Gelesen: „Mein bester Freund Bob“ von James Bowen

„Was ich vom Streuer über das Glück gelernt habe“

Dass eine Geschichte über einen Streuner-Kater, der einem Ex-Junkie und Straßenmusiker dabei hilft, sein Leben auf die Reihe zu bekommen, irgendwann auch einmal auserzählt ist, müssen auch James Bowen und sein Verlag beizeiten gemerkt haben. Nach den drei Büchern „Bob, der Streuner“, „Bob und wie er die Welt sieht“ sowie „Ein Geschenk von Bob“ wussten die Leser so gut wie alles über das faszinierende Paar, wie es sich kennenlernte und wie aus dem Kater mit rötlichem Fell eine weltweite Buch-Sensation wurde. 2014 schien also alles über Bob gesagt zu sein, was es bis dahin zu sagen gab. Folgerichtig legten James und Bob eine kleine Buch-Pause ein. Eine vierjährige Pause sogar.

2018 – Bob und James Bowen waren inzwischen durch die gelungene Verfilmung ihrer Geschichte auch denen ein Begriff geworden, die es mit dem Lesen nicht so haben – hatte man offenbar die zündende Idee, wie man noch einige weitere Geschichten über Bob unters Volk bringen konnte. Als Vorbild schaute man sich einmal an, was auf dem Buchmarkt eigentlich immer läuft, und kam auf den Trichter, den Ex-Straßenkater und seinen Ex-Junkie-Besitzer eine Art Glückratgeber schreiben zu lassen. Schließlich reiten die beiden, seit sie sich gefunden haben, quasi auf eine Welle des Glücks. Warum sollten nicht auch ihre treuen Leser daran teilhaben können?

Cover der Taschenbuchausgabe von „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“.
(c) Bastei Lübbe Verlag

Wie gesagt: Es ist nahe liegend, warum man als Verlag auf die Idee kommt, ein solches Buch auf den Markt zu werfen. Für James Bowen und Bob ist ihre gemeinsame Geschichte auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell geworden, das es entsprechend zu vermarkten gilt. Leider merkt man „Mein bester Freund Bob – Was ich vom Streuner über das Glück gelernt habe“ mit fast jeder Seite an, dass es hier nur darum geht, recht einfache Lebensweisheiten und Plattitüden mit ein paar Alltags-Story-Happen um Bob anzureichern.

In Kapiteln, die zwischen einer und bis zu drei Seiten Länge variieren, sinniert James Bowen anhand der Erlebnisse mit Bob darüber, was er beispielsweise über Freundschaften, Gelassenheit, Glaube, Liebe, Besitz, Genuss und Hoffnung gelernt hat. Viele der Beispiele beziehen sich dabei auf Ereignisse aus den drei zurückliegenden Büchern, denen hier sozusagen eine Moral nachgeschoben oder, oft auch nur mit einem Klischee-Spruch, übergestülpt wird. „Bob“-Bücher waren schon immer leicht zu lesen, aber in seinem Glücksratgeber gleitet das Mensch-Katzen-Duo in seichteste und belangloseste Gewässer ab und verliert damit jedweden Zauber, den es einmal inne hatten.

Beispiele gefällig? Unter abgedroschenen Spruch-Überschriften finden sich in knappen Sätzen geschilderte, anschauliche Anekdoten zur Verdeutlichung: Sei es die Erkenntnis, dass eine einzelne Spaghetti-Nudel beim Biegen bricht, die ganze Packung jedoch nicht („Gemeinsam sind wir stärker“), dass die Menschen die Geschichte von Bob und James gerne erzählt bekommen („Teile dein Glück“), dass das stundenlange Beobachten des Straßenverkehrs etwas Meditatives hat („Das Glück liegt im Inneren“), dass Achtsamkeit wichtig ist („Öffne deine Augen“) oder dass man es verdient hat, gemocht zu werden („Nimm die Liebe an“).

Viele der Beispiele spielen sich dabei natürlich zwischen Bob und James ab, sind aber oftmals sehr bemüht und müssen sich den Vorwurf der Beliebigkeit gefallen lassen. Denn solche Erlebnisse kennt jeder Katzenbesitzer, sie haben nichts Besonderes „James-Bob-Haftes“ und fördern absolut keine Erkenntnisse zutage, die einen längeren, persönlichen Nachhall erzeugen würden. „Mein bester Freund Bob“ ist deswegen – wie es ein anderer Rezensent bei einem großen Online-Einkaufsportal so treffend ausdrückt – „wie jedes andere Glücksbuch – nur eben mit einer Katze.“

Schade: Was James Bowen „vom Streuer über das Glück gelernt“ hat, ist jedenfalls nicht, wie man diese Erkenntnisse mit dem besonderes Etwas an den Leser bringt, das die vorangegangen Bücher – insbesondere die ersten beiden – ausgezeichnet hat. Als Geschenkbuch für „Bob“-Fans ist das 160-seitige Taschenbuch vielleicht noch geeignet. Das Experiment, einen Ratgeber mit dem Streuner zu „veredeln“, muss man allerdings eher als gescheitert betrachten. Hoffentlich hat das inzwischen saturierte Gespann im geplanten neuen und dann bereits fünften Buch wieder wirklich etwas zu erzählen.

(Dieser Text enthält Affiliate Links zum Anbieter Amazon und wurde anhand eines vom Verlag bereitgestellten Rezensionsexemplars der Taschenbuchfassung ermöglicht.)

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