Gelesen: „Bob, der Streuner“ von James Bowen

Mein kürzlich veröffentliches Review zum Katzenbuch „Bob und wie er die Welt sieht“ hat zu meiner großen Überraschung ziemlich die Runde gemacht, woran der offizielle Facebook-Account von James Bowen und Bob nicht ganz unschuldig ist: Dort wurde meine Rezension geteilt und hat innerhalb weniger Stunden fast 700 Likes bekommen! Auch eine deutsche Fan-Seite teilte meinen Beitrag, und auch dort gab es viel Zuspruch. Ich sage: Vielen Dank! Und nehme das zum Anlass, meine bereits 2014 in einem anderen Medium erschienene Besprechung des ersten „Bob“-Buches „Bob, der Streuner“ hier wiederzuveröffentlichen, bevor ich in weiteren Einträgen die beiden übrigen Bücher über das ungewöhnliche Duo genauer unter die Lupe nehme. Hier also meine Rezension von 2014, mit der alles los ging…

Ein Kater, der sein Leben veränderte

Bücher über Katzen sind immer nur so stark, wie die Geschichten der Personen, aus deren Perspektive sie erzählt werden. Natürlich ist jede Katze komplett eigenständig in ihrem Wesen und in dem, was sie für ihren Besitzer bedeutet. Eigentlich unterscheiden sich die alltäglichen Dinge, die eine Katze tut, von Tier zu Tier nicht sonderlich. Dennoch können sie ein Leben sehr verändern.

Das Cover der Taschenbuchausgabe von „Bob, der Streuner“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Diese Erfahrung hat auch James Bowen gemacht, dessen Buch „Bob, der Streuner“ nicht umsonst den Untertitel „Die Katze, die mein Leben veränderte“ trägt. Der englische Titel „A Street Cat Named Bob“ trifft den Kern der Geschichte eigentlich noch besser, denn Bob ist eine Straßenkatze, als Bowen den Kater eines Abends im Frühjahr 2007 im Treppenhaus seiner Londoner Wohnung antrifft und zunächst gar nichts mit ihm anzufangen weiß. Dabei ist Bowen selbst kaum ansehnlicher als der räudige, abgemagerte Kater: Er fristet sein Leben als Straßenmusiker, war lange obdachlos und heroinabhängig und befindet sich jetzt in einem Entzugsprogramm auf Methadon.

Da stehen sich beide Wesen gegenüber, ihr Leben aus den Fugen, das Überleben von einem Tag auf den anderen ist das Wichtigste. Als der Kater nicht wieder verschwindet, überwindet sich James und kümmert sich um ihn. Er lässt Bob trotz seines geringen Einkommens kastrieren und verarzten, kauft ihm Futter und pflegt ihn, bis er wieder kräftig genug ist. Ein Freilassversuch scheitert: Bob folgt James auf seinen Touren, fährt mit ihm Bus und wird zu einer Attraktion, die dem Musiker beim Gitarrespielen in der belebten Londoner City mehr Geld einbringt als je zuvor. Was folgt sind Stories über die Flucht vor neidischen Kollegen, missgünstigen Subway-Beamten und einen neuen Job als Verkäufer der Obdachlosenzeitung „The Big Issue“.

Je weiter das Buch fortschreitet, desto mehr geht es darum, wie James sein Leben in den Griff bekommt, als er z.B. kontrolliert das Methadon absetzt und nach einem abschließenden 48-stündigen kalten Entzug einen viel milderen Ersatzstoff nehmen kann. Bob wird dabei zur Projektionsfläche seines Wunsches, ein normales, ruhiges Leben führen zu können – so wie Bob es nun bei ihm führen kann. Darin liegt die Stärke des Buches, denn anstatt sich in endlosen und redundanten Erzählungen darüber zu ergehen, wie großartig sein Kater ist, konzentriert sich Bowen darauf zu berichten, was die neue Verantwortung für ein Katzenleben mit ihm gemacht hat. Nach und nach nähert sich James wieder seiner Mutter in Australien an und allgemein läuft es für in besser.

Es macht Spaß, ihn bei dieser Entwicklung zu begleiten, auch wenn es in der zweiten Hälfte des Buches immer weniger um Bob an sich geht. Wie gesagt, Bücher über Katzen sind nur so stark wie die Geschichten der Menschen, die hinter ihnen stehen. „Bob, der Streuner“ macht daher alles richtig und stellt Bowen und Bob als Einheit dar. Eine, die durch gegenseitige Zuneigung über sich hinausgewachsen ist.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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2 Antworten zu Gelesen: „Bob, der Streuner“ von James Bowen

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