.“ Aruula kraulte dem RenDhark-Tier das Nackenfell. „Jetzt kannst du wieder frei durchatmen.“ Ruu’doff schmiegte sich an sie und schnurrte behaglich.

Nur eine Stunde später brachen Matthew Drax und Aruula auf. Sie hatten Santa Graus‘ Schlitten annektiert und Ruu’doff davor gespannt. Der Weiterreise nach Edmonton stand somit nichts mehr im Wege.

Die Bewohner von Polarstadt waren vom Tyrannen befreit, die Schauerlichen Schergen gegessen (und das wortwörtlich), und Sepp hatte sich bereit erklärt, noch ein Weilchen zu bleiben, um den wahren Geist der Weihnacht und des Osterfestes zu verbreiten. Und obwohl Matt seine Zweifel daran hegte, dass der kleptomanische Meisterspion jenen Geist selbst verinnerlicht hatte, tröstete er sich mit dem Gedanken, dass es schlimmer als zu seiner Zeit kaum werden konnte, als beide Feste eher Kommerzschlachten denn Feierlichkeiten glichen.

Blieben nur noch die Geschenke auf Santas Schlitten…

„Weißt du was?“, fragte Aruula mit leuchtenden Augen. „Die verteilen wir an alle MADDRAX-Fans, die sich diesen Blödsinn 24 Kapitel lang reingezogen haben!“

Matt sah sie irritiert an. „Wovon redest du?“

Aruula stutzte. „Keine Ahnung“, frohlockte sie dann, riss das erste Geschenk auf: „Guck mal – eine kleine Kristallpalme!“ und griff gleich nach dem nächsten.

Ihrer beider Jauchzen klang noch lange durch die stille, friedliche Weihnachtsnacht…

ENDE

Autor: Michael Schönenbröcher

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