Staffel-Tagebuch: STAR TREK: DISCOVERY – Season 4

Aus diversen Gründen bin ich noch nicht dazu gekommen, die 4. Staffel STAR TREK: DISCOVERY zu schauen. Das hole ich jetzt nach und schildere meine Eindrücke zu den Folgen nach und nach in meiner neuen Rubrik „Staffel-Tagebuch“ – das Format eignet sich ja durchaus für weitere Serie, die ich so konsumiere. 😉 Wie immer gilt: Diese Kurzreflektionen zu den Folgen enthalten MASSIVE SPOILER! Wer also nichts über Inhalte wissen möchte, der sollte hier aufhören zu lesen.

Zukunftsvision: Die DISCOVERY ist in einer fernen Zukunft gestrandet. (Quelle: pixabay.com)


4×01 „Kobayashi Maru“ – Nomen est Omen. Burnham als Captain mit Retterkomplex. Nicht subtil, aber kann man machen. Weltraumstation-Rettung bzw. Evakuierung und Crew-Zusammenspiel macht Laune – und, sach ma: Ist da ein Tribble an Bord? Schön auch, mal wieder einen Lurianer zu sehen! Bisschen arg bemüht ist die Eingangssequenz. Bis ich gedanklich mal voreinander hatte, warum die Schmetterlingsmenschen zwar Satelliten bauen, die aber nicht an das veränderte Magnetfeld ihres Planeten anpassen konnten (ja ja, der Brand, ich hab’s dann auch kapiert, und wohl evolutionär bedingte Technologie-Abhängigkeit), ist auch eben ein Moment vergangen. Insgesamt aber: War unterhaltsam. Und das war ST:D nun wirklich nicht immer. Mal schauen, was jetzt so nachfolgt.

4×02 „Anomalie“ – Ein zerstörter Planet, ein emotional zerstörter Book und ein riskanter Flug in die Anomalie zwecks Datenerfassung. Saru ist im Fingerschnippen als Nummer 1 definiert und ansonsten geht es hauptsächlich darum, den handelnden Figuren möglichst viele Traumata ans Revers zu heften. Das ist in der Massivität, Plakativität und der übertrieben inszenierten Emotionalität schon ziemlich nervig und ich musste dabei sogar teilweise an die schwülstige Inszenierung des ersten „Twilight“-Films denken – und das ist nicht gut. Die „Nabelschnur“-Idee zwischen den Schiffen erscheint mir dramaturgisch irgendwie komplett überflüssig gewesen zu sein und ansonsten tobt sich die Pyro-Abteilung mal wieder heftig mit ihren Flammenwerfern auf der Disco-Brücke aus. Was ist denn das für eine seltsame Idee, diese seltsamen Feuerlanzen im Hintergrund? Amüsant: Die Erwähnung eines gewissen Sternenflottenoffiziers namens Picard und was über ihn in den medizinischen Akten der Zukunft steht. Allgemeines Fazit aber: Na ja.

4×03 „Wähle das Leben“ – Ein romulanischer Kriegerorden, den man zuletzt bei „Picard“ gefeatured hat und ein Dilithium-Raub, der am Ende für die gute Sache ist… Ja, das geht schon in die richtige Richtung. Allerdings erst bei der Auflösung, denn der Raub hat einen durchaus edlen Hintergrund, der schon absehen lässt, welche Aushandlungsprozesse der Wiederaufbau der Föderation mit sich bringen wird. Ein bisschen mehr Katharsis für Book, und ein neuer Körper für einen Trill runden das Paket ab. Spannend ist das alles nicht, und wirkt auch ein bisschen wie Aufräumen mit Altlasten, bevor man irgendwie weitermachen kann. Meine Motivation dranzubleiben, ist mit dieser Episode eher gesunken als gestiegen.

4×04 „Alles ist möglich“ – Tilly auf Ausflug mit einem Kadettenteam, Shuttleabsturz und Appellieren an die Werte des Zusammenarbeitens bei verschiedenen kulturellen Hintergründen: Gibt es ein klassischeres Star Trek-Thema? Bei „Discovery“ will man so häufig das Rad neu erfinden, dass Bewährtes fast ungewöhnlich wirkt – und in diesem Fall unglaublich erfrischend! Dazu eine gut montierte Nebenhandlung mit diplomatischen Verhandlungen, Kompromissen und Taktieren – mit trickreichem Erfolg: Das ist alles sehr, sehr trekkig und hat großen Spaß gemacht, wenn auch ein Charakter quasi herausgeschrieben wurde, der als Identifikationsfigur für viele Zuschauer vielleicht dringend hätte dabei bleiben sollen. Aber: Nach den ersten drei mittelmäßigen Folgen wirkt diese hier, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Klasse!

