Gelesen: „Throne of Glass“ von Sarah J. Maas

Von einer starken Frauenfigur, die nicht funktioniert

Ich mag Fantasy, ich mag starke Frauenfiguren. Da ich mich als Autor auch gerne im phantastischen Genre bewege, hält man es auch immer für eine gute Idee, mir Lektüre aus den entsprechenden Sparten zu schenken. Das ist auch richtig so. So lese ich oftmals auch Sachen, zu denen ich selbst wahrscheinlich nicht automatisch gegriffen hätte. Solch ein Fall ist auch „Throne of Glass“ von Sarah J. Maas.

Mittelschwere Enttäuschung – Sarah J. Maas‘ „Throne of Glass“ ist nicht unbedingt der beste Fantasy-Roman.
(Foto: privat)

Den Roman hatte man mir 2013 geschenkt – und zwar in der englischen Originalausgabe. Da ich mir zum Ziel gesetzt hatte, dieses Jahr wenigstens ein Buch auch auf Englisch zu lesen kam es mir nur recht, dass ich es da auf meinem Stapel ungelesener Bücher entdeckte. Im Vorfeld hatte ich davon gehört, dass Leser besonders die Hauptfigur, die Assassinin Celaena Sardothien, lobten. Sie sei eine starke weibliche Heldin, eine Figur, wie sie die Fantasy-Literatur öfter gebrauchen könnte. Mit entsprechenden Erwartungen machte ich mich an die Lektüre. Ich sollte sehr enttäuscht werden.

Denn Celaena ist zwar eine junge Kriegerin, die beste ihrer Zunft, aber sie kann ihre Fähigkeiten in diesem Roman kaum ausspielen. Sie muss sich in einem Wettbewerb mit anderen Kämpfern messen, aber diesen Prüfungen wird im Buch nur wenig Platz eingeräumt. Nach einer vielversprechenden Einführung verliert sich der Roman darin, hauptsächlich zu schildern, wie sich Celaena mal in den Prinzen und mal in den Hauptmann der Wache zu verlieben scheint. Wem soll sie den Vorzug geben? Wem darf sie überhaupt ihre Zuneigung schenken? Natürlich geht es auch um alte Geheimnisse und ein paar Tests, aber im Kern bleibt nur dieses Liebes-Geplänkel von der Story, die im Übrigen sprachlich alles andere als anspruchsvoll gestaltet ist, übrig.

Ja, ich bin nicht die Zielgruppe dieses Romans. Und es hilft vielleicht ach nicht, dass ich gerade erst in kurzer Folge alle „Hunger Games“-Filme gesehen habe, in denen Catniss Aberdeen in einer ähnlichen emotionalen Zwickmühle zwischen zwei Love Interests steckt. Nur, dass dies dort viel besser motiviert und gelöst ist als in „Throne of Glass“ – auch schon im ersten Band der Trilogie um die Hungerspiele. Sechs Romane um die Assassinin hat die Autorin Sarah J. Maas inzwischen geschrieben. Aber da der Auftakt nicht überzeugt, werde ich wohl kaum die nächsten Bücher über ihre ach-so-toughe Heldin lesen.

Hinzu kommt, dass der Roman durch diese Soll-ich-darf-ich-ihn-lieben-Passagen sehr viel an Tempo und Spannung einbüßt. Immer wieder werden Duelle, Intrigen und alte Geheimnisse eingestreut – aber diese Dinge wären viel besser dazu geeignet gewesen, die Figur zu entwickeln, ihre Fähigkeiten zu veranschaulichen und sie daran wachsen zu lassen. Wieder muss das Beispiel „Hunger Games“ dafür herhalten. Suzanne Collins zeigt, wie man es richtig macht. Als Finale bietet „Throne of Glass“ dann ein abschließendes Duell, bei dem die Protagonistin aufgrund einer Einschränkung, die ich hier aus Spoilergründen nicht verraten möchte, gar nicht aktiv mitwirken kann. Die Erwartungen verpuffen vollständig, ebenso die ohnehin kaum vorhandene Spannung darauf, wie es denn aus- und weitergeht.

Was alles sehr schade ist, denn das Potenzial wäre da gewesen, aus dem Setting und der Figurenkonstellation etwas Großartiges zu machen. Mag sein, dass es in den späteren Romanen gelingt. Nur bin ich da nicht mehr als Leser mit dabei.

 

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