Neuauflagen im Heftroman – Alter Wein in neuen Schläuchen? Ja, bitte!

Warum ich mich über jede Wiederveröffentlichung im Romanheft freue

Billy Jenkins, Tom Prox, Dorian Hunter (aka. Dämonen-Killer), Amerika, John Sinclair Classics und bald der Gespenster-Krimi – Derzeit erfreut uns der Bastei Verlag mit vielen neu, in Bälde oder kürzlich gestarteten Wiederveröffentlichungen von älteren Romanheften, die im Bereich der Western bis in die 1950er Jahre zurückreichen. Auch andere Verlage wie der Martin Kelter-Verlag probieren es jetzt nun mit Laycock wieder, nachdem Butler Parker sehr schnell wieder verschwand, und Pabel macht den Lesern mit den Seewölfen im Ebook eine Freude, auch wenn man derzeit dort keine Nachdruck-Prints im Heft findet.

Neuauflagen im Heftroman – Die Chance, Vergangenes und Verpasstes aufzuholen.
(Foto: Sascha Vennemann)

Anlass für diese kleine Notiz hier ist es, dass sich einige Leser wünschen, man möge als Verlag den Schwerpunkt nicht auf die kostengünstigeren Nachdrucke legen, sondern sich bitteschön um Neues bemühen: Neue Konzepte, neue Serien, neue Romane und Texte, die frisch, modern und verkaufsfördernd sind, damit das schwächelnde Format des Heftromans frischen Wind bekommt und wir uns noch lange daran erfreuen können. Sehe ich genauso: Ich will, dass der Heftroman noch möglichst lange die Regale unseres Landes (und auch gerne überall auf der Welt) bevölkert, vielleicht sogar etwas präsenter, als er es derzeit in seinen kleinen Drehständern und Nischen in den Bahnhofsbuchhandlungen tut.

Dennoch kenne ich als Autor auch die Sorgen und Nöte der Verleger, die versuchen müssen wirtschaftlich zu arbeiten. Machen wir uns nichts vor: Neue Romane und Konzepte kosten Geld. Werbung ebenfalls. Immer wieder wird gemault, dass der Heftroman zu wenig für sich wirbt. Wer sich aber schon einmal mit dem Marketing auseinandersetzt hat, der weiß, dass Werbung einfach verdammt viel Geld kostet und man den Effekt dieser in den seltensten Fällen adäquat messen kann. Da kann man es schon verstehen, dass Verlage sich dahingehend bedeckt halten – zumal die Zielgruppe für die Romane an sich auch schon ein eng umrissenes Klientel umfasst. Wenn schon der Buchmarkt allgemein einen Millionenschwund bei den Lesern zu verzeichnen hat, bleibt der Heftromanmarkt davon nicht unbeeinflusst – wenn auch, soweit zu überblicken, der nicht so sehr ums Überleben kämpft, wie immer gerne behauptet wird.

Gute Werbung für den Heftroman ist jedenfalls Präsenz. Das bedeutet, dass jede aktuell im Handel erhältliche Serie – egal ob Neuauflage oder neue Serie – die Chance erhöht, dass mal jemand danach greift. Dass nicht immer alle Hefte auch den Handel erreichen und die Verteilung teils zu wünschen übrig lässt, ist übrigens Sache des Vertriebs und nicht der Redaktionen. Wer sich deswegen beschweren will, wende sich also bitte direkt an diese Abteilungen der Verlage und nicht an Autoren oder Lektoren, die da oft gar nichts ausrichten können. Einfache Rechnung: Je mehr Serien es gibt, desto öfter werden sie wahrgenommen. Wer am Regal vorbeigeht, bekommt mehr Auswahl. Wer dort sowieso regelmäßig vorbeischaut, nimmt vielleicht auch mal ein Heft mehr mit. Diese Präsenz ist Werbung – und zwar genau an der Zielgruppe. Das finde ich sinnvoll.

Sinnvoll sind die Nachdruckserien auch für Spätberufene und faule Socken wie mich. Als ich im Jahr 2000 mit dem Lesen von Heftromanen begann, hatte das Format seine Blütezeit längst hinter sich. Dutzende, nein, hunderte von Serien waren in den Nachkriegsjahren bereits erschienen und wurden als zerfledderte Lese-Leichen auf Flohmärkten verscherbelt, wo ich dann den ein oder anderen ollen Macabros oder Tony Ballard einsackte, ohne zu wissen, was das überhaupt für Serien waren. Später las ich auch in Mystik-, Western- und (Gruß an Klaus N. Frick) Raketenheftchen-Romane hinein – und verliebte mich nicht nur in dieser Form des knappen Geschichtenerzählens, sondern vor allem in das tolle Format des Romanhefts.