4×05 „Die Beispiele“ – Die neuen Kenntnisse über die Bedrohung durch die Anomalie sind nicht gerade überraschend, aber schön, dass es voran geht. Figuren bekommen langsam gute und durchgezogene Nebenhandlungen, die Konsequenzen haben und vernünftig vorbereitet werden. Tarka als neue Nebenfigur macht richtig Laune, und der Plot einer Kolonie-Evakuierung ist auch wieder ein klassisches Trek-Motiv, das man gar nicht groß variieren muss, damit es funktioniert. Aber, hey: Wer steht nicht auf Landminenkäfer? Und KIs mit Emotionen? Wiederum eine Episode, die mich gut unterhalten hat. „Discovery“, fängst du dich etwa?

4×06 „Stürmisches Wetter“ – Wow! Sehr dicht erzählte Episode, Kammerspiel auf der Brücke mit kleinen Abstechern. Starkes und wirklich unheimliches Bedrohungsszenario (Erinnerte mich leicht an die „Voyager“-Ausnahme-Episode „Nacht), wieder Teamwork gefragt und gut mit den Figuren gearbeitet. Das Finale ist ein wenig gestreckt geraten, aber in der Dramatik wirksam. Außerdem tut eine kürzere Laufzeit von etwa 45 Minuten den Episoden ziemlich gut. Die Fühlende-KI-Thematik wird intensiviert, der Konflikt zwischen Rache-Book und Föderations-Michael geht in die nächste Eskalationsstufe. Ist abzusehen, was da passieren wird. Drei gute Folgen am Stück! Ich wundere und freue mich!

4×07 „Verbindung“ – Eine Schiffs-KI verweigert aus Zuneigung zur Crew die Zusammenarbeit und die junge Föderation steht vor dem Stresstest zwischen Diplomatie und Selbstschutz. Gut, dass man da keine aktuellen Parallelen zu politischen Prozessen ziehen kann, die derzeit auf dem eurasischen Kontinent abgehen… :-/ Eine neue Lebensform wird „entdeckt“ bzw. definiert und es kommt zum absehbaren (vorerst?) endgültigen Bruch des ehemaligen Kurier-Dreamteams. Konsequent fortgeführt, immer noch trekkiger als alle Staffeln zuvor. Hier versucht man viel wieder gutzumachen, das zuvor nicht funktionierte. Für mich klappt das erstaunlich gut: Ich bleibe jetzt gerne an Ball und freue mich auf die weiteren Folgen!

4×08 „Alles oder nichts“ – Die „Star Trek“-Variante von „Casino Royale“: Book und Burnham pokern um waffenfähiges Schwarzmarktgut, Owos Wettklopperei ist ein „Quantum“ zu viel des Guten, aber unser kleiner, diabolisch aussehender „Broker“ war eine wirklich schöne Nebenfigur der Woche. Alle mögen Schurken und ein gutes Spiel, sei es TNG-Offizierspoker oder DS9-Dabo. Wie auch immer: Szenario gut hergeleitet, der Keil noch tiefer in Spaltung der beiden Ex-Kurier-Kussies getrieben und am Ende bleibt das Bedrohungsszenario aufrecht erhalten. Bringt den Plot nicht groß weiter, inhaltlich nicht sehr originell – in der Umsetzung jedoch unterhaltsam. Staffel 4 entwickelt sich seit vier Folgen zu meinem bisherigen „Discovery“-Favoriten.

4×09 „Rubikon“ – Book und Tarka setzen weiter aufs Pferd „Angriff als Verteidigung“, die Föderation schickt die Discovery hinterher und bringt einen neutralen Beobachter als Aufpasser mit an Bord: eine gute Gelegenheit, eine bekannte Figur wieder ins Spiel zu bringen. Das klappt hier ganz gut, auch wenn das Katz-und-Maus-Spiel mit flippigem In-den-Weg-Springen und dem Dialog durch die Scheibe doch schon sehr aufgesetzt wirkten. Das kann man alles schon so machen, wirkt aber alles unscharf und beliebig. Der finale „Twist“ war auch absehbar, und das Fehlen einer ausführlicheren Nebenhandlung tut der Episode nicht gut. Konnte mich letztlich nicht überzeugen. Beruhigend: Für die übrigen vier Folgen verlagert sich der Bedrohungsfokus nun hoffentlich etwas. Die Anomalie ist für mich hier auserzählt.

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