Ein bunter Strauß verpasster Chancen: „John Sinclair – Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ von Jason Dark

Wer ein bisschen verfolgt hat, was ich so lese, hat sicher schon bemerkt, dass sich dort ab und zu auch einmal Romane des von Jason Dark geschaffenen „Geisterjägers John Sinclair“ finden, die ich – was den Meister selbst angeht, der mehr als 2000 Romane für die Serie selbst verfasst und sich damit ein bewundernswertes schriftstellerisches Denkmal geschaffen hat – häufig mit einem lachenden und einem weinenden Auge begutachte. Das liegt häufig daran, dass mir Darks krude Sprachschöpfungen, die teils schiefen Bilder und allgemein sein – sagen wir mal: „reduzierter“ – Stil einige Probleme behalten. Andererseits liefert er im Ansatz stets spannende Ideen, nur an der Umsetzung mangelt es meiner Meinung, und das regelmäßig, nicht als Ausnahme.

Entsprechend skeptisch wagte ich mich kürzlich an die Lektüre des Hardcovers „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ aus dem Jahr 2003. Damals feierte man „25 Jahre John Sinclair“ mit diesem überlangen Spezialroman, in dem Dark einen der beliebtesten und furchteinflößendsten Gegner des Geisterjägers wieder auferstehen ließ. „Warum nicht?“, dachte ich. „Wenn es gut gemacht ist?“ – Tja, wie erwartet ist es das – leider – nicht.

Sieht cool aus, ist als Jubiläumsroman allerdings sehr enttäuschend: „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ von Jason Dark erschien 2003 zum 25. Geburtstag der Serie. (Foto: Sascha Vennemann)

Zäher Einstieg: John Sinclair findet sich in der von Will „Dracula II“ geschaffenen Vampirwelt wieder, wo ihm sein einstiger Freund eröffnet, dass jemand den Schwarzen Tod wiederauferstehen lassen möchte. Für diese simple Information braucht der Text fast 25 Seiten. Und gleich noch einmal 25 Seiten, bis John diese Information an sein Team, bestehend aus Sir James, Suko und Glenda Perkins weitergegeben hat. 50 Seiten dröge Einleitung, um dem Leser die Grundidee des Romans, die schon in seinem Titel steht, nahe zu bringen. Schwungvoll geht anders.

Der Antagonist: Der heißt Namtar, besitzt eine helle und eine dunkel-verbrannte Gesichtshälfte und ist, wie man später erfährt, ein gefallener Engel. Zusammen mit anderen hat er sich eine Dimension oder Welt geschaffen, in die oder der er bestimmte Seelen oder, nun ja, was halt so übrig bleibt, wenn man Dämonen meuchelt, hineinzieht, bevor diese ins Nimmerwiedersehen des hintersten Höllenwinkels verschwinden können. Oh, wie praktisch: Eine Art Pufferspeicher für Gegner, die man plötzlich wieder aus dem Hut zaubern möchte!

Die Lösung für die Rückkehr: Das ist tatsächlich die Lösung, wie der Schwarze Tod, das Riesenskelett mit Sense, wieder zurückkehren kann – einfach nachträglich erklären, dass man ihn in einer Nebendimension geparkt hat. Okay, das Erfinden von Nebenwelten und Dimensionen hat bei Sinclair durchaus Tradition, passt also ins Bild. Elegant war das allerdings nie und wirkt auch jedes Mal wie ein billiger Taschenspielertrick.

Die Quest: Eigentlich folgt dann eine ganz gute Idee, die durchaus für stimmungsvolle Momente sorgt. Denn um den Schwarzen Tod aus der anderen in unsere Welt zu holen, muss Namtar vier Menschen mit vier Eigenschaften töten, die den vier Evangelisten gleichen. Die kleinen Nebenplots um die Männer, die beispielsweise im Löwengehege eines Zoos oder in einem Schlachthaus arbeiten, sind gelungene Miniaturen. Sie bringen die Hauptgeschichte, auf die der Leser wartet, allerdings nicht voran und spielen – soviel kann man verraten – im Anschluss keinerlei Rolle mehr.

Späte Rückkehr: Bei 317 Seiten Gesamtlänge dauert es bis Seite 265, bis der Schwarze Tod dann tatsächlich zurück ist und seine Sensenmann-Arbeit in unserer Welt wieder aufnimmt – viel zu spät, um ihn als Hauptfigur und nachhaltige Bedrohung wieder in den Vordergrund zu stellen. Zwar sorgt er für einige actionreiche Kampfeinlagen, bleibt aber (Achtung, Wortwitz!) ziemlich „blass“ und für Leser, die die Figur nicht schon aus anderen Romanen kannten, seltsam ungefährlich. Soviel Gewese um dieses Gerippe?

Diese Punkte sprechen schon nicht sehr für den Roman, aber es gibt drei weitere, die ihn endgültig über die Klippe stoßen. Meiner Meinung nach sind das eklatante erzählerische Fehler, die hier begangen wurden.

Durchgehende Passivität: John und sein Team sind den ganzen Roman über zur Passivität verdammt. Sie müssen sich erst erklären lassen, was überhaupt die Gefahr ist. Dann laufen sie Namtar hinterher, der eine Person nach der anderen killt. John und Suko kommen stets zu spät, um die Morde verhindern zu können, hinken immer hinterher. Am Ende können sie der Übermacht des Schwarzen Todes nicht begegnen, sie sind dafür zu schwach und haben keine adäquate Waffe in der Hinterhand. Diese „Wir können nichts tun“-Haltung überträgt sich auch auf den Leser, der sich schnell fragt: „Warum soll ich denn dann weitergelesen?“ – Ein absoluter Lese-Killer, immer.

Eine Allianz, die nie zustande kommt: Hinzu kommt, dass Dracula II und Justine Cavallo John und seinem Team mehrmals anbieten, beim Kampf gegen die Rückkehr des Schwarzen Tods mitzuwirken. Mehrmals wird diese Möglichkeit angesprochen, jedes Mal schlägt John sie mit dem Hinweis darauf aus, dass Vampiren nicht zu trauen ist. Tja, dann lieber nichts tun und zuschauen, wie ein noch mächtigerer Feind zurückkehrt, anstatt dass man sich mal zusammenrauft und eine neue Einsatztruppe gegen gemeinsamen Gegner bildet? Nein, das wäre ja viel zu spannend geworden…

Ein Ende, das ins Leere läuft: Zum Schluss – und das ist fast die größte Frechheit – verläuft die Story einfach im Nichts. Namtar und der Schwarze Tod verschwinden einfach aus dem Einflussbereich der Menschen und Vampire, die ihnen an den Kragen wollen. Der Hinweis: „Es geht wieder von vorne los!“ soll wohl auf eine Fortsetzung in der Serie hinweisen. Allerdings bekommt das Hardcover so nicht einmal den Hauch einer Abrundung, hängt völlig in der Luft und man fragt sich, wozu man dann nun die ganze Story gebraucht und gelesen hat. „Die Rückkehr des Schwarzen Todes“ ist – bis auf wenige Nebenhandlungen – eine kolossale Enttäuschung und eines Jubiläumsbandes für ein so langlebiges und legendäres Franchise nicht würdig. Über die Lektüre habe ich mich sehr geärgert und ich hoffe wirklich, dass frühere längere Sinclair-Romane wie „Hexenküsse“ und „Voodoo-Land“ gelungener ausfallen: Sie stehen ebenfalls noch auf meiner Leseliste.

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