Mit der weiteren Beschäftigung mit dem Heftroman erkannte ich, wie viel ich – der ich im Alter von 19 Jahren zum Lesen der Hefte kam und damit wohl einer der jüngeren Leser nach der Jahrtausendwende war – bislang auch schon verpasst hatte. Und da kommen die Neuauflagen ins Spiel. Denn mein Romanheft-Lesestart ist nun schon wieder fast 20 Jahre her. Mal als Vergleich: im Jahr 2000 lief die eigenständige John Sinclair-Serie „gerade mal“ 22 Jahre. Und selbst „meine“ Serie Maddrax hat in diesem Jahr die Volljährigkeit erreicht. Verdammt, wo ist die Zeit geblieben?

Machen wir uns nichts vor: Die Romanheft-Leser (und auch Autoren) sind größtenteils alte Knacker. Damit meine ich: wenige jenseits der 40, die allermeisten jenseits der 50. Nur wenige Menschen unter den Kollegen sind jünger als ich mit meinen derzeit 37 Jahren. Jüngere Leser kenne ich sogar gar keine persönlich. Aber ich will nicht von meiner Filterblase auf die Allgemeinheit schließen, vielleicht ist es ja auch gar nicht so. Die Generation, die so viel und so gerne Heftromane las, die erinnert sich vielleicht noch an die „alten Heftchen“ aus den 1970er und 1980er Jahren. Ich kann das gar nicht, ich war damals viel zu jung. Und so fanatisch, dass ich mir alle möglichen Serien bei Ebay oder auf Flohmärkten zusammenkaufen wollte, war ich dann auch nicht. Aber ich bin neugierig – darauf, was in dem Format schon alles lief und wovon die „Alten“ sprechen.

Die Neuauflagen sind da ein tolles Mittel, wie ich an diese Texte ohne großen Aufwand herankomme. Und zwar getaktet, als ob ich eine „neue“ Serie lesen würde. Was sie ja für mich auch sind. Die Zielgruppe dieser Neudrucke dürften also Nostalgie-Fans sein und Neuleser, so wie ich. Wer die alten Auflagen besitzt und gelesen hat, muss sie sich nicht kaufen, das ist richtig. Wer damals las und der Hefte im Laufe der Zeit verlustig ging, der kann sie sich jetzt wieder besorgen. Auch nicht übel!

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Neuauflagen – und zwar durch sämtliche Genres – ermöglichen es mir als „junger“ Romanheft-Leser, Altes aktuell neu zu erleben. Zudem erhöhen sie durch ihre Präsenz die Aufmerksamkeit für das Format und sind – oft – durch die zeitgleiche Veröffentlichung im Ebook-Format sogar fit für die nächste Lesegeneration. Noch so ein Ding: Im Zuge der Neuveröffentlichung werden die Texte oft erstmals digitalisiert und überdauern so jedes vergilbte Papier. So wird ein Kulturschatz zusätzlich elektronisch gesichert. What’s not to love about that?

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3 Antworten zu Neuauflagen im Heftroman – Alter Wein in neuen Schläuchen? Ja, bitte!

  1. Myxin der Magier schreibt:

    Ganz deiner Meinung. Ich bin zwei Jahre jünger als du und sehe es genauso. Auch ich freue mich über jede Neuauflage und hoffe sehr, dass noch viel aus den Archiven wieder ans Licht kommt.

  2. Corto Feldese schreibt:

    Ich freue mich über die Neuauflage alter Schätze, an die man antiquarisch auch nicht immer leicht kommt (und gönne natürlich den Autoren die Nachdruckhonorare). Und vielleicht schaffen sich die Verlage damit ein kleines Polster, um ab und zu auch immer mal wieder einen neuen Serienstart mit neuem Konzept (und etwas Werbung dafür) wagen zu können.

  3. Pingback: Neuauflagen im Heftroman – Alter Wein in neuen Schläuchen? Ja, bitte! – cptstarbucks.wordpress.com | Treffpunkt Phantastik

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