Gelesen: „Ein Tod“ von Stephen King

Vorfreude auf „Basar der bösen Träume“

Ich freue mich immer sehr, wenn Stephen King eine neue Sammlung von Novellen oder Kurzgeschichten veröffentlicht, denn das heißt für mich, ich muss mir nicht aus diversen Quellen zusammensammeln, was ich lesen möchte. Zudem ist King auch in kurzer Form oft absolut genial, wobei auch einige Texte dabei sind, die mehr einer Fingerübung gleichkommen als einer wirklich gelungenen Story. „Böser kleiner Junge“ war so ein Kandidat, der es als exklusives Ebook nach dem Besuch von King in Deutschland im Herbst 2013 zu uns geschafft hatte und in meiner Rezension beim „Geisterspiegel“ eher schlecht wegkam. „Mile 81“, ein weiterer, exklusiver Ebook-Vorgeschmack auf die nun im Januar erscheinende neue Sammlung „Basar der bösen Träume“, hat mir dagegen recht gut gefallen.

"A Death" - Das Cover der Story, wie es im "New Yorker" erschien.

„A Death“ – Das Cover der Story, wie es im „New Yorker“ erschien.

Nun hat es eine weitere Story – diesmal als Druckfassung – geschafft, vorab die deutschen Leser zu erreichen. Gemeint ist damit, wie auch bei den obigen Ebooks, die übersetzte Fassung. Im Magazin „Stern Crime“ gibt es in der gerade aktuellen vierten Ausgabe „Ein Tod“ zu lesen. Die Geschichte wurde im März 2015 erstmals im „New Yorker“ veröffentlicht und ist dort auch noch online zu lesen. Auch „Ein Tod“ wird in „Basar der bösen Träume“ zu finden sein.

Die Story spielt im „Wilden Westen“, 1889. Es um den etwas beschränkten Jim Trusdale, der wegen dem brutalen Würgemord an einen jungen Mädchen von Sheriff Barclay gefangen genommen wird. Man hat Trusdales Hut bei der Leiche gefunden, aber der Mann beteuert immer wieder seine Unschuld. Als weiteres Beweisstück soll ein Silberdollar dienen, den der Täter dem Opfer gestohlen haben soll, der aber unauffindbar ist. Während den Sheriff bald wirkliche Zweifel plagen, ob sie den Richtigen erwischt haben, wird das Todesurteil dennoch vollstreckt. Wobei dann, schlussendlich, post mortem, der Beweis auftaucht.

Im Vorwort erläutert King, dass er die Geschichte unbedingt erzählen wollte, weil er genau wusste, wie ihr Ton klingen würde. In der Tat ist der Stil diesmal eher knapp gehalten, vermittelt die Härte der Zeit und des zugrunde liegenden Verbrechens. Die Pointe hat mich ein wenig an die kleine Episode „The Golden Watch“ aus „Pulp Fiction“ erinnert.

„A Death“ ist sicher kein Meisterwerk, aber eine unterhaltsame Geschichte, die eine weitere Facette Kings zeigt: Er kann sich, trotz wahrer Textfluten von Romanen, auch kurz fassen, wenn es die Geschichte seiner Meinung nach hergibt. Besonders originell ist die Handlung hingegen nicht – aber, das stellt King immerhin selbst klar – darum ging es ihm ja auch gar nicht.

Dier vierte Ausgabe von "Stern Crime" in der die deutsche Fassung von "Ein Tod" exklusiv vorab veröffentlicht wurde.

Dier vierte Ausgabe von „Stern Crime“ in der die deutsche Fassung von „Ein Tod“ exklusiv vorab veröffentlicht wurde.

Noch ein Wort zur Art der Veröffentlichung: „Ein Tod“ passt ganz wunderbar in das Magazin „Stern Crime“, welches ich mir wegen der Story zum ersten Mal besorgt habe. Wer auf gut geschriebene True-Crime-Geschichten steht, bekommt hier gutes, reich illustriertes Material für knapp 5 Euro. Ich werde mir die ersten drei Ausgaben nachbestellen und habe wohl endlich – nachdem ja „Mein Papst“ wieder eingestellt wurde 😀 – ein neues Blatt gefunden, welches ich zur Erhaltung des Print-Marktes unterstützen kann.

